Talk Talk Talk

Nun, angesichts der heutigen EM-Eröffnung (Was? Schon? Ich bin überhaupt nicht bereit dafür!) und den letztwöchigen Auslassungen des Herrn Gauland über Herrn Boateng wäre es im Sinne dieses Blogs, mich über genau diese auszulassen. Damit wäre ich nicht nur herausragend spät dran – wie der Internet Explorer in all den Memes – ich hätte der ganzen Debatte auch nichts Neues hinzuzufügen. Das Einzige, was ich mir heimlich wünsche, ist, dass Boateng den EM-Siegtreffer schießt. Wissend, dass er Innenverteidiger ist, selten Tore macht, dafür umso schönere Aktionen einleitet. Anyhow.

Am Sonntag wurden die AfD, die rassistisch aufgeheizte Stimmung, die Flüchtlingskrise zum gefühlt 3948953. mal bei Anne Will diskutiert. Ich habe es nicht „live“ gesehen, wurde aber mehrfach im Nachgang auf die Sendung angesprochen und habe mich dann der Mediathek bedient – meine GEZ-Gebühren wollen gut angelegt sein. Zu Gast bei Anne Will zum Thema „Wie rassistisch ist Deutschland?“ (oder so) waren Heiko Maas, Alexander Gauland, Eckhart Lohse (Journalist von der FAZ), Werner J. Patzelt und Bilgin Ayata zu Gast. Also vier weiße, mehr oder minder alte Männer sowie eine Frau mit Migrationshintergrund, also gleich doppelt „Quote“. Und sie wollten über Rassismus diskutieren. Allerdings handelte es sich zunächst um ein absurdes Gespräch über journalistische Standards, gespickt mit vollkommen hirnrissigen Aussagen des Herrn Gauland, der sich von Lohse getäuscht fühlte und den ich gerne fragen würde, ob er sich die Scheiße, die er zusammenschwurbelt, überhaupt selbst glaubt.

Damit war dann schon eine Viertelstunde Sendezeit bestritten. Herr Gauland bekam dann noch von Herrn Patzelt (der PEGIDA wissenschaftlich den Status der „besorgten Bürger“ verlieh) attestiert, dass seine Auslassungen zu Boateng nicht rassistisch seien. Und spätestens an dieser Stelle wusste ich wieder, weshalb ich Polit-Talkshows so ätzend finde. Gefühlt täglich laufen auf den öffentlich-rechtlichen Sendern diese Formate mit den immer gleichen Gästen zu den immer gleichen Themen. Für ein sicherlich saftiges Honorar dürfen dann die immer gleichen Parteimeinungen vorgebracht und ein bisschen politische Debatte gespielt werden. Das ist SO langweilig. Wozu braucht es solche Sendungen? Da reden PolitikerInnen, die aus irgendwelchen Gründen als ExpertInnen auf ihrem Gebiet gelten, miteinander aneinander vorbei, der oder die GastgeberIn tut so, als würde er/sie moderieren und am Ende sind die ZuschauerInnen so schlau wie vorher.

In diesen Sendungen werden aktuell brisante Themen aufgegriffen, aber selten werden sie mal mit Menschen diskutiert, die ich interessant fände. Nämlich die, die nicht in der Absicht sprechen, bei der nächsten Wahl genügend Stimmen einzufahren. Und auch nicht die, die sich aufgrund ihres wissenschaftlichen Fames bemüßigt sehen, zu jedem Thema, das nur annähernd die eigene Forschung betrifft, mitzusenfen. Diese Leute sind Profis im diskutieren, die inszenieren sich, das ist nicht echt. In diesen Shows werden gesellschaftliche Diskurse gespielt, aber im Endeffekt spricht eine kleine Gruppe für und über „die“ Gesellschaft.

Das klingt jetzt ein bisschen so wie die Forderungen von AfD-AnhängeInnen nach mehr Volksabstimmungen, aber ich würde mir tatsächlich mal wünschen, dass Politik Talkshows echte Debatten zeigen würden. Menschen, denen das Thema, über welches gesprochen wird, wirklich wichtig ist. Ich brauche keine Sophia Thomalla, die sich aufgrund ihres Geschlechts und ihrer der Mutter zu verdankenden Prominenz dazu berufen fühlt, ihren Senf zum Thema Feminismus dazuzugeben. Und nein, Anne Wiezorek (so gut ich sie finde) und Alice Schwarzer sind auch nicht die einzigen Feministinnen im Lande. Ich brauche nicht immer die gleichen VertreterInnen zu Thema X oder Y, die auf der Telefon- und Honorarliste der Redaktion ganz oben stehen und mir nichts Neues erzählen. Ich kann nicht versprechen, dass ich Talkshows dann schauen würde, aber ich würde mich nicht mehr so sehr darüber aufregen. Glaube ich.

 

Maskus go home

angrylena

Niels Ruf, der ist für dich. XOXO

Dieser Text ist als Solidaritätsbekundung zu sehen für all jene (Netz)FeministInnen, die alltäglich dem Bullshit sogenannter Maskulinisten ertragen müssen – ob via Twitter, Facebook, in wissenschaftlichen Kontexten oder Face to Face. Trotz dieses Blogs und einer, wie ich finde, durchaus feministischen Haltung meinerseits bin ich (glücklicherweise) bisher von solchen Affronts verschont geblieben. Andere sind es nicht und ich kann mir nur vorstellen, wie frustrierend, nervtötend, bedrohlich und sicher auch demütigend es ist, ständig einem wütenden Mob „alter, weißer, Männer“ (Zitat) ausgesetzt zu sein, die durch die Beiträge feministischer BlogerInnen, durch Tweets und Diskussionen ihre Männlichkeit bedroht sehen.

Es gibt Netzaktivstinnen, die sich zu gar nichts mehr äußern können, ohne dass irgendein Macker sich dazu berufen fühlt, sie zu diskreditieren. Da muss es gar nicht um feministische Themen gehen, denn es gibt Trolle (zu denen ich viele Maskus zähle), die sich auf ein Thema eingeschossen haben und dann einfach wahllos das Internet damit vollpflastern. Viel hilft viel. Oder so. Eine Möglichkeit ist – wenn frau auf der eigenen Seite, auf dem eigenen Account angegangen wird – die andere Person zu blockieren. Das spart Zeit und Nerven – und eröffnet nur eine weitere Angriffsfläche für Kritik. Diskutieren hilft aber auch nicht, denn Maskus haben (wie die zuletzt hier besprochenen „besorgten Deutschen/Bürger/Patrioten“, you name it) eine sehr selektive Wahrnehmung. Und meistens auch ein eher übersichtliches Wissen zu jenen Themen, die sie kritisieren möchten.

Ein Beispiel: Der ehemalige VIVA-Moderator Niels Ruf attackierte heute auf Facebook und Twitter meine liebe Freundin und Gesinnungsgenossin N. Es ging um Privilegien, die weiße Männer in dieser Welt genießen. Darüber muss man eigentlich gar nicht diskutieren, dass dem so ist, liegt auf der Hand. Fast schon reflexhaft wurde Frau Merkel als ja wohl bekanntlich mächtigste Frau Deutschlands, der Welt und des Universums als Gegenbeispiel gebracht. Ihr Geschlecht allein war da Beweis genug, auch wenn es alle sonstigen Attribute der Person Merkels außer Acht lässt, der ja ironischerweise jegliche Weiblichkeit immer wieder abgesprochen wird. Paradox? Womöglich ein bisschen. Dann wurde von Seiten des Herrn Ruf ein bisschen beleidigt mit falschen Unterstellungen und eiligst ein Screenshot angefertigt, um die Meute auf der eigenen Facebook-Page und bei Twitter scharf zu machen. Hat geklappt, N. hat nun eine volle Mailbox mit Nachrichten, die ihr in verschiedensten Ausführungen nahelegen, sich doch einfach mal wieder richtig bumsen zu lassen (das ist nämlich bekanntlich das größte Problem von Feministinnen, sagt in Wahrheit aber eigentlich viel mehr über die Männerwelt aus, als diejenigen zugeben wollen, die sich solcher Rhetorik bedienen). Und auch bei Twitter ging es rund. Also bis N. die ganzen Vögel dann geblockt hat.

