Achtung, Spoiler

Quelle: signalfirestudios.com

Quelle: signalfirestudios.com

Man mag es kaum glauben, aber es gibt auch Dinge, die ich gerne mag. Dazu gehören Fernsehserien. Ich bin zwar keine, die sich jede US-amerikanische Pay-TV-Produktion ungewaschen und stinkend an einem Wochenende ohne Pause reinzieht, aber ich kann mich für gewisse Serien – darunter Shameless, True Blood, Game of Thrones oder How I met your Mother –  überaus begeistern. Da ich allerdings hin und wieder lohnarbeite, warte ich nicht des Nächtens, bis die jeweils neueste Folge unmittelbar nach Erstausstrahlung in den Untiefen des Internetzes vorhanden ist, sondern schaue sie nach Feierabend. Irgendwann.

Blöd ist nur, wenn meine zahlreichen Facebook-FreundInnen die neueste Folge von GoT oder HIMYM schon gesehen haben und ihre Freude/ihr Entsetzen über die Handlung der Welt mitteilen müssen. Zwar tun sie dies vermeintlich subtil und ohne Kontext, aber ich scheine über einen sehr gut justierten Spoiler-Radar zu verfügen, sodass mir ein „Nein, nein, neeeein“ schon suggeriert, dass der Autorin nicht gerade das Marmeladenbrot runtergefallen ist, sondern dass sie mit dem Ausgang einer Serie nicht ganz so zufrieden war. Und ironisch verpackte  Spoiler, die das Ende einer allseits beliebten Sitcom verraten und dieses vermeintlich als Aprilscherz tarnen, finde ich auch nur so mittel.

Ich habe aber auch ein Talent, mich selbst zu spoilen. Als ich die erste Season von True Blood anno dazumal schaute, wollte ich nur Hintergründe zu einem bestimmten Charakter nachlesen – und servierte mir damit selbst ungewollt die komplette Auflösung der Finalfolge. Vor Jahren habe ich Queer as Folk mit Leidenschaft geschaut, bis ich dann gelesen habe, wie die Serie endet. Danach habe ich mir vorgenommen, das Serienfinale zu vergessen, bis ich es anschaue. Es ist mir leider bis heute nicht gelungen.

Ich weiß, bei einer Serie wie Game of Thrones haben eh alle außer mir schon die Bücher gelesen (ich hab’s versucht und fand sie leider langweilig…) und wissen, wie es weitergeht (und regen sich dann über jede kleinste Änderung im Ablauf irrsinnig auf). Aber ICH wusste nicht, was mit King Renly geschieht (danke für den Spoiler, Alex), was die Red Wedding ist (danke für die Spoiler, 9 Gag) oder was es mit der Purple Wedding auf sich hat (Jelena, du wirst meine Rache schon noch zu spüren bekommen). Gebt mir doch wenigstens ein paar Tage, bis ihr euch mitteilt! Oder liegt es an mir und ich sollte einfach das Internet für den Tag nach Erstausstrahlung ausschalten?

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Von warmem Senf und gepunkteten Statuen

Quelle: juedische-allgemeine.de

Als „Twentysomething“ der Generation Y (oder sind wir schon Z?) bin auch ich einer Sucht erlegen, die in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sehr akut grassiert: Die Sucht nach (amerikanischen/britischen) Fernsehserien. Man wartet sehnsüchtig eine Woche lang auf die nächste Folge und durchlebt einen kalten Entzug, sobald die aktuelle Staffel mal wieder viel zu schnell vorüber ist. Wie im Fieber ist man auf der Suche nach neuem Material, testet Empfehlungen aus und verwirft vieles wieder. Aber manchmal (oder auch öfter) „kippt“ man richtig rein und saugt alle bislang existierenden Folgen auf. Ich persönlich liebe es ja, zu wissen, dass ich noch dreieinhalb Staffeln mit über 30 Folgen vor mir habe, bin aber zu Tode betrübt, wenn es dem Ende zugeht.

Eigentlich gilt mein Hass gar nicht Fernsehserien per se- ich liebe einige davon heiß und innig – sondern dem Umgang der deutschen TV-Sender damit. Als gesetzestreuer Fan hochwertiger US-Produktionen müsste man Jahre warten, bis eine zumeist schlechte Synchronfassung entweder im Nachtprogramm unter der Woche oder gebündelt am Wochenende (MIT WERBUNG) ausgestrahlt wird.

Allerdings rufen deutsche Übersetzungen vieler Serien bei mir Würgereiz hervor. Ich wurde schon als Snob bezeichnet, weil ich die englischen Originalfassungen von TV-Serien und Filmen bevorzuge, allerdings ist es auch einfach eine Frechheit, wie schlecht Synchrondrehbücher und -Casts zumeist sind. Ich frage mich immer, welche Menschen für die Übersetzung von Dialogen verantwortlich sind. Native Speaker oder ÜbersetzerInnen können es nicht sein angesichts der Tatsache, dass Begriffe wie „hot mustard“ mit „warmer Senf“, „chicks“ mit „Hühnchen“ (wie in How I met your Mother) oder „pointed statue“ mit „gepunktete Statue“ (wie in den Simpsons, diese Beispiele habe ich während der Nebenher-Berieselung mittels ORF aufgeschnappt) übersetzt wird. Gerade Comedy-Sendungen leben vom Wortwitz, wenn man das schon übersetzen muss, dann doch bitte mit etwas mehr Liebe zum Detail und Kreativität. Oder zumindest RICHTIG. Die deutsche Übersetzung von How I met your Mother war lange der Grund dafür, dass ich der Serie absolut nichts abgewinnen konnte. Als ich die damals existierenden 6-7 Staffeln auf Englisch in einem Rutsch durchgeschaut habe, fand ich es AWESOME. Soviel dazu. (Übrigens habe ich der Synchronfirma von How I met your Mother mal eine E-Mail geschrieben und sie auf ihre Unzulänglichkeiten hingewiesen. Allerdings habe ich nie eine Antwort erhalten, schade.)

Neben der beschissenen Übersetzung ist auch die Auswahl der SprecherInnen eine ausgemachte Frechheit. In meinem jugendlichen Leichtsinn hatte ich eigentlich immer angenommen, dass man Personen wählt, die zur Rolle (und damit zur Originalstimme) passen. Weit gefehlt! Ich als überaus großer True Blood-Fan habe es mal gewagt, fünf Minuten lang in die deutsche Fassung auf RTL 2 zu schalten: Da wird aus einer eigentlich durchaus humoristischen Serie tatsächlich HORROR. In Deutschland scheint es genau einen Sprecher für dunkelhäutige Männer zu geben. Auch wenn der piepsig und verdammt nochmal wie Turk aus Scrubs klingt – natürlich besetzt man ihn. Ich fände es so wunderbar, wenn deutsche TV-Sender dazu übergingen, den Zweikanal-Ton einzuführen. Als Kind schaute ich Ocean Girl, eine australische Serie, auf ZDF. Da ging das! Und beim ORF bei Scrubs auch! Also gibt es keine Ausreden!

Speaking of Scrubs: Ich hatte es ja schon in meinem Artikel Schluss mit dem Zirkus angerissen: Es nervt mich wirklich, dass manche Serien zu Tode wiederholt werden, während andere, durchaus zeigenswerte Produktionen eben ins Spätprogramm verbannt oder gar nicht gezeigt werden. Es wundert mich, dass noch niemand bei Wetten Dass?! aufgetaucht ist, der sämtliche Folgen Two and a half men auswendig mitsprechen kann, weil er/sie neben den Hausaufgaben immer den Fernseher laufen lässt. Vielleicht mag es erstaunen, aber: Es gibt in den USA noch andere Comedy-Formate, die man nachmittags zeigen könnte. Und wenn man schon wiederholt, wieso nicht mal solche „Perlen“ wie Buffy oder Baywatch (OH ICH LIEBE BAYWATCH SO SEHR)? [Anmerkung: Man machte mich darauf aufmerksam, dass Buffy neben anderen Serien wie Emergency Room auf sixx wiederholt wird. Danke an Kristiner S.]

Aber eigentlich, ja eigentlich, geht es mir darum, dass es in Deutschland endlich die Möglichkeit gibt, amerikanische Serien on demand unmittelbar nach US-Sendetermin sehen zu können. Ich würde für die Folgen meiner Lieblingsserien liebend gerne zahlen, würde ich sie in guter Qualität (sehr) zeitnah zu sehen kriegen. Ich möchte mich nicht an Sendepläne des Fernsehens halten und mir diktieren lassen, dass ich meine Lieblingsserie um Punkt 21:15 schaue und nicht dann, wenn ich das gerne möchte. Verdammt.