„Ich finde dich ja sooo schön“

Ich habe gestern die Fratze Satans erblickt – völlig unerwartet, aber ich bin mir sicher, er war es. Wie jeden Mittwoch genoss ich erst das Balzverhalten geld- und famegeiler Blondinen Menschen, um im Anschluss eine neue Ungeheuerlichkeit des deutschen Privatfernsehens miterleben zu dürfen: „Deutschlands schönste Frau“ – von und mit Guido Maria Kretschmer, der „charmanten“ Allzweckwaffe vom RTL (und VOX). Der wohl einzige schwule Mann, bei dessen bloßen Anblick Frauen in schiere Ekstase verfallen, in Tränen ausbrechen, Momente puren Glücks erleben. Ein wahres Phänomen.

Seine neue Sendung also, wegen der der grandiose Bachelor um eine ganze Stunde verkürzt wurde (SKANDAL!), ist eine Mischung aus Germany’s next Topmodel, den Dove-fühl-dich-wohl-wie-du-bist-Werbespots und –  ja –  dem Bachelor (die Villa! 20+ übertrieben gestylte Frauen, die um die Gunst eines einzigen Mannes buhlen! Das Setting beim Rauswählen! Das ist doch alles eins!) Ein Haufen wildgewordener Hühner bezieht eine Villa auf Malle, weil Guido da halt wohnt, und soll sich – das ist wohl das Ziel der Sendung – schön finden. Mit Fotoshootings, bei denen ausnahmsweise mal alle „Mädchen“ ein Bild bekommen, mit prominentem Product Placement oben genannter Marke und mit gaaanz vielen Komplimenten à la „Ramona/Oooolgaaa/Vanessa, ich finde ich ja so nett/Ich freue mich ja sooo, dass du bei uns mitmachst!“, die Herr Kretschmer inzwischen derart random raushaut, dass man sich fragen möchte, ob ihm irgendein kreativer Mensch beim RTL nicht mal ein paar neue Sätze ins Ohr flüstern kann.

Eigentlich ist das Ansinnen dieser Sendung ja ein Nobles – Frauen aller Formen und Farben, liebt euch, wie ihr seid. Aber da man so kein irgendwie spannendes TV-Format zusammengeschnitten kriegt, darf ein Hauptprinzip des Reality TV nicht fehlen: Neid und Competition! Also müssen sich die Frauen auf dem Weg zum Titel der schönsten Frau (die im Übrigen höchstwahrscheinlich weißer Hautfarbe und schlank sein wird) gegenseitig nominieren und rauswählen. Der Guido findet das zwar echt blöd, aber verkündet natürlich trotzdem genüsslich die Namen derjeniger, die im Laufe der Sendung ein bisschen zu sehr herausgestochen und somit für die Konkurrenz eine wunderbare Angriffsfläche geboten haben: Raus mit denen! Aber toll, dass ihr dabei wart!

Und ja, der Guido, mit seinem Dauergeschmuse und alles Toll-Gefinde. Seine beinahe wider- und vor allem allgegenwärtige Zuckrigkeit überdeckt, dass Schönheit bei ihm eigentlich auch nur innerhalb gewisser Normen ok ist. Als eine korpulente Dame im knappen Bikini den Pool der Villa besteigt, kann er sich dumme Sprüche über ihr knappes Höschen und darüber, dass es auch „größere Fische“ gebe, nicht verkneifen. Eine Teilnehmerin, die Bodybuilding betreibt, wird immer wieder auf ihre vermeintliche Vermännlichung zurückgeworfen. „Exotik“ findet Guido zwar toll, aber nur innerhalb fürchterlichster Klischees, beispielsweise, indem den Vornamen einer indisch-stämmigen Teilnehmerin amüsiert und diesen immer mit stereotypem Akzenz ausspricht. Ja, eigentlich ist der Herr Kretschmer gar nicht so nett, bisweilen sogar fies. Aber er beherrscht es nahezu perfekt, seine Gemeinheiten mit einer gehörigen Menge Zuckerguss zu überziehen – und die Frauenwelt liebt ihn abgöttisch. Ist ja auch ’ne Leistung.

 

 

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Herpes Fernsehialis

Quelle: allmystery.de

Quelle: allmystery.de

Boah, ich schaue zuviel Fernsehen und ich ertrage es kaum noch. Auf extremst blondierte und auf allerlei kreative Arten grundlegend runderneuerte Frauen, die vermeintlich neureichen Schleimbolzen würdelos nachstelzen kann ich mich ja noch einlassen, das ist irgendwie mit einem gewissen Gefühl der geistigen Überlegenheit und der Ironie zu ertragen.

Dann kamen die Nackt-Dater auf RTL. Die waren nackt (dabei natürlich schlank, zwar nicht immer wunderschön, aber doch immer der „Norm“ entsprechend) und unfassbar langweilig. Dazwischen springt eine irritierenderweise bekleidete Moderatorin herum, deren blondiertes Haar so unfassbar strohig ist, dass man Angst haben muss, dass es abbricht. Das ist dann aber auch der Gipfel jeglicher Dramaturgie. Am Ende lehnt die inzwischen wieder angezogene „Eva“ ihren „Adam“ ab, weil sie ihn doch nicht so geil (oder seinen Pimo nicht schön genug?) findet. Schade. Und irgendwie deprimierend. Schon diese neue Call-In-Dating Show beim RTL macht mich unglaublich traurig, da dort alle Menschen so unfassbar oberflächlich sind und sich alle nicht wollen. Ich weinte fast.

Es folgte – ganz logisch – eine neue Satireshow. Mit Jan Böhmermann, Katrin Bauerfeind und Palina Rojinski, die ich alle nicht leiden kann. Außerdem macht da noch ein Jan Köppen mit, den ich nicht kenne. Der ist aber auch nicht lustig, von daher nix verpasst. Jedenfalls machen die jetzt eine gaaanz lustige Show zusammen, in der sie sich die vollkommen nicht vom Blatt abgelesenen Witze wie Bälle regelrecht zuspielen. Dabei darf Böhmermann einmal mehr den intellektuellen und hintersinnigen Schlaui geben, während Frau Rojinski genau nur für eine Sache da ist: Gut aussehen und Sexobjekt darstellen (ok, genau genommen sind das zwei Sachen). Sie belästigt arme Handwerker mit irgendwelchen Porno-Anspielungen. Klappt nicht, ist auch nicht witzig. Aber hey, sie ist doch so heiß.

Das ist alles so furchtbar verzweifelt auf jung und wild getrimmt und leider gar nicht witzig, wenn die Leute eigentlich schon an der 30 kratzen und das Anarchische der Jugend bereits verloren haben. Außerdem gehört die Person erschlagen, die bei RTL für die Programmplanung verantwortlich ist. Erst Nackte, um die VoyeurInnen der Nation ordentlich aufzugeilen und dann versuchen, Hau-drauf-Humor mit so ein bisschen, aber echt nur ein ganz bisschen Anspruch (NAZI-Activity, hahahahahahaha), aber dennoch fehlendem Niveau nachzuschieben. Der gemeinsame Teiler sind dann die albernen Schlüpfrigkeiten. Laut Quoten klappt das nicht. Zurecht. 

Jan, Jan, Palina und Katrin: Geht bitte zurück, wo ihr hergekommen seid. Oder raus aus dem Fernsehen. Aber bleibt nicht beim RTL. Und noch was, Palina: Du bist zu oft im Fernsehen. Bitte geh weg, zumindest für eine Weile.