Maskus go home

angrylena

Niels Ruf, der ist für dich. XOXO

Dieser Text ist als Solidaritätsbekundung zu sehen für all jene (Netz)FeministInnen, die alltäglich dem Bullshit sogenannter Maskulinisten ertragen müssen – ob via Twitter, Facebook, in wissenschaftlichen Kontexten oder Face to Face. Trotz dieses Blogs und einer, wie ich finde, durchaus feministischen Haltung meinerseits bin ich (glücklicherweise) bisher von solchen Affronts verschont geblieben. Andere sind es nicht und ich kann mir nur vorstellen, wie frustrierend, nervtötend, bedrohlich und sicher auch demütigend es ist, ständig einem wütenden Mob „alter, weißer, Männer“ (Zitat) ausgesetzt zu sein, die durch die Beiträge feministischer BlogerInnen, durch Tweets und Diskussionen ihre Männlichkeit bedroht sehen.

Es gibt Netzaktivstinnen, die sich zu gar nichts mehr äußern können, ohne dass irgendein Macker sich dazu berufen fühlt, sie zu diskreditieren. Da muss es gar nicht um feministische Themen gehen, denn es gibt Trolle (zu denen ich viele Maskus zähle), die sich auf ein Thema eingeschossen haben und dann einfach wahllos das Internet damit vollpflastern. Viel hilft viel. Oder so. Eine Möglichkeit ist – wenn frau auf der eigenen Seite, auf dem eigenen Account angegangen wird – die andere Person zu blockieren. Das spart Zeit und Nerven – und eröffnet nur eine weitere Angriffsfläche für Kritik. Diskutieren hilft aber auch nicht, denn Maskus haben (wie die zuletzt hier besprochenen „besorgten Deutschen/Bürger/Patrioten“, you name it) eine sehr selektive Wahrnehmung. Und meistens auch ein eher übersichtliches Wissen zu jenen Themen, die sie kritisieren möchten.

Ein Beispiel: Der ehemalige VIVA-Moderator Niels Ruf attackierte heute auf Facebook und Twitter meine liebe Freundin und Gesinnungsgenossin N. Es ging um Privilegien, die weiße Männer in dieser Welt genießen. Darüber muss man eigentlich gar nicht diskutieren, dass dem so ist, liegt auf der Hand. Fast schon reflexhaft wurde Frau Merkel als ja wohl bekanntlich mächtigste Frau Deutschlands, der Welt und des Universums als Gegenbeispiel gebracht. Ihr Geschlecht allein war da Beweis genug, auch wenn es alle sonstigen Attribute der Person Merkels außer Acht lässt, der ja ironischerweise jegliche Weiblichkeit immer wieder abgesprochen wird. Paradox? Womöglich ein bisschen. Dann wurde von Seiten des Herrn Ruf ein bisschen beleidigt mit falschen Unterstellungen und eiligst ein Screenshot angefertigt, um die Meute auf der eigenen Facebook-Page und bei Twitter scharf zu machen. Hat geklappt, N. hat nun eine volle Mailbox mit Nachrichten, die ihr in verschiedensten Ausführungen nahelegen, sich doch einfach mal wieder richtig bumsen zu lassen (das ist nämlich bekanntlich das größte Problem von Feministinnen, sagt in Wahrheit aber eigentlich viel mehr über die Männerwelt aus, als diejenigen zugeben wollen, die sich solcher Rhetorik bedienen). Und auch bei Twitter ging es rund. Also bis N. die ganzen Vögel dann geblockt hat.

Gut, dass Niels Ruf zu solchen Belästigungsaktionen aufruft, sollte angesichts seines durchaus immer wieder misogynen Auftretens im TV (und ich fand den mal amüsant als Teenie!) nicht weiter verwundern. Er ist hier nur stellvertretend für eine ziemlich große Menge an Männern (und komplizenhaften Frauen) genannt, die tatsächlich nicht viel mehr zu tun haben scheinen, als Menschen mit politischer Agend zu trollen – und dabei meistens nicht einmal annähernd fundierte Kenntnisse im Bereich haben. Man kritisiert „den“ Feminismus, ohne jemals mitbekommen zu haben, dass Alice Schwarzer nun sicher nicht unser aller Gallionsfigur ist. Man spricht von „Gender Mainstreaming“ ohne zu wissen, dass dieses Konzept eigentlich nur eine politische Maßnahme beschreibt und in weiten (feministischen) Kreisen scharf kritisiert wird. Man bringt die immer gleichen lahmen Witze über Professorx und GästInnen, weil Feministinnen bekanntlich nichts anderes tun, als genderinklusive Sprache durchzusetzen. Das ist aber auch ein harter Job. Oder man verkehrt (wie Niels Ruf) das eigene Privileg ins Gegenteil und ist sich nicht zu dumm, Frauen als bevorteilt darzustellen, weil diese ja ständig Männer der Vergewaltigung bezichtigen könnten – und dies auch noch tun. In welchem Paralleluniversum lebt dieser Vogel eigentlich?

Kurzum: Ich möchte damit nicht jegliche Diskussionen unterbinden, die Feministinnen provozieren und die an vielen Stellen politisch nicht nur notwendig, sondern auch von unserer Seite aus gewollt sind. Das ist meiner Meinung nach eine Strategie des Feminismus: Gesellschaftliche Debatten anzetteln. Aber, liebe Maskus und Komplizinnen, bitte haltet doch einfach mal eure Fresse – oder bemüht euch wenigstens. Denn wenn ihr wirklich ernst genommen werden wollen würdet, ginge das auch anders.

PS: Die hier beschriebene Spezies scheint tatsächlich sowas wie einen Google Alert zum Thema Maskulinisten eingerichtet zu haben. Die ersten Reaktionen im typischen Stil (erst einmal Fragen stellen, deren Antworten sowieso nicht interessieren) trudelten schon kurz nach Veröffentlichung ein. Wie das wohl sein muss, wenn der Lebensinhalt darin besteht, ständig nur auf andere zu reagieren? Ich stelle mir das traurig vor.

Man wird das ja wohl noch sagen dürfen…

Dieses Jahr war politisch und menschlich gesehen bisher katastrophal. Menschen ertrinken vor den Toren Europas. Flüchtlingsunterkünfte brennen in Deutschland. EU-PolitikerInnen versuchen, die Folgen von Wirtschaftskrisen mit Erpressung und Privatisierung zu lösen.

Und ich? Ich sitze im Büro bei offenem Fenster, lasse mir ein laues Lüftchen um die Nase wehen und zu meinen derzeitigen Problemen gehört die Frage, wann ich Feierabend mache, was ich zu Abend esse und ob mein neues Tattoo gut verheilt. Gut, irgendwo im Hinterkopf winkt mir noch der Riesenhaufen an Arbeit zu, der mit meinem Dissertationsvorhaben verbunden ist und den ich gerade nicht angehen möchte. Aber sonst geht’s mir gut.

Wenn man sich heutzutage so das Internet anschaut, möchte man meinen, dass ich da die große Ausnahme bin unter meinen Landsleuten. Neid und Missgunst regieren dieser Tage und es ist bekannt, dass diese Emotionen nichts Gutes bedeuten. Facebook und Kommentarspalten von Nachrichtenseiten sind voll von zynischen, bösartigen und offen fremdenfeindlichen Menschen, die es auf Flüchtlinge abgesehen haben, die aufgrund von Krieg, Verfolgung oder dem nachvollziehbaren Wunsch nach einem besseren Leben im reichen Norden den Weg nach Deutschland gefunden haben. Kann man es ihnen verübeln? Absolut nicht.

Doch es gibt eine ganze Menge von Menschen, denen es nicht zu blöd ist, Flüchtenden quasi die Butter auf dem Brot zu neiden. Sobald eine Spendenaktion angekündigt wird, ist die Frage nach den armen benachteiligten Landsleuten nicht weit, denn Mitgefühl endet ja bekanntlich an Staats- oder Kulturgrenzen. Da wird Menschen, die bereit sind zu helfen, unterstellt, sich für „das Falsche“ einzusetzen – der eigene Aktionismus endet dann aber mit einem Klick auf den „Senden“-Button.

Und Lügen werden verbreitet. Flüchtende bekämen Begrüßungsgeld und wohnten in schicken Hotels. Außerdem: Wie könnte man denn behaupten, diese Menschen hätten nichts am Leib, wenn sie doch so viel für ihre Überfahrt bezahlt hätten und dreisterweise noch ein Smartphone besitzen? Diese bösen Menschen wollen doch nur unser Geld und unsere Frauen! Und wer denen helfen möchte, der soll diese Leute doch bitte bei sich zuhause unterbringen, damit spare der Staat immerhin Geld und dann würde man schon sehen, wie dieses kriminelle Pack alles klaut und zerlegt, was nicht niet- und nagelfest ist, jawohl! Aber gleichzeitig arme Straßenhunde aus Osteuropa importieren, die es dort dank krimineller VermehrerInnen zu Tausenden gibt. Denkt doch auch mal einer an die armen Tiere!

Mich kotzt das so an. Jede Diskussion zum Thema beinhaltet genau jene Aussagen, man könnte ein vortreffliches Bullshit-Bingo draus machen. Als toleranter Mensch müsste ich andere Meinungen zum Thema aushalten, sagen viele. Als toleranter Mensch muss ich aber keine menschenverachtenden Lügen aushalten, oft verpackt in ein vermeintlich argloses „Man wird ja wohl noch fragen dürfen“. Und sich dann noch im Recht fühlen, weil andere Kleingeister dem Blödsinn auch noch zustimmen.

Was ist los in diesem Land? Was ist los mit Menschen, denen es nicht zu blöd ist, ihre Lügen bequem vom heimischen Sessel aus zu verbreiten? Wie schlecht kann es einem/einer gehen, wenn man dafür Zeit, Motivation sowie die nötigen Ressourcen hat? Wie dämlich kann man sein, sowas dann noch unter Klarnamen ins Internet zu scheißen? Es ist nun soweit gekommen, dass ich sogar Til Schweiger für sein Auftreten zu diesem Thema insgeheim applaudiere, die Situation ist also dramatisch!

Manchmal fühle ich mich hilflos, weil ich weiß, dass Diskussionen mit solchen Menschen nichts ändern werden. Ein Schlag auf den Hinterkopf vermutlich auch nicht, genugtuend wäre das jedoch.

Vom Arbeitsfetisch

Über das Wesen „der Deutschen“ wird ja dieser Tage aufgrund der unsäglichen Griechenland/Krisen-Politik der hiesigen Bundesregierung immer wieder geschrieben und gesprochen. Tüchtig sind sie, die Deutschen und pünktlich sowieso, gleichzeitig haben sie keinen Sinn für Humor (das behaupten zumindest viele ÖsterreicherInnen) und verrichten stets Dienst nach Vorschrift. Wenn dies die Kriterien wären, einen Einbürgerungstest zu bestehen, ich hätte keine Chance.

Ja, ich bin faul, nicht immer pünktlich und mein Humor ist von besonders hervorragender Qualität. Insbesondere, wenn es um die Einstellung zur Lohnarbeit geht, fühle ich mich entfremdet, denn während um mich herum Überstunden zum guten Ton zu gehören scheinen und Wochenendarbeit eher die Regel als die Ausnahme darstellt, arbeite ich mich sicher nicht tot. Das bedeutet, ich mache meinen Kram, mache den auch gut (hoffe ich jedenfalls) und ich zelebriere meine Freizeit. Da ich keine Vollzeitstelle habe, sondern im prekären Beschäftigungssystem öffentlicher Bildungs- und Forschungseinrichtungen gefangen bin, verbringe ich also auch nicht 40 Stunden im Büro. Dass ich also nicht Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr anzutreffen bin, wird mir von KollegInnen dann als Faulheit ausgelegt. Denn Arbeit ist nur, wenn man präsent ist und auch wenn ich nicht für 40 Stunden bezahlt werde, so wird allgemein angenommen, dass man mindestens so viele Stunden ableistet – am besten ohne Arbeitszeiterfassung und die Überstunden als freundliches Präsent für den/die Vorgesetzte(n).

Irgendwas läuft da doch schief… Was ist so geil an endlosen Überstunden und an permanenter Erreichbarkeit? Versprechen sich meine AltersgenossInnen davon Karrierevorteile? Mehr Geld gibt es ja in der Regel nicht. Was ist so toll daran, sich dem Arbeitsfetisch zu ergeben und sich in noch jungen Jahren vom scheiß System zerreiben zu lassen? Ich möchte damit nicht sagen, dass ich mich grundsätzlich Mehrarbeit verweigere (allein diese Rechtfertigung mutet seltsam an). Ich finde es allerdings absurd, wenn diese grundsätzlich eingeplant wird, weil an Personal gespart werden soll. Wieso auch zwei Menschen einstellen, wenn einer die Arbeit von mehreren machen kann? Und dieses Denken existiert nicht nur am freien Markt: Deutsche Unis können ihren Lehr- und Forschungsbetrieb überhaupt nur durch (natürlich unbezahlte) Mehrarbeit ihrer (befristeten) Angestellten aufrechterhalten. Kein Geld für Verwaltungspersonal? Kein Problem, kann ein WiMi machen. Der Prof muss noch eine Vorlesung vorbereiten? Kein Problem, kann der WiMi machen. Macht er/sie ja auch „gerne“, denn wenn er/sie es nicht tut, könnte die Verlängerung des auf ein halbes Jahr befristeten Vertrages ja verweigert werden.

Liebe Leute, sagt doch einfach mal „Nein“. Genießt euer Wochenende und den Feierabend, packt euch auf die Couch, geht aus, mir egal, aber lasst doch Lohnarbeit mal Lohnarbeit sein. Die Zeit all der abgeleisteten Überstunden, die weder ausbezahlt noch abgegolten werden können, gibt euch niemand wieder. Ich will mich nicht schämen müssen, weil ich am Wochenende verreist bin und nicht vorm Computer sitze. Ich muss mich nicht rechtfertigen, wenn ich vor 18 Uhr vom Büro nachhause gehe oder morgens erst später komme. Aber ihr gebt mir das Gefühl.

Die nächste Sau…

body-love-c.-Worüber soll man sich noch empören, wenn das Internet derzeit voll von Aufregern ist? So richtig in die Scheiße gegriffen hat ja dieser Tage die gute alte BRAVO, die ich früher für die großartigen Foto-Love-Stories geliebt habe (wer sich mal ganz nostalgisch fühlen möchte, schaue mal bei vongestern vorbei, herrlich!).

Nun, die berüchtigten Flirttipps der BRAVO sind furchtbar, keine Frage, vermitteln sie doch ein Frauenbild, welches man in den 1950er-Jahren verorten würde – gefalle dem Mann, falle dabