Kabelbruch

kabelbruchDa ich meine Abende derzeit fiebernd beim RTL verbringe, komme ich mal wieder kaum dazu, Textideen für diesen wunderbaren Blog zu entwickeln. Aber ich habe gute Nachrichten: Die Durststrecke ist vorbei, dank (sic!) meiner Kopfhörer, die sich so langsam verabschieden.

Dass ich ohne Kopfhörer nicht vor die Tür gehen kann, habe ich bereits an anderer Stelle aufgeschrieben. Ich bin vielleicht nicht sehr versiert, was Musik angeht und höre immer den gleichen Kram seit Jahren, aber ohne geht es nicht. Umwelt aus, Musik an. Das geht allerdings nie so richtig lange gut, man kennt das sicher. Wenige technische Geräte haben eine so kurze Lebensspanne wie Kopfhörer. Nach ungefähr einem bis zwei Jahren intensivsten Gebrauchs machen sich erste Wackler im Kabel bemerkbar. Am linken Ohr fällt der Ton aus und man muss ruckeln und rütteln, um wieder stereo hören zu können. Super nervig.

Diese Phase, ich nenne sie mal Gnadenfrist, hält aber nie lange vor. Man sollte sich dann schon mit dem Gedanken vertraut machen, dass in Kürze eine neue Anschaffung oder eine Reklamation ins Haus steht (bei Kopfhörern hebe ich daher wohlwissend immer gleich die Rechnung auf, auch wenn ich es hasse, Dinge einzuschicken). Denn aller Bemühungen zum Trotz, beispielsweise durch das professionelle Anbringen Panzertape zur Fixierung, wird der Wackelkontakt irgendwann zum kompletten Ausfall des Tons führen. Das ist eine Gesetzmäßigkeit, die ich durch jahrelange Beobachtung wissenschaftlich fixiert habe, markenübergreifend. Scheiß egal, ob Billigteile oder extra textilummantelte Kabel. Nichts ist so sicher wie die Gewissheit, dass sie eines Tages brechen werden, da ist die Obsoleszenz gnadenlos. Besonders großartig dabei ist, dass die meisten Modelle keine austauschbaren Kabel haben. Dann kann man gleich das ganze Teil wegschmeißen, Müll ist nämlich geil und außerdem sollen die Leute mal schön konsumieren.

Ich kann fast verstehen, wieso junge Menschen inzwischen auf Kopfhörer verzichten und mit ihrer – nennen wir es mal – Musik ganze Züge beschallen. Da wird einfach an der richtigen Stelle Geld gespart und vor allem ein Statement für die Umwelt gesetzt: Keine Kopfhörer bedeuten auch keinen Plastikmüll, der regelmäßig anfallen würde. So sieht Nachhaltigkeit 2.0 aus!

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I can’t hear ya!

Ich habe nie behauptet, cool auszusehen!

Ich habe nie behauptet, cool auszusehen!

Wenn ich das Haus verlasse, benötige ich neben Portemonnaie, Haustürschlüssel und Telefon vor allem eins: meine Kopfhörer (und einen halbwegs vollen Akku, um Musik hören zu können). Ohne Musik aus meiner unglaublich abwechslungsarmen Lieblingssong-Playlist kann ich nicht auf die Straße gehen. Ich würde in Supermärkten, Bussen und Zügen der Deutschen Bahn schlicht verenden, denn es gibt für mich nichts Schlimmeres, als die Geräusche der Außenwelt ertragen zu müssen (auch wenn ich zugeben muss, bisweilen auch mal Gespräche mitzuhören, hahahaha). Zu diesem Zwecke trage ich die größten und auffälligsten Kopfhörer, die weithin signalisieren, dass ich Nichts und Niemanden hören kann oder möchte.

Nur leider bringt das oftmals wenig. Trotz meiner sehr unfreundlichen Erscheinung und eben der riesigen Kopfhörer werde ich bevorzugt von planlosen Menschen nach dem richtigen Weg oder der Busnummer gefragt. Dabei ignorieren diese Menschen gerne, dass ich aufgund der Beschallung aus meiner Hosentasche nichts hören kann. Da ich auch des Lippenlesens kaum mächtig bin, verstehe ich also erst einmal gar nicht, was mein Gegenüber von mir möchte. Dennoch wird gerne weiter palavert, bis ich mich doch dazu verleiten lasse, mich der Außenwelt hinzugeben und bitte, die Frage zu wiederholen, da ich nichts hören kann (ich frage mich, ob man diesen Umstand tatsächlich übersehen kann…). Wieso nur sehen Menschen ausgerechnet in mir eine ausgeprägte Wegbeschreibungskompetenz?

Zudem habe ich ein unsagbar schlechtes Händchen für Kopfhörer und ihre Kabel. Diese verwickeln und verknullen sich immer derart ungeschickt in meiner Tasche, dass binnen kürzester Zeit Wackelkontakte und Kabelbrüche entstehen, was zum schlimmsten anzunehmenden Unfall führt: KEINE MUSIK. Oder nur einseitig Musik, was ich genauso unerträglich finde. Aus diesem Grund trage ich inzwischen als Backup ein Paar In-Ear-Kopfhörer mit mir herum, für den Fall der Fälle (und meine derzeitigen Kopfhörer habe ich ja nun auch schon ein Jahr, das ist beinahe schon verdächtig lange!).

Wieso erfindet niemand wackelkontaktfreie Kopfhörer? Das wäre doch sogar einen Nobelpreis wert, würde das klappen. Ich wäre dafür!