Wait for it…

Ich habe oft das Gefühl, dass das Leben nur aus Warten besteht. Am Morgen wartet man, dass der Kaffee endlich fertig ist. Im Büro dann auf die Mittagspause und dann natürlich auf den Feierabend. Das Wochenende kann auch nicht früh genug da sein und wann habe ich endlich wieder Geburtstag? (Für alle, die gratulieren wollen: In zehn Tagen!!) Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude, aber ach, ich hasse es. Ich möchte Bestellungen sofort haben, die Ankündigung von Überraschungen macht mich rasend. Geduld ist eine Tugend? Dann bin ich wohl kein tugendhaftes Mädchen! Ich möchte alles und das am liebsten jetzt sofort.

Und dann sitze ich da, verfolge den Paketmann online und frage mich, wieso sich die Lieferzeit immer weiter nach hinten verschiebt. Oder ich ärgere mich, dass ich den Zusteller gerade verpasst habe und nun auf den nächsten Tag warten muss – worst case – extra zur Post fahren muss. Wieso liegt so viel Zeit zwischen den schönen Tagen im Jahr, die man mit FreundInnen verbringt? Ach und was ist eine Stunde Warten beim Arzt, wenn man auf den Termin schon monatelang warten musste? Anzeigetafeln von öffentlichen Verkehrsmitteln machen mich kirre, denn die angezeigten Minuten verstreichen wesentlich langsamer als reale 60 Sekunden, ich habe das mal gemessen. Es gibt wohl eh eine Regel, die besagt: Je ekliger das Wetter, desto länger lassen Bus/Zug/die Verabredung auf sich warten. Und wenn es die noch nicht gibt, dann habe ich sie hiermit aufgestellt.

Dies alles schreibe ich übrigens, während ich darauf warte, dass mein Eis angetaut ist. Story of my life!

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Auf der Suche nach Passierschein A38

Quelle: comedix.de

Quelle: comedix.de

Oft  schreibe ich hier über Dinge, denen wohl nur ich Hass entgegenbringe und denen allgemein mit Gleichgültigkeit oder gar Sympathie begegnet wird. Dann gibt es aber auch Themen, die zu hassen fast schon zum guten Ton gehört. Die Deutsche Bahn zum Beispiel, Kümmel oder Neo-Nazis. Darüber möchte ich eigentlich nicht schreiben, denn Konsens finde ich langweilig, aber heute komme ich nicht umhin, mich über einen beliebten Aufreger auszulassen: Bürokratie. Egal wo.

Es ist schier unglaublich, wie viele Menschen nur deshalb einen Job haben, weil irgendwelche Dienstwege unnötig verkompliziert werden, weil sie sinnlose Formulare aushändigen oder abstempeln müssen oder weil noch ein Büro frei war. Ganz besonders deutlich wird dies wohl in öffentlichen Einrichtungen, auf Ämtern, wo man für einen Stempel nicht nur ewig warten muss, sondern auch noch Geld bezahlen darf.

An meiner letzten Bildungseinrichtung in Wien gab es – im Unterschied zu vielen deutschen Universitäten – keinen Studierenden-Ausweis, der Semesterticket und Bibliotheks-Ausweis vereinte. Um also Bücher an der uni-eigenen Bibliothek ausleihen zu können, musste man mit dem wichtigsten Dokument, welches man als Bürgerin in Österreich hat – dem Meldezettel – vorstellig werden, um nachzuweisen, dass man irgendwo im Lande einen Wohnsitz hat und an der Universität eingeschrieben ist. Ich möchte gar nicht wissen, wieviele motivierte „Erstsemestrige“ zunächst unverrichteter Dinge die Bibliothek wieder verließen, weil sie dieses zentrale Dokument ihrer bürgerlichen Existenz nicht dabei hatten. Wieso auch immer nicht automatisch jede an der Uni eingeschriebene Person Zugang zur Bibliothek bekommt, ist mir bis heute ein Rätsel. Hauptsache, dieser Meldezettel, den man am besten immer am Körper trägt, weil man nicht weiß, wann man ihn wieder benötigt, hat seine Daseinsberechtigung.

Aber egal, in welcher öffentlichen Einrichtung ich mich bewegte – ich kam mir vor wie Asterix und Obelix auf der Suche nach Passierschein A38, trug ständig Formulare von A nach B, um dann wieder zur nächsten Person geschickt zu werden, die auch nicht zuständig war. Hätte ich bei der Anmeldung meiner Master-Arbeit für die zurückgelegte Strecke Kilometergeld bekommen, ich hätte mich davon eine Weile ernähren können, denn es ist kaum zu glauben, für welche Nichtigkeiten Zettel unterschrieben und an unterschiedliche Stellen verbracht werden müssen. Allein für die Leistung, diese Anmeldung ohne Schwierigkeiten durchzubringen, sollte man den Abschluss zugesprochen bekommen, denn so lernt man was zu den wichtigen Dingen im Leben: Überleben in Behörden.

Und es wurde auch nach dem Studium nicht besser, im Gegenteil. Ich verbrachte große Teile meines bisherigen Arbeitslebens in einem Sisyphos-artigen Kampf  mit der herrschenden Bürokratie. Schon zur Einstellung musste ich einen wahren Papierberg ausfüllen, der aus mir einen quasi-gläsernen Menschen machte. Da es in meiner „Branche“ üblich ist, nur befristete Verträge zu vergeben, ist es ständig aufs Neue erforderlich, neue Formulare auszufüllen und so früh wie möglich an die entsprechende Stelle zu senden – um den neuen Vertrag zum spätest möglichen Zeitpunkt unterschreiben zu können, denn während man sich selbst abhetzt und geregelte Arbeitszeiten eine Wunschvorstellung sind, wird in der Verwaltung pünktlichst der Stift beiseite gelegt. Außerdem sollte man bloß schauen, alle Unterlagen auch immer an den richtigen Stellen unterschrieben zu haben, sonst werden sie umgehend zurückgeschickt und das Spiel geht wieder von vorne los.

Ach, man könnte wahrscheinlich ganze Bände mit Begebenheiten füllen, wenn man wieder in Eile bei einer Behörde vorstellig wurde und die mutmaßlich verbeamtete Person hinter dem Schalter in einem unerträglichen Schneckentempo das tut, wofür sie bezahlt wird. Da wundert es auch nicht, weshalb insbesondere in Bürgerämtern die Wartezeit zur Beantragung eines neuen Ausweises oftmals Stunden beträgt. Die Menschen, die dort arbeiten, können einfach nur einen Antrag pro Stunde bearbeiten und müssen danach erst einmal ruhen. Das klingt jetzt gemein und wahrscheinlich gibt es auf Ämtern auch Menschen, die ihren Job gerne und emsig machen, aber: Es gibt wenig, was mehr Zeit frisst als ein Behördengang. Und da viele Ämter und Sekretariate sehr selektive und ArbeitnehmerInnen-unfreundliche Öffnungszeiten haben, ist es umso ätzender, Stunden warten zu müssen. Es wird auch nicht besser, wenn man gar nicht persönlich vorstellig wird, insbesondere dann, wenn Telefonanrufe gar nicht erst angenommen (oder erst nach einer Warteschleife mit ganz besonders fieser Musik) und E-Mails nur dann beantwortet werden, wenn man das Anliegen sehr deutlich und mit ausreichend Fragezeichen formuliert, damit das eigene Schreiben auch ja nötige Wichtigkeit impliziert.

Ich möchte jetzt nicht für Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst appellieren, die den herrschenden kapitalistischen Bedigungen unterworfen sind (wobei es die in Teilen mit prekären Dienstverträgen und anderen Unverschämtheiten natürlich schon gibt). Ich möchte doch nur durchblicken können, ich möchte reibungslose Abläufe und ich möchte, dass meine Anliegen ernst genommen werden.