Gut, dass Niels Ruf zu solchen Belästigungsaktionen aufruft, sollte angesichts seines durchaus immer wieder misogynen Auftretens im TV (und ich fand den mal amüsant als Teenie!) nicht weiter verwundern. Er ist hier nur stellvertretend für eine ziemlich große Menge an Männern (und komplizenhaften Frauen) genannt, die tatsächlich nicht viel mehr zu tun haben scheinen, als Menschen mit politischer Agend zu trollen – und dabei meistens nicht einmal annähernd fundierte Kenntnisse im Bereich haben. Man kritisiert „den“ Feminismus, ohne jemals mitbekommen zu haben, dass Alice Schwarzer nun sicher nicht unser aller Gallionsfigur ist. Man spricht von „Gender Mainstreaming“ ohne zu wissen, dass dieses Konzept eigentlich nur eine politische Maßnahme beschreibt und in weiten (feministischen) Kreisen scharf kritisiert wird. Man bringt die immer gleichen lahmen Witze über Professorx und GästInnen, weil Feministinnen bekanntlich nichts anderes tun, als genderinklusive Sprache durchzusetzen. Das ist aber auch ein harter Job. Oder man verkehrt (wie Niels Ruf) das eigene Privileg ins Gegenteil und ist sich nicht zu dumm, Frauen als bevorteilt darzustellen, weil diese ja ständig Männer der Vergewaltigung bezichtigen könnten – und dies auch noch tun. In welchem Paralleluniversum lebt dieser Vogel eigentlich?

Kurzum: Ich möchte damit nicht jegliche Diskussionen unterbinden, die Feministinnen provozieren und die an vielen Stellen politisch nicht nur notwendig, sondern auch von unserer Seite aus gewollt sind. Das ist meiner Meinung nach eine Strategie des Feminismus: Gesellschaftliche Debatten anzetteln. Aber, liebe Maskus und Komplizinnen, bitte haltet doch einfach mal eure Fresse – oder bemüht euch wenigstens. Denn wenn ihr wirklich ernst genommen werden wollen würdet, ginge das auch anders.

PS: Die hier beschriebene Spezies scheint tatsächlich sowas wie einen Google Alert zum Thema Maskulinisten eingerichtet zu haben. Die ersten Reaktionen im typischen Stil (erst einmal Fragen stellen, deren Antworten sowieso nicht interessieren) trudelten schon kurz nach Veröffentlichung ein. Wie das wohl sein muss, wenn der Lebensinhalt darin besteht, ständig nur auf andere zu reagieren? Ich stelle mir das traurig vor.

Mich friert…

filousophieshop.de

Quelle: filousophieshop.de

Die WM ist rum, Zeit für wichtige Themen! Just eben fand ich auf meiner Facebook Chronik den Link zu einer Kolumne von Jan Fleischhauer, in welcher er sich mit der nun für Frauen möglich gewordenen Methode, sich Eizellen entnehmen zu lassen und „für später“ einzufrieren, auseinandersetzt. Das nennt man tatsächlich „Social Freezing“! Diese Möglichkeit wird von ihm als feministisch verklärt, weil frau nun selbst bestimmen könne, wann sie schwanger werde (als ob sie das vorher noch nicht gekonnt hat, abgesehen davon, dass der zeitliche Rahmen begrenzter war) und so vom biologischen Zwang, dies vor der Menopause zu erledigen, befreit sei.

Fleischhauer schreibt am Ende seines Textes:

Der Feminismus hat sich die Befreiung der Frau durch die Kulturwissenschaft erhofft. Weil seine Vertreterinnen die Biologie als Kränkung empfanden, erklärten sie die Geschlechterunterschiede zu einer Frage sozialer Praxis. Was kulturell determiniert ist, lässt sich auch durch eine Aufhebung der Gewohnheiten ändern, das war die frohe Botschaft. So gesehen ist es eine schöne Pointe, dass die nächste Stufe in der Befreiung der Frau aus dem Labor kommt. In Wahrheit ist Biologie stärker als jede Ideologie, wie sich zeigt.

Das mögen salbungsvolle Worte sein, nur klingen sie (leider?) größer als sie sind. Denn: Jan Fleischhauer hat nichts begriffen. Er denkt, dass „die“ Feministinnen (die ja für Medienmenschen, Basher und andere ohnehin eine homogene Masse darzustellen scheinen) die Biologie als Feind sehen, den es mittels sozialer Praxis zu überwinden gelte. Diese Logik ist banal und geht so meilenweit an der Realität vieler Jahrzehnte an feministischer bzw. Genderforschung vorbei, dass es mich schmerzt. Fleischhauer spielt hier wissenschaftliche Disziplinen gegeneinander aus. Das ist eine Vorgehensweise, die insbesondere in der Rhetorik Ewiggestriger immer wieder gerne genutzt wird, aber übersieht, dass der Trend zur Trans- und Interdisziplinarität geht und nicht um die Frage, wer zum Teufel nun Recht hat (immer im Hinterkopf habend, dass überhaupt nur eine Seite Recht haben KANN).

Feministinnen wie mir geht es nicht darum, biologische „Gesetze“ zu umgehen, sondern die auf Biologismen beruhenden Geschlechterverhältnisse zu hinterfragen, zu dekonstruieren und dort, wo sie für Ungerechtigkeiten sorgen, abzuschaffen. Es geht nicht darum, den Mann mithilfe der Reproduktionsmedizin abzuschaffen (was aufgrund der heteronormativen Gesetzgebung auch unmöglich wäre, denn für reproduktionsmedizinische Maßnahmen muss eine (heterosexuelle) feste Partnerschaft vorliegen, just saying). Zu implizieren, man könne damit also biologische „Notwendigkeiten“ umgehen und so die Frau „befreien“, ist vollkommener Blödsinn. Weshalb insbesondere in den Kommentaren unter dem Artikel immer wieder von der Abschaffung des Mannes palavert wird, ist mir daher schleierhaft – denn ein Einfrieren von Eizellen bedeutet ja nicht, dass man die nicht irgendwann mit Hilfe männlicher Spermien befruchten muss. Um das gegenseitige Ausspielen von Männern und Frauen geht es nämlich auch nicht. Um es mit den Worten von Betty Friedan zu sagen: „Men are not the enemy!“ (zumindest nicht alle)

Dieses „Social Freezing“ (dieses Wort bereitet mir Unbehagen) soll also dafür sorgen, dass Frauen mehr Zeit für die Fortpflanzung bekommen und entlastet sie so – vermeintlich – von der Entscheidung zwischen Karriere oder Familie. Vermeintlich deshalb, da auch im fortgeschrittenen Alter eine Entscheidung vonnöten ist, die möglicherweise nicht einfacher zu treffen ist. Was ist daran also feministisch, außer, dass ein größeres Zeitspektrum geschaffen wird?
Meiner Meinung nach gar nichts, denn am strukturellen Problem der nur schweren Vereinbarkeit zwischen Job und Familie ändert Social Freezing nichts. Man würde es schlicht auf eine größere Altersgruppe auslagern, denn Betreuungsprobleme hat man mit 50 wohl genauso wie mit 30 – oder soll die Reproduktion dann gleich aufs Rentenalter mit 67 verschoben werden? Davon mal ganz abgesehen, dass diese überaus kostspielige Methode sich ohnehin nur für einen sehr elitären Kreis an Frauen anbietet, die im jüngeren Alter das nötige Kleingeld haben, um den Eingriff vornehmen zu lassen. Es ist nahezu absurd zu denken, den Anbietern solcher Methoden gehe es um sozialen Wandel. Nee, damit kann richtig Kohle gemacht werden.

Wer profitiert also davon, dass Frauen (noch) später Kinder kriegen können? In erster Linie die Wirtschaft, die nicht zeitweise auf ihre junge Arbeitskraft verzichten muss, die keine flexiblen Arbeitszeitmodelle für ihre jungen Mitarbeiterinnen anbieten muss. Alle können Vollzeit malochen, geiel! Frauen werden durch Social Freezing also zu verlässlicherem Humankapital, mit dem geplant und das ausgebeutet werden kann. Social Freezing kriegt so einen pseudo-feministischen Anstrich verliehen – aber eigentlich stecken dahinter neoliberale Interessen, die sich (natürlich) nicht um nachhaltige Lösungen gesellschaftlicher Probleme scheren, sondern individuelle Interessen einer kleinen Elite (wohlhabende Karrierefrauen) bedienen.

Und daher, lieber Herr Fleischhauer und liebe andere Menschen, die Social Freezing als feministisch verklären: Get your facts straight! Alice Schwarzer ist nicht DIE Feministin. Feminismus ist nicht Männerhass. Und nicht alles, was den bzw. die Einzelne noch besser wirtschaftlich verwertbar macht, ist auch gut, wünschenswert oder gar politisch progressiv!

Eine Frage noch zum Abschluss: Wo kann ich eigentlich „Social Freezing“ als Unwort des Jahres vorschlagen?

Meine #Ansage oder: Bitte nicht noch ein Frauenmagazin

feminismNicht, dass es das in der Form unbedingt gebraucht hätte, aber es gibt mit der Edition F ein neues Frauenmagazin, welches sich insbesondere an die erfolgreichen „Business-Frauen“ da draußen wendet und deren wichtigsten Probleme im Leben thematisiert – was ziehe ich zum Vorstellungsgespräch an und welche Handtasche nehme ich auf die Geschäftsreise mit (dies konnte ich einer Ausschreibung entnehmen, die ich vor einigen Wochen erhalten habe)? Es soll auch um Vernetzung gehen für „Frauen, die mehr wollen“ – Tina Groll von zeit.de fragt sich – so wie ich – dabei ganz richtig, was dieses mehr eigentlich sein soll.

Zugang zur Homepage kriegt frau nur auf Einladung – oder wenn sie in 140 Zeichen darlegen kann, weshalb sie am Projekt interessiert ist. Die Seite, die durchgestylte Bilder von Workplaces, Macbooks, Make Up, Pornfood und natürlich der Bundesmutti präsentiert, bietet ansonsten kaum mehr Informationen, worum es eigentlich gehen soll. Laut eigener Aussage drehen sich die Inhalte um Debatten rund um Wirtschaft, Politik und Karriere „aus weiblicher Perspektive“ – ohne dabei natürlich die Männer ausschließen zu wollen, die sind herzlich eingeladen, mitzumachen.

Die beiden Gründerinnen schreiben, im Netz zu oft auf „Stereotype“ und „pink“ gestoßen zu sein und wollen es offenbar besser machen. Stattdessen reproduzieren sie genau diese Stereotype, indem sie eine Bling-Bling-Welt der erfolgreichen Frau zeichnen, die sich NATÜRLICH für Make Up und Mode interessiert und TROTZ ihres beruflichen Erfolgs immer auch den Männern gefallen möchte. Anders ist es nicht zu deuten, dass die Damen, trotzdem sie in erster Linie Frauen adressieren, konsequent das generische Maskulinum gebrauchen und ihre pseudo-feministischen Vorstöße so formulieren, dass sich auch ja niemand auf den Schlips getreten fühlen und „die Augen verdrehen könnte“. Feminismus 2014 bewegt sich wohl nur noch innerhalb der eigenen Komfortzone. Dass Frauen, auch erfolgreiche, womöglich unter wesentlich essentielleren strukturellen Problemen zu leiden haben, die über die Wahl des richtigen Lidschattens hinausgehen, wird gar nicht bzw. nur äußerst schwammig formuliert.

Um das neue Produkt zu bewerben, wurde eine Twitter-Aktion mit dem Hashtag #Ansage ins Leben gerufen, deren Nähe zur #Aufschrei-Debatte wohl nicht dem Zufall überlassen ist. Doch statt „Einzelthemen“ zu bearbeiten, möchten sich die Damen laut Grolls Artikel auf zeit.de zu doch so zentralen Themen für Frauen im Beruf, darunter Quote oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gar nicht festlegen. Eine kurze Suche zeigte mir, dass #Ansage heute zwar auch benutzt wurde, um mehr oder minder originelle Statements zu Edition F zu posten, allerdings finden sich auch Menschen, die ihr Unverständnis über die Nicht-Nominierung von Mario Gomez für den WM-Kader äußern. Scheint also nicht so ganz zu klappen mit der PR. Und mich kotzt es echt an, wenn sich für kommerzielle Zwecke an eine Debatte gehängt wird, in der wirklich wichtige Themen verhandelt wurden. Frauensolidarität scheint von Wohlert und Hoffmann ja besonders groß geschrieben zu werden, wenn man die große Zahl von Frauen (und auch Männern), die unter sexuellen Übergriffen zu leiden hatten, als „Einzelthemen“ abtut. Als ob struktureller Sexismus für „Business-Frauen“ kein Problem sei… Ekelhaft.

Man will also irgendwie Gleichstellung, aber die wirklichen Probleme gar nicht adressieren. Sie betreffen eine ja nicht. Oder sie stören diejenigen, die die Entscheidungen treffen. Also Männer.

Eine ernsthafte Vernetzungsplattform für Frauen in Wirtschaftsberufen halte ich ja nicht für verkehrt. Aber muss sich dafür an den Gesetzen der bereits existierenden Frauenmagazine orientiert werden? Bieten nicht die zigtausend Titel mit anorektischen Teenies auf den Covern genügend Mode- und Make-Up-Beratung? Können nicht Inhalte geboten werden ohne dieses ganze ChiChi und ohne das ständige Bemühen, auch ja gefallen zu müssen – Männern oder wem auch immer? Bisherige feministische bzw. gleichstellungspolitische Bemühungen hätten uns Frauen nicht so weit gebracht, wenn immer nur versucht worden wäre, es allen Recht zu machen. Damit möchte ich keinen Männerhass proklamieren, aber wirklich vorwärts geht es doch nur, wenn man sie zu mehr als nur einem Augenrollen provozieren kann. Daher halte ich das Konzept von Edition F nicht nur für nicht progressiv, sondern auch für reaktionär und daher für überaus ärgerlich. Aber was erwarte ich, wenn es primär um wirtschaftliche Verwertbarkeit, denn um die tatsächliche Vermittlung von Inhalten oder das Anstoßen einer Diskussion geht?

 

„Ich bin keine Feministin, weil…

Quelle: schleckysilberstein.com

Quelle: schleckysilberstein.com

… ich eine verdammte Hohlbratze bin…“

Der gute Leo L. weiß, wie man mich auf die Palme bringt und ließ mir den Link zu diesem Fundstück zukommen. Die Junge Alternative für Deutschland (nachdem es sich abgeschafft hat oder was), hat es sich zur Aufgabe gemacht, als Antwort zu einer Aktion der Jusos (wäh, Parteijugend finde ich ja generell irgendwie gruselig) ihre antifeministischen Hirnfürze im Internet zu verbreiten (ich finde, so ein bisschen Lookism ist da ja auch dabei…). Es ist eigentlich beängstigend, dass solch offenbar denklimierte Menschen eine Karriere in der Politik anstreben.

Das Problem ist aber: Wenn man „den“ Feminismus kritisieren und dabei ernst genommen möchte, sollte man sich ein wenig damit beschäftigt haben. Dann wüsste man zum Beispiel, dass es nicht nur eine feministische Strömung gibt und dass Alice Schwarzer beileibe nicht die Spokesperson aller Frauen ist. Auf jeden Fall mal nicht meine. Feminismus heißt auch nicht, dass man Mütter abwertet und Karrierefrauen als wichtiger einschätzt. Beim gerne und häufig verulkten Binnen-I handelt es sich um den Versuch, die vom Maskulinum dominierte deutsche Sprache, die nun mal zwei Geschlechter (sowie das Neutrum) kennt, inklusiv zu gestalten. Das finden insbesondere Männer nervig, aber die sind ja eh immer gemeint.

Die Junge AfD essenzialisiert lieber „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“, indem die jungen Damen und Herren weibliche Schwäche, männliches Macker Gentlemantum sowie Stärke zelebrieren. Dass es jedoch durchaus Menschen gibt, die nicht stereotyp männlich/weiblich sind oder sein wollen, wird gar nicht reflektiert. Dass auch Frauen aus reiner Höflichkeit Türen aufhalten können, Männer auch mal schwache Momente haben dürfen, auch Väter zuhause bleiben können (und sicher auch manchmal wollen).

Es geht verdammt nochmal nicht um Gleichmacherei, sondern darum, dass Frauen wie Männer die gleichen Chancen bekommen und nicht aufgrund geschlechtlicher Rollenzuweisungen, die sie nicht erfüllen (können oder wollen) sanktioniert werden. Ohne feministische Bewegungen dürften Frauen nicht wählen, ohne Zustimmung ihres Ehemanns keinen Beruf ausüben, eine Abtreibung unter gewissen Auflagen durchführen lassen oder sich sexuell ausleben. Viele Menschen meinen ja nun, dass der Feminismus nicht mehr nötig sei. Solange aber junge Männer immer noch schief angesehen werden, wenn sie gerne Erzieher werden möchten, Frauen in diversen Berufen weniger verdienen und Beruf und Familie sich insbesondere für Frauen noch immer nicht optimal vereinen lassen, ist es nötig, an den überkommenen patriarchalen Strukturen zu rütteln, die wohl noch aus einer Zeit stammen, als Frauen bestenfalls ein Zubrot verdienen durften. Mir ist es daher schier unbegreiflich, wieso sich junge Frauen in solche Zeiten zurückwünschen. Dass sie dann nicht in ihrer Partei nach oben kommen könnten, scheint den Damen gar nicht bewusst zu sein.