Herpes Fernsehialis

Quelle: allmystery.de

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Boah, ich schaue zuviel Fernsehen und ich ertrage es kaum noch. Auf extremst blondierte und auf allerlei kreative Arten grundlegend runderneuerte Frauen, die vermeintlich neureichen Schleimbolzen würdelos nachstelzen kann ich mich ja noch einlassen, das ist irgendwie mit einem gewissen Gefühl der geistigen Überlegenheit und der Ironie zu ertragen.

Dann kamen die Nackt-Dater auf RTL. Die waren nackt (dabei natürlich schlank, zwar nicht immer wunderschön, aber doch immer der „Norm“ entsprechend) und unfassbar langweilig. Dazwischen springt eine irritierenderweise bekleidete Moderatorin herum, deren blondiertes Haar so unfassbar strohig ist, dass man Angst haben muss, dass es abbricht. Das ist dann aber auch der Gipfel jeglicher Dramaturgie. Am Ende lehnt die inzwischen wieder angezogene „Eva“ ihren „Adam“ ab, weil sie ihn doch nicht so geil (oder seinen Pimo nicht schön genug?) findet. Schade. Und irgendwie deprimierend. Schon diese neue Call-In-Dating Show beim RTL macht mich unglaublich traurig, da dort alle Menschen so unfassbar oberflächlich sind und sich alle nicht wollen. Ich weinte fast.

Es folgte – ganz logisch – eine neue Satireshow. Mit Jan Böhmermann, Katrin Bauerfeind und Palina Rojinski, die ich alle nicht leiden kann. Außerdem macht da noch ein Jan Köppen mit, den ich nicht kenne. Der ist aber auch nicht lustig, von daher nix verpasst. Jedenfalls machen die jetzt eine gaaanz lustige Show zusammen, in der sie sich die vollkommen nicht vom Blatt abgelesenen Witze wie Bälle regelrecht zuspielen. Dabei darf Böhmermann einmal mehr den intellektuellen und hintersinnigen Schlaui geben, während Frau Rojinski genau nur für eine Sache da ist: Gut aussehen und Sexobjekt darstellen (ok, genau genommen sind das zwei Sachen). Sie belästigt arme Handwerker mit irgendwelchen Porno-Anspielungen. Klappt nicht, ist auch nicht witzig. Aber hey, sie ist doch so heiß.

Das ist alles so furchtbar verzweifelt auf jung und wild getrimmt und leider gar nicht witzig, wenn die Leute eigentlich schon an der 30 kratzen und das Anarchische der Jugend bereits verloren haben. Außerdem gehört die Person erschlagen, die bei RTL für die Programmplanung verantwortlich ist. Erst Nackte, um die VoyeurInnen der Nation ordentlich aufzugeilen und dann versuchen, Hau-drauf-Humor mit so ein bisschen, aber echt nur ein ganz bisschen Anspruch (NAZI-Activity, hahahahahahaha), aber dennoch fehlendem Niveau nachzuschieben. Der gemeinsame Teiler sind dann die albernen Schlüpfrigkeiten. Laut Quoten klappt das nicht. Zurecht. 

Jan, Jan, Palina und Katrin: Geht bitte zurück, wo ihr hergekommen seid. Oder raus aus dem Fernsehen. Aber bleibt nicht beim RTL. Und noch was, Palina: Du bist zu oft im Fernsehen. Bitte geh weg, zumindest für eine Weile. 

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Ein Text vom Scheitern

Quelle: wp.streetwise.co

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Jeden Abend ist es das Gleiche: Hoffnungsvoll plane ich den kommenden Tag, nehme mir vor, mal wieder zu saugen, die Spülmaschine auszuräumen und den Papiermüll wegzubringen. Ich möchte für meine Verhältnisse früh im Büro sein und vorher noch ein paar Besorgungen erledigen. Ich bin der festen Überzeugung, diesmal produktiv wirken zu können. Selbst für Zugfahrten nehme ich mir Texte für die Arbeit mit (die nicht selten genauso ungelesen wieder aus dem Rucksack rauskommen wie sie reingingen).

Doch kaum möchte mich der Wecker nach einer viel zu kurzen Nacht zu einer garstigen Zeit aus dem Bett zwitschern (ja, er zwitschert!), sind all meine guten Vorsätze vergessen. Meine geliebte Snooze-Taste ist schon ganz abgegriffen, da ich sie jeden Morgen mindestens dreimal betätige, bevor ich es vollkommen derangiert schaffe, mich zu erheben. Damit ist mein eigentlicher Zeitplan schon für den Arsch und ich hinke ihm für den Rest des Tages hinterher. Denn ich trödele beim Frühstück machen und surfe lieber auf albernen Meme-Seiten, anstatt mein Mützchen aufzusetzen, um in die zumeist graue Welt hinauszugehen. Ich spiele lieber sinnlose Handyspiele, schaue sehr albernes und/oder schlechtes Privatfernsehen oder surfe unmotiviert im Internet. Und selbst wenn ich das, was ich tun wollte bzw. sollte, zufriedenstellend erledigt habe, ereilt mich das Gefühl, nicht genug getan zu haben. Mein Gewissen bringt mich noch um.

Ich bin schon immer ein fauler Mensch gewesen, der sich irrsinnig schnell ablenken lässt. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich planlos zwischen meinen Tabs herumklicke, während ich diesen Text hier schreibe. Ich brauche immer ewig, um insbesondere mit unliebsamen Aufgaben zu beginnen und finde tausende Dinge, die ich lieber machen möchte.

Damit bin ich möglicherweise nicht alleine, denn die Prokrastination ist wohl die am weitesten verbreitete Fähigkeit unter (deutschen) Studierenden. Dafür hasse ich mich oft selbst und ich möchte es doch so gerne besser machen. Jeden Abend möchte ich das, angestachelt von all den schönen, erfolgreichen und sportlichen Menschen, die ich bei Facebook meine FreundInnen nenne. Diese Leute reisen ständig, erleben tolle Dinge und kochen echtes Essen, während ich es gerade geschafft habe, vom Bett aufs Sofa zu wechseln und mir ein Paar Socken anzuziehen.

Ich möchte so gerne so sein wie sie, nur gelingt es mir nicht und ich scheitere täglich daran. Welch Ironie, dass Katrin Bauerfeind bei Lanz (boah, ich kann gerade total verstehen, wieso der so gehasst wird, ist ja schlimm) momentan über ihr neues Buch spricht, welches vom Scheitern handelt. Ach, diese Frau deprimiert mich nun auch wieder, denn sie ist erfolgreich und eine Autorin. Welche Unverfrorenheit von ihr, vom Scheitern zu schreiben. Das wäre doch so ein gutes Thema für mich gewesen. Aber da war ich wohl wieder zu spät dran…