Schluss mit dem Zirkus!

Ich stelle fest: Mein Rant-Blog ist nicht nur Plattform für meine Abneigungen, er offenbart auch, dass ich eigentlich ziemlich uncool bin. Nicht nur, dass ich schlechte Bücher lese, nein: Ich besitze auch einen Fernseher (UND DAS ALS AKADEMIKERIN) und –  viel schlimmer noch – ich benutze ihn auch. Dabei gibt es sogar Sendungen, die ich ganz super finde, allerdings ist hier kein Platz dafür. Meinen heutigen Hass widme ich daher zwei Figuren, die den Weg vom öffentlich-rechtlichen Nischenprogramm zu Pro 7 geschafft haben: Joko und Klaas.

Es ist eigentlich kaum zu glauben, dass Pro7 neben der gefühlt 4865832. Wiederholung von Scrubs, How I met your mother, Two and a Half Men und den Simpsons noch Zeit findet, Eigenproduktionen zu versenden. Da ich insbesondere Comedy-Serien auf Deutsch nur so mittel und Charlie Sheen abscheulich finde, den Simpsons nix abgewinnen und die beiden anderen Machwerke bereits häufiger als einmal gesehen habe, empfinde ich mich nicht (mehr) als Zielgruppe von Pro7. Möglicherweise auch deshalb, weil ich nicht (mehr, das bezieht sich allerdings nur aufs Alter) männlich und spätpubertierend bin. Dies ist wohl auch der Grund, weshalb ich diesen (zumindest im Internet grassierenden) Hype um Joko und Klaas nicht so ganz nachvollziehen kann.

Zugegeben, ich habe Cirus Halligalli gar nicht so oft gesehen. Die Vorgängerformate noch nie. Dass Klaas Heufer-Umlauf noch irgendwie als witzig empfunden wird, kann ich akzeptieren (allerdings nicht, dass er sich mit so unsäglichen Menschen wie Doris Golpashin fortpflanzt!). Weshalb Joko Winterscheidt allerdings eine Daseinsberechtigung im Comedyfach hat, wird mir wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Wahrscheinlich plagen mich heute Nacht Albträume von einem dämlich lachenden Joko, weil ich mich hier zuviel über ihn aufgeregt habe.

Die „Sidekicks“ der Show finde ich auch eher lahm. Weshalb genau diese arme Oma ihre Rente bei Circus Halligalli aufstocken muss, ist mir unbekannt, sie kommt mir allerdings vor wie der späte Jopi Heesters, der immer so wirkte, als würde seine  Leiche auf ein Brett geschraubt über die Bühne gezogen und Hand- sowie Mundbewegungen durch unsichtbare Schnüre bewegt werden. Nur dass Oma Violetta noch ein bisschen hyperaktiver wirkt. Und verdammt unlustig.

Olli Schulz‘ Musik mochte ich ja irgendwie noch nie, was vermutlich an seiner Verbundenheit zum Label GHVC liegt (mein Hass dem gegenüber wäre einen eigenen Eintrag wert!). Ich feiere ihn zwar immer noch wegen seines Rants über Onkelz-Fans, aber wieso nur hat er seine Seele an Pro7 verkauft?

Diese spätpubertierenden Spielchen, wo man sich gegenseitig haut, sich besäuft, zwickt und sowieso total verrückte Dinge tut, finde ich ja auch eher anstrengend. Ich dachte, seit Jackass sei das irgendwie vorbei. Und Elton und Simon Goosejohann mach(t)en ja eigentlich genau das Gleiche, oder nicht? Irgendwie nervt mich diese aufgesetzt Craziness. Anarchie im etablierten Privatfernsehen, voll verrückt, Mann. Vielleicht bin ich einfach zu humorlos. Oder zu alt. Vermutlich beides.

Noch ein kurzer Gedanke: Da ja eine meiner geheimen „Perversionen“ das Abfeiern von Fan Fiction ist, sah ich das Video, in dem Palina Rojinski – der dritte Sidekick, der mir allerdings so egal ist, dass ich da nicht so richtig Hass aufbringen kann – Klaas und Joko eine Geschichte vorliest, in welcher die beiden miteinander anbandeln. So sexmäßig. In der Öffentlichkeit. (Diesen Ausschnitt gibt es auch irgendwo im Internet, ich habe aber grade keine Lust, den zu suchen.) Jedenfalls: Palina Rojinski liest die natürlich unglaublich erotischen Abhandlungen zwischen Joko und Klaas vor und die beiden winden sich so ein bisschen angeekelt und abgeschreckt. Ist ja auch irgendwie weird, so ’ne Jungmädchenphantasie über zwei rummachende Hetero-Männer, ne? Sie winden sich also, um so ein bisschen dieses „No Homo“-Ding zu performen. Wochen später machen sie dann aber bei #Mundpropaganda mit, an sich ja ’ne gute Sache, aber irgendwie doch ein krasser Gegensatz. Wobei ich diese #Mundpropaganda-Aktion ja auch kritisch sehe, weil ich es irgendwie komisch finde, wenn heterosexuelle Männer Kämpfe austragen wollen, die nicht ihre eigenen sind.

Und achja: Wie peinlich ist eigentlich Matthias Schweighöfer, der erst bei Circus Halligalli fröhlich mit Joko und Klaas irgendein dämliches Wodka-Saufspiel abzieht, dann aber über die mindestens ebenso dämliche Biernominierung Moralurteile fällt? Auf einer Skala von 1 bis „Mama erwischt mich beim Masturbieren“ mal mindestens eine 6.

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