Das Grauen hat einen Namen: Jennifer

Die Reaktion von Jennifer C. auf die Sexismen der Jennifer W. von Jennifer R.

Die Reaktion von Jennifer C. auf die Sexismen der Jennifer W. von Jennifer R.

Ich besuchte am Wochenende, wie in vielen Jahren zuvor, ein Festival eher mittlerer Größe im schönsten Bundesland der Welt. Wider besseren Wissens, wie ich jedes mal aufs Neue feststellen musste. Es war nicht grundsätzlich beschissen, ich sah ein paar feine Bands und traf einige liebe Menschen, außerdem strahlte die Sonne und es regnete erst, als ich ohnehin nachhause fahren wollte, also eigentlich alles gut.

Doch obwohl ich absolut nüchtern war (ich kann mir die Mengen an besoffenen Teenies oder Spätpubertierenden nur schlecht geben, zudem habe ich Angst, dass mir jemand das Zelt anzündet, weshalb ich vorziehe, in einem richtigen Bett zu schlafen und daher nachhause fuhr), leide ich heute, am Tag danach. Da ich mir nicht meine schönen Sneakers in Staub oder wahlweise Matsch zerlegen wollte, kaufte ich mir ein paar unglaublich billiger und deshalb wohl unglaublich unbequemer Stoffschühchen. Und ich litt, da der Weg vom unverschämt teuren Parkplatz auf einem unbeleuchteten Acker gefühlte 42,5km vom eigentlichen Festivalgelände weg lag. Die Wege hin gingen noch, aber zurück war es eine Tortur. Ich humpelte, ich ächzte und ich erreichte das Auto gerade noch so. Es war eine Qual. Und ich habe nach zwei Tagen regelrechte Löcher in den Fersen und muss mich auf einer Sänfte herumtragen lassen. Und das nur, weil ich meine Schuhe nicht versauen wollte…

Außerdem verfluche ich jene Person, die die sogenannten „Rocco-Coins“ erfunden hat. Eine Art Bon-System auf dem Festivalgelände, wohl um zu verhindern, dass die vermutlich unbezahlten (man nennt das wohl „ehrenamtliche“) Helferlein in die Kasse greifen. Oder auch, weil die nicht richtig kopfrechnen können. Wie dem auch sei, man bekam für zehn Euro sieben Coins – was 1,43 Euro pro Coin entspricht. Ein 0,5l Bier aus der Dose kostete 3 Coins, ergo rund 4,30. Plus Pfand, ein echtes Schnäppchen. Für zehn Euro konnte man also zwei Bier trinken und Pfand bezahlen. Hochgerechnet sind das Preise wie auf dem Oktoberfest, wer beschwert sich da denn noch über zehn Euro für eine Maß, die immerhin frisch gezapft wurde? Darüber hinaus konnten AbstinenzlerInnen wie ich zwischen No-Name-Limo, Sprudel und ekelhaftester RedBull Cola wählen. Das Zeug schmeckt so fies, dass mir die Schuhe auszieht (was im konkreten Fall vermutlich gut gewesen wäre, Blasen und so).

Da auf einem Festival eine erhebliche Anzahl der Gäste stark alkoholisiert ist und diese Coins nur aus perforierter dünner Pappe bestehen, kann ich nur vermuten, wieviele Coins in den doch matschigen Boden gestampft oder in verschnuddelten Hosentaschen vergessen wurden. Wahrscheinlich lässt sich der Veranstalter von diesem einkalkulierten Zusatzverdienst gerade die Badewanne vergolden. Dass man stattdessen mal ordentliche bzw. ausreichend viele Toiletten aufbaut wäre ja auch zuviel verlangt. Die müssen auch nicht vergoldet sein, aber Toilettenpapier und Handseife wären doch ganz schön.

Diejenigen LeserInnen, welche bis hierher gekommen sind, werden sich nun fragen, was die Überschrift dieses Textes mit seinem Inhalt zu tun hat. Ihr sollt nicht enttäuscht werden! Gestern spielte neben wunderbaren Gruppierungen wie Jimmy eat World auch weniger wunderbares, darunter Jennifer Rostock. Das ist diese Band, von der man eigentlich keinen Song kennt, aber die bis zum Hals zutätowierte Sängerin, die zwar Jennifer mit Vornamen, aber wider Erwarten gar nicht Rostock mit Nachnamen heißt, sollte einem bekannt sein. Woher auch immer. Diese Frau ist unglaublich laut und noch viel ordinärer, ich wurde schier rot vor Scham. So ein bisschen weibliches Selbstbewusstsein auf einer Bühne, die von Männern dominiert wird, ist ja auch eigentlich gar nix schlechtes (da lob ich mir die Bassistin der freundlichen The Subways), aber wenn eine Band wie Jennifer Rostock einen Song präsentiert, in welchem sie Diskriminierung von Minderheiten anprangert und sich selbst ziemlich dafür feiert, mit Regenbogenfahne und allem, ist es doch irgendwie problematisch, wenn sich besagte Sängerin keine zwei Minuten später auf ekelhafteste Art und Weise objektifiziert. Glaubwürdig geht anders. Gut übrigens auch.

Achja, und diese Menschen im Publikum. Nach drei Tagen waren offenbar die meisten Akkus hinüber, weshalb kaum gefilmt wurde (auch wenn ich feststellte, dass nun wohl das „Ich stehe im Publikum und feier haaaart“-Selfie im Trend zu liegen scheint). Aber ich werde auch im höheren Alter nicht über jene Menschen hinweg kommen, die sich wie angewurzelt ganz vorne in die Menschenmenge stellen und jeden verfluchen, der sich bewegt. Oder mitsingt. Aber bitte, liebe Crowdsurfer: Mag sein, dass das Spaß macht. Aber ich habe noch anderes zu tun, als die ganze Zeit aufzupassen, ob mir wieder ein Gesäß in den Nacken kracht. Denn ich würde gerne auch die Band sehen und mitsingen (bzw. mitschreien) und mit meinem Hinterteil zur Musik wackeln.

Und wer zur Hölle findet stark verschwitzte junge Männer in Hühner- Bananen oder Teletubbie-Kostümen lustig? Wieso bringen Menschen aufblasbare Palmen mit auf ein Konzert und tragen diese den ganzen Tag umher? Warum verkünden minderjährige Mädchen mittels Edding-Botschaft auf ihren Armen, dass sie „heiß & willig & rattig“ sind? Warum nur trägt Lutz Ringelsocken? Fragen über Fragen…

Aber eigentlich fand ich’s doch ganz gut, echt.

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Olé – ihr geht mir tierisch auf den Sack – olé olé!

Quelle: raidrush.ws

Quelle: raidrush.ws

Fußball finde ich ja toll – Fußballfans hingegen nicht so sehr. Das scheint irgendwie paradox und es klingt auch nach Selbsthass. Außerdem ziehe ich mir mit dieser Aussage vermutlich die Kritik vieler Menschen auf mich, aber damit kann ich leben. Nun, wieso mag ich (die meisten) Fußballfans nicht? Zunächst einmal muss ich wohl eine Begriffsdefinition vornehmen, den es gibt ja unterschiedliche Gattungen und jede ist auf ihre Art unangenehm.

Als Bayern-Anhängerin ist mir natürlich der Erfolgsfan wohlbekannt. Dieser Menschenschlag ist nur guter Laune, wenn das eigene Team führt und verlässt das Stadion frühzeitig, wenn a) ein Kantersieg bevorsteht oder b) die Niederlage nicht mehr abzuwenden scheint. Ist es vorbei mit dem Erfolg, ist auch der Erfolgsfan weg (was beim großen FC Bayern nun nicht so das Problem ist, aber ich gehe mal davon aus, dass andere Vereine dieses Phänomen schon beobachten durften).

Dann wäre da noch der bzw. die AuswärtsfahrerIn, als Teil der Fankultur sicher vielfach geliebt, von vielen KundInnen der Deutschen Bahn an zahlreichen Wochenenden im Jahr jedoch überaus gehasst. Man hört Auswärtsfahrende bereits von Weitem und erkennt sie an ihrem typischen viel zu tiefen Gegröhle. Man riecht sie auch, denn ihre Bierfahne ist ihnen meist weit voraus. Und all jene Menschen, die Pfandflaschen sammeln, sind von dieser Fangattung mit Sicherheit höchst angetan, denn nicht selten werden ganze ausgetrunkene Kisten in der Regionalbahn zurückgelassen. Solche Fans sind eben auch große Menschenfreunde. Wenn deretwegen jedoch Züge Verspätung haben und die Fangesänge lauter sind als meine Kopfhörerbeschallung, dann ist es bei mir schnell aus mit der Sympathie. Ich bin der Trunksucht im Allgemeinen nich zugeneigt und bin immer ein bisschen angeekelt, wenn mir um 11 Uhr morgens schon Bierdünste entgegenschlagen. Nee, geht gar nicht. Ich werde auch ungern irgendwie angeprollt oder bepöbelt und leider hat Fußball bzw. „Fankultur“ immer noch viel zu oft mit Gewalt, Rassismus und Homophobie zu tun.So ein bisschen Rivalität finde ich ja ganz nett, aber sich vermöbeln? Oder Rasierklingen hinter Stickern verstecken? Die gegnerischen Spieler mit Affenlauten begrüßen und Bananen aufs Spielfeld werfen? Geht’s noch? Ist doch nur Fußball! Aufgrund vieler solcher Asis ziehe ich es vor, trotz Erstliga-Verein vor der Haustür (hahaha) doch lieber zuhause vorm TV zu schauen.

Seit gestern weiß ich nun auch aus erster Hand, was ein Eventfan ist. Nachdem mir die Menschenmassen in ihren schwarz-got-goldenen Blumenketten, ihren komischen Perücken und mit ihren hässlichen Fähnchen zur WM/EM schon ziemlich auf die Nüsse gehen und ich die Aussage „Ich mag Fußball nur zur WM“ irritierend finde, war mein erstes Länderspiel live im Stadion am gestrigen Tage. Wären die grandiosen Kameruner Fans nicht gewesen, hätte die meiste Zeit eine beängstigende Stille geherrscht, die nur von kläglichen Laola-Wellen-Versuchen (Zitat Malkolm: „Ich hasse Laola-Wellen!“) unterbrochen wurde. Als das Spiel nicht den gewünschten Sieg brachte, verließen viele Menschen frühzeitig das Stadion und Applaus gab es im Nachhinein auch kaum – dafür aber drei (!) Flitzer. Leider alle bekleidet. Zu schade.

Dann gibt es noch vor allem im Internet die Cheftrainer (und -Innen, sind aber doch meistens Typen). Die wissen alles besser – egal ob es um die Aufstellung, die Taktik oder Schiedsrichterentscheidungen geht. Sie wissen ganz genau, welche ungeahndeten Fouls „klar rot“ gewesen wären (natürlich immer die der gegnerischen Mannschaft) und wie das Spiel eigentlich hätte ausgehen müssen, hätte Ribéry/Lewandowski/wer auch immer in Minute 38 die verdiente rote Karte erhalten. Da ist so ein Spiel schon lange abgepfiffen und vom Großteil der Bevölkerung vergessen, da streiten im Internet immer noch ein paar Unverbesserliche über das hätte/wäre/wenn. Und ich lese es natürlich.

Zu guter Letzt wären dann noch die Sexisten, die in allen vorbenannten Fangruppen vorzufinden sind und sich in ihrer Männlichkeit beleidigt fühlen, wenn eine Frau (mehr) Ahnung von Fußball hat als sie. All jenen, die so fühlen, möchte ich ein fröhliches „Fickt euch selbst“ zurufen und mich weiter meinem Hobby widmen!