Oops, I did it again

rocco

Die Äcker vom Rocco del Schlacko – voller Müll (damit sind nicht die abgebildeten Menschen gemeint)

Disclaimer für alle „Statehater“ (Worterfindung von J.W.): Ich selbst bin gebürtige Saarländerin und habe das Rocco schon besucht, als es noch in viieeeel kleinerem Rahmen auf einem Aldi-Parkplatz veranstaltet wurde. Und nun: Der Text.

Ich hab’s wieder getan, ich war wieder auf dem Rocco del Schlacko auf den sogenannten „Sauwasen“ (welch schönes Wort) und schon wieder wurde ich Zeugin davon, wie man ein Festival wirklich schlecht organisiert. Wenigstens forderte mich dies Jahr keine Jennifer dazu auf, mich zu entblößen (einen Shitstorm hat Frau Weist ja in der Zwischenzeit abbekommen, wie ich am Rande vernommen habe. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, nicht wenigstens ein bisschen schadenfroh zu sein…). Stattdessen spielten einige meiner Lieblingsbands, weshalb ich nicht umhin kam, wider besseren Wissens dorthin zu fahren.

Nun, das Festival. Das Gelände befindet sich quasi direkt neben der Autobahn, irgendwo im saarländischen Nirgendwo, wo die Menschen nicht meine Sprache sprechen. Bereits auf dem Grünstreifen auf der Autobahn-Abfahrt waren erste Wagen geparkt. Der offizielle Parkplatz befand sich auf einem Acker – gefühlte zehn Kilometer weg vom Eingang der Festivität. Auch die Straße dorthin: Gesäumt von Autos, die mehr oder weniger geschickt am Straßenrand, auf Waldwegen oder im Straßengraben abgestellt waren. Insgesamt sollen 25.000 Menschen angereist sein. Meiner Zählung nach kamen alle alleine mit ihrem Auto, anders war die schiere Blechlawine vor Ort nicht zu erklären. Nun, immerhin: diesmal musste man für den Parkplatz in praller Sonne nichts bezahlen. Dafür war dann halt der Weg extrem weit, denn man stand im Prinzip schon im nächsten Dorf. Shuttles? Fehlanzeige. Immerhin konnten wir uns glücklich schätzen, nicht vor Ort zu zelten. Ein bisschen Mitleid empfand ich schon mit jenen Menschen, die ihre Vorräte, Rucksäcke, Tische und sonstiges Gepäck bergauf in glühender Hitze schleppten, um ihr Zelt dann auf einem ebenso staubigen wie sonnenbestrahlten Acker aufzuschlagen. Laut Berichten gab es für zwei Campingplätze (einer davon sog. Green Camping, passenderweise direkt neben einer Solarzellen-Anlage gelegen) nur eine Wasserstelle. Duschen konnte man nur, wenn man sich per Shuttle ins nächste Schwimmbad bringen ließ. Aufgrund der weiten Wege hatten wohl viele nach drei, vier Tagen Festival keine Lust mehr, ihre Sachen zurück zum Auto zu tragen und zündeten ihren Kram kurzerhand an oder ließen ihn einfach liegen. Ich weiß, wieso ich nicht auf Festivals übernachte.

Nun, wir kamen nach einem Fußweg von circa 30 Minuten am Eingang an. Zuvor war uns M. begegnet, der mir schon viel Spaß beim Anstehen gewünscht hatte. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch halbwegs guter Dinge gewesen, die gerade spielende Band wenigstens noch ein paar Minuten sehen zu können. Allerdings war dann genau vor den bereits am ersten Tag widerwärtig stinkenden Dixie-Klos erst einmal Schluss mit lustig: Tausende Menschen stauten sich an den Eingängen. Für 25.000 Festival-BesucherInnen gab es wohl genau sechs Stationen, an denen Tickets gegen Bändchen getauscht werden konnten. Einen separaten Eingang für jene Leute, die schon ein Bändchen hatten, schien es nicht zu geben bzw. wurde dieser nicht mitgeteilt. Die Sonne briet uns das Hirn weich, es war eng, es war heiß und immerhin wurden Wasserflaschen verteilt. Jedenfalls an Andere, wir bekamen keine. Die ersten Erinnerungen an Duisburg 2010 kamen auf, bis schließlich die Absperrungen runtergerissen wurden, was den Einlass möglicherweise nicht signifikant schneller ablaufen ließ, aber sichtlich für Entspannung der Situation sorgte. Nach nicht einmal einer Stunde (…) hatten wir dann auch endlich ein Bändchen und nur noch fünf Minuten Fußweg, um aufs Gelände zu gelangen. K.I.Z., die ich zu gerne gesehen hätte, waren inzwischen fertig mit ihrem Set, super. Übrigens schien es wohl egal zu sein, ob man Tageskarten oder Kombitickets hatte, denn die überforderten Jungs und Mädels am Einlass haben wohl für alle Bändchen für drei Tage ausgegeben. Schön für die, die eigentlich nur einen Tag kommen wollten. Das Gelände war jedenfalls sichtlich voller als in den Jahren zuvor, was sich spätestens dann bemerkbar machte, als man schon am späten Nachmittag in Stau geriet, da es nur einen Weg auf das eigentliche Gelände hin und zurück gab. Wer diesen Mist geplant hat, verdient wirklich mal eine Tracht Prügel. Oder sollte sich zumindest selbst mal zu den Spitzenzeiten durch die Menge drängeln.

Wie gut die Ordner ihre Aufgabe, für Sicherheit und Ordnung (wie der Name schon sagt), im Blick hatten, zeigt wohl, dass Menschen es tatsächlich zustande brachten, drei (!) Paletten (!) Dosenbier (!) aufs Gelände zu schaffen. Dafür Chapeau. Absurd wird es dann, wenn Menschen gleichzeitig berichten, dass ihnen ihre Sonnencreme abgenommen worden sei und sie entgegen der Ansagen kein Wasser mitbringen durften. Kommunikation ist alles, heißt es immer wieder… Wir waren noch nicht ganz drin, als schon die ersten Menschen kollabierten und abtransportiert wurden…

Dass das Bezahl- und Pfandsystem wie all die Jahre zuvor für den Arsch war, muss ich nicht extra erwähnen. Auf Mineralwasser beschränkt war’s für uns dann doch ganz günstig. Die Essensauswahl mager, für VegetarierInnen kaum Angebot. An den Ständen arbeiteten Menschen, die am Ende des dritten Tages immer noch nicht wussten, wieviele „Coins“ ein Bier kosten sollte… Dieser Dilettantismus wäre eigentlich zum Lachen, hätte man dieser Menschen wegen nicht ewig auf Getränke warten müssen. Mülleimer gab es auch kaum und es kam einem Wunder gleich, dass man am dritten Tag nicht bis zu den Knöcheln in Abfall stehen musste.

Und dabei war das Line Up (für meinen Geschmack) doch so herrlich! Viele Lieblingsbands, eigentlich prima Wetter… Aber wenn es die Herren und Damen nicht hinkriegen, die immer wieder gleiche Kritik an ihrem Festival anzunehmen und sich Gedanken darüber zu machen, wie Abläufe optimiert werden können, dann bin ich wohl nicht die Einzige, die bald trotz guten Line Ups lieber zuhause bleibt.