Immer noch kein Sambafeeling

Quelle: 20min.ch

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Nun hat sie begonnen, die Fußball WM. Herbeigesehnt habe ich sie nicht, bis vor einer Woche wusste ich nicht einmal genau, wann sie eröffnet wird. Außer den deutschen Gruppengegnern hatte ich keine Ahnung vom Spielplan. Und obwohl ich vor zwei Jahren noch wie besessen Panini-Sticker sammelte, regt sich in mir angesichts der WM derzeit nur wenig. Ein bisschen Magendrücken vielleicht und vor allem: Abscheu.

Nein, ich möchte nicht die offizielle Fanzahnbürste des DFB kaufen (und ist sicher besonders fies zu behaupten, dass die richtigen Fans sich ohnehin nicht die Zähne putzen – welche überhaupt?), ich möchte keine Fanschminke, keine hundert verschiedenen Sammelkärtchen, Sticker oder sonstwas. Ich möchte keine Coke auf Ilkay oder Roman trinken, keine Samba mit das Ailton tanzen und danach Grillwürstchen essen, die irgendwie nach Brasilien schmecken sollen. Ich möchte keine Schland-Plastikfähnchen an meinem nicht-existenten Auto, keine schwarz-rot-goldenen Blumenketten, Cowboyhüte oder sonstige Geschmacklosigkeiten. Ich möchte keine WM-Songs hören, die sich aus „Olé olé“, „Holt das Ding“ und ein paar 0815 „Samba-Rhythmen“ zusammensetzen und vom Bodensatz der Musikindustrie wie irre auf den Markt geworfen werden. Die Sportfreunde waren 2006 schon schlimm, niemand weiß, wieso sich Olli Pocher in den Stadien durchgesetzt hat, aber NIEMAND braucht Musik von Bätschelor-Paule oder Kay One. Echt nicht. Diese ganze Kommerz (und Korruptions-)Scheiße will ich nicht.

Was ich möchte, ist guten und fairen Fußball sehen. Daran scheiterte man (hier: der Schiedsrichter) leider bereits beim Eröffnungsspiel. Blöd.

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Kein Sambafeeling

Quelle: 20min.ch

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Eigentlich liebe ich Fußball – egal ob Bundesliga, Champions League oder Europa/Weltmeisterschaften. Bald ist es ja auch wieder soweit, aber so richtig Vorfreude auf Brasilien will bei mir nicht aufkommen. Einerseits, weil die FIFA einfach ein ekelhafter Sauhaufen ist, in welchem sich alte Bonzen gegenseitig Gelder für Stimmen zuschieben. Allein deshalb und wegen der Zustände in Brasilien sollte ich die WM eigentlich boykottieren, denn es ist unerträglich, dass das zugegebenermaßen eher banale Rumgeschiebe eines Balles höhere Priorität erhält als die wirklich essentiellen Probleme des Landes und seiner Bevölkerung.

Dass ein solches Sportereignis aber schon im Vorfeld nervtötend sein kann, muss in den vergangenen Jahren, die ich in einem fußballtechnischen Entwicklungsland verbracht habe, an mir vorbeigegangen sein. In Österreich, welches ja zuletzt 2008 nur deshalb an einer EM teilnehmen durfte, weil es sie ausgerichtet hat, sind Fußballmeisterschaften dieser Art kaum wahrnehmbar. Außer, es spielt Deutschland. Dann sind alle Einheimischen für das gegnerische Team. Man sieht keine Fahnen (was ich großartig finde) und auch die Werbemaßnahmen sämtlicher Süßwaren- und Nippeshersteller sind nicht bereits Monate im Vorfeld auf dieses eine Großereignis ausgerichtet.

Denn – mir gehen diese unzähligen Sambawerbespots für Würstchen, Sticker, Trommeln und Überraschungseier bereits jetzt massiv auf die Nüsse. Ich habe den Überblick verloren, wo ich welche Aufkleber sammeln kann und eigentlich ist es mir auch egal. Ich werde mir auch keine „Combinho“ kaufen – eine schwarz-rot-güldene Trommel-Installation, die ironischerweise von Dante, einem brasilianischen Abwehrspieler, inklusive Idiotenapostroph beworben wird. Hat man ihm gesagt, dass diese Gerätschaft zum Anfeuern der deutschen Nationalmannschaft genutzt werden soll, während er doch für die Seleçao auflaufen wird? Wahrscheinlich wird man sich bald schon die Vuvuzela zurückwünschen. Es ist echt zum Heulen, wie sehr man Klischees und Stereotype über Brasilien in Werbespots auswälzen kann…

Und sowieso – dieses Fahnenmeer wieder. Ich weiß nicht, ob es mich anekeln oder ob ich nicht doch froh sein soll, dass schwarz-rot-gold bislang doch nur während der vier Wochen der EM/WM (bzw. bis zum Ausscheiden der deutschen Mannschaft, welches ich in diesem Jahr eher früher als später erwarte) en vogue zu sein scheint. Beinahe schon faszinierend finde ich, WAS nicht alles in den deutschen Nationalfarben (beim Schreiben dieser Worte schüttelt es mich) produziert werden kann, allerdings weiß ich jetzt schon, dass ich mir nichts davon kaufen werde. Aus Gründen.

Angesichts dieses ganzen vor-WM-lichen Wahnsinns frage ich mich, ob bei mir überhaupt irgendeine feierliche Stimmung bezüglich des Events aufkommen wird. Mag auch sein, dass meine Verzagtheit auch am unrühmlichen Ausscheiden meiner Lieblingsmannschaft aus der CL liegt oder daran, dass die Saison noch nicht vorbei ist. Allerdings werden wohl dennoch während der WM zwei Herzen in meiner Brust schlagen…

Quelle: 9gag.com

Quelle: 9gag.com