Am I doing it right, Henriette?

rekerstyle

Henriette Reker: Immer eine Armlänge hintendran.

… same procedure as every year…

Silvester_LenaSchade, Weihnachten ist vorbei und hat mich aus seinem Klammergriff der Besinnlichkeit freigegeben. Endlich ist mein Blick wieder ungetrübt für die wirklich beschissenen Dinge im Leben. Wie beispielsweise Silvester, dieses unsägliche Ereignis, welches sich bereits Tage im Voraus krachenderweise ankündigt.

Dabei ist Silvester ein ganz und gar verzichtbares Ereignis, welches mich jedes Jahr aufs Neue höllisch nervt, da ich es immer versäume, mich rechtzeitig um irgendeine hammermegakrasseexzeptionelltolle Unternehmung zu kümmern und bis zum 30.12. auf die Frage „Und, wo feierst du?“ nur ahnungslos mit den Schultern zucken kann. Am liebsten würde ich gar nicht aus dem Haus gehen, denn bisweilen erinnert die Ballerei zum Jahreswechsel an Kriegszustände. Clubs und Discotheken sind überfüllt, obwohl der Eintritt in der Regel absurd überteuert ist. Manche Menschen betreiben gerne Partyhopping – das finde ich allerdings nur stressig, denn erstens finde ich vor allem WG-Parties nervig (dazu kommt demnächst eine etwas ausführlichere Abhandlung) und zweitens finde ich es nicht erquicklich, ständig auf dem Sprung zu sein.

Außerdem werde ich niemals verstehen, wieso mensch sich ausgerechnet an Silvester besonders hart wegknallt – die Anzahl aggressiver oder übertrieben melancholischer Mitmenschen steigt zu Silvester exponentiell an – und nervt mich überaus. Geben sich diese Leute tatsächlich der von mir längst verworfenen Illusion hin, dass zum Jahreswechsel eine besonders großartige Party steigt, die man nieeemals vergessen wird? Ich wette, dass einzige, was man tatsächlich nicht vergisst, sind die infernalischen Kopfschmerzen am Morgen danach.

Wenn man also zu Silvester keine Lust auf Party hat, steht meist eine zünftige Raclette-Runde im Freundes- und Bekanntenkreis zur Option. Meistens mit Pärchen, die schon so lange zusammen sind, dass ihr letzter Ausflug ins Nachtleben noch zu DM-Zeiten war und für die es besonders verwegen ist, um Mitternacht gleich zwei Gläser Sekt zu trinken und erst nach 1 Uhr ins Bett zu gehen.

Allerdings kann das auch ganz nett sein – immerhin ist Raclette lecker, man isst bis zum Erbrechen und rollt quasi ins Neue Jahr. Irgendjemand hat dann auch ein Bleigieß-Set mitgebracht, welches zwar nur bizarre Phallus-Symbole produziert, aber immerhin fünf Minuten Spaß bereitet hat. Den Höhepunkt liefert dann ein Tischfeuerwerk, welches wie jedes Jahr irgendwelchen total sinnlosen Plastikmüll beinhaltet, aber immerhin hat es kurz geknallt und man fühlt sich nicht so ganz armselig, weil man gar kein Feuerwerk gekauft hat. Und dann ist Mitternacht, man trinkt Sekt, der total ekelhaft schmeckt, wünscht Menschen ein Gutes Neues Jahr, die man am 31.12. zum ersten Mal getroffen hat und versucht dann stundenlang vergeblich, die in alle Welt verstreute Familie zu erreichen, während im Fernsehen „Best of Disco“ mit Ilja Richter läuft. Herrlich!

Am 01.01. ist dann Katerstimmung angesagt – auch bei mir, die in der Regel nicht (viel) trinkt; meist unterstützt von trübem Winterwetter, welches einem regelrecht zuruft, dass im Bett bleiben die beste Option für den kompletten Januar ist, den ich für den verzichtbarsten aller Monate halte.

Nun denn, ich wünsche meinen geneigten LeserInnen ein hasserfülltes Jahr 2015 und gelobe, im Neuen Jahr wieder schreibwütiger zu sein!