Die nächste Sau…

body-love-c.-Worüber soll man sich noch empören, wenn das Internet derzeit voll von Aufregern ist? So richtig in die Scheiße gegriffen hat ja dieser Tage die gute alte BRAVO, die ich früher für die großartigen Foto-Love-Stories geliebt habe (wer sich mal ganz nostalgisch fühlen möchte, schaue mal bei vongestern vorbei, herrlich!).

Nun, die berüchtigten Flirttipps der BRAVO sind furchtbar, keine Frage, vermitteln sie doch ein Frauenbild, welches man in den 1950er-Jahren verorten würde – gefalle dem Mann, falle dabei aber nicht zu viel auf. Dass die „süßen Jungs“ bei der ganzen Sache auch nicht gut wegkommen, werden sie doch auf einige wenige Eigenschaften reduziert, sei nur am Rande erwähnt.

Seit diesem inzwischen „depublizierten“ Faux Pas graben Menschen immer neue Ungeheuerlichkeiten aus den Untiefen des BRAVO-Universums aus, zum Beispiel die Brüste-Galerie, die wahrscheinlich ursprünglich dazu gedacht war, unterschiedliche Formen weiblicher Brüste zu vermitteln, durch die darunter liegende Bewertungsfunktion jedoch ins Lächerliche gezogen wird. Was soll es mir sagen, wenn 73 Personen die gezeigte Brust „Fail“ finden, 10 bewerteten sie mit „BITCH“. Weitere Auswahlmöglichkeiten: „OMG“, „WTF“ und „YOLO“. Die Umfrageinstitute dieser Welt sollten ihre Skalierungen für zukünftige Erhebungen erweitern, um die Einstellungen junger Menschen adäquat abzubilden, oder so.

Wie dem auch sei: Man hat sich nun auf die BRAVO eingeschossen wegen rückständiger Rollenbilder, die Heranwachsenden einseitige und normative Vorstellungen davon vermitteln, wie man als Mann bzw. Frau zu sein hat. Ist ja auch scheiße, aber irgendwie scheinen die meisten KritikerInnen zu vergessen, dass der gesamte Markt der Frauenmagazine und auch einige dezidierte Männerheftchen genau das Gleiche tut, nämlich Anleitungen veröffentlichen, die der Selbstoptimierung dienen mit der Absicht, dem anderen Geschlecht zu gefallen. Wie nimmt frau am schnellsten ab, wie funktioniert der Welt bester Blowjob? Wie kommt Mann am schnellsten zum hotten Sixpack? Und das in unzähligen Publikationen, jede Woche aufs Neue. Mit stark retuschierten Models auf dem Cover und mit Schmink-, Kleidungs- und Kochtipps noch und nöcher. Das ist vielleicht nicht ganz so plump gemacht wie in der BRAVO, vom Prinzip her aber das Gleiche: Man muss gut aussehen, gut riechen, gut kochen können, dabei aber bitte nicht zunehmen. Nur dann ist man begehrenswert und lebt das, was von den Magazinen als „gutes Leben“ verkauft wird.

Die BRAVO muss gerade also Schelte einstecken dafür, dass sie (für Teenager) reproduziert, was auf dem Markt absoluter Standard ist. Blöd gelaufen, würde ich sagen. Aber es reicht nicht, diese eine Redaktion zu beschimpfen und die Hefte bzw. die Websites nach weiteren Unsäglichkeiten zu durchforsten. Die BRAVO reproduziert schlicht normative Rollenbilder, die uns überall begegnen und denen viele Menschen (vergeblich) versuchen nachzueifern. Statt also nur die BRAVO zu bashen, sollten wir uns lieber überlegen, was gegen normative Scheiße zu tun. In bestimmten Ecken des Internets gibt es solche Anstrengungen schon: Body Acceptance lautet das Stichwort. Nun muss das nur noch im Mainstream ankommen.

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