Lena, die Biokartoffel

Seit einer Stunde etwa etabliere ich eine neue Chatfreundschaft mit einer lakonischen Kundenberaterin meines Internetanbieters. Im Prinzip möchte ich nur ein bisschen rumkartoffeln und irgendwelche Rabatte rausschlagen, weil mich meine Fixkosten nerven und es DSL inzwischen ja auch irgendwie billiger sein sollte, denn eigentlich unterbieten sich die Anbieter doch immer und wollen naive NeukundInnen werben, also sollte man ja wollen, dass BestandskundInnen am Ball bleiben. Aber nix da. Kein Rabatt für mich möglich, weil ich eh schon so wenig bezahle (ALS OB). Ein Tarifwechsel würde trotz Rabatt teurer und die allseits geliebte Flatrate im klassischen Sinne ohne Drosselung scheint es tatsächlich nicht mehr zu geben. Skandal! Was weiß ich denn, wie lange bei meinem Surf- und Streamverhalten 300 GB reichen? Vermutlich eine Woche. Und dann dauert es dank Drosselung eine halbe Stunde, bis ich eine Seite aufrufen kann. Irgendwie albern angesichts der Tatsache, dass Menschen immer mehr via Internet fernsehen. Aber ich hätte eine Telefonflatrate – sehr verlockend angesichts des Umstands, dass ich nicht einmal ein Festnetztelefon besitze. Wozu auch, wenn man mobil ebenso eine Flatrate hat?

Nun gut, ich bekomme keinen Rabatt, es gibt keine billigeren Tarife. Weder bei meinem Anbieter noch bei der Konkurrenz. Und im von mir viel gepriesenen Österreich gibt es Internet und Mobiltelefonie für einen Bruchteil der hiesigen Preise. Man kann für quasi lau ins Ausland telefonieren, hier kosten ähnliche Veträge ein Vermögen. Und ich rege mich auf. Über mich selbst. Die Welt geht um mich herum zugrunde, das Wetter ist scheiße, es ist zu kalt, mir ist kalt, ich habe Hunger, Böhmermann kommt bald wieder im TV. Und ich rege mich über Handy- und DSL-Tarife auf. Nennt man das schon Wohlstandskrankheit? Ein Realitätscheck wäre vielleicht ganz heilsam.

PS: Diesen Text habe ich vor allem für das Spam-Postfach von J verfasst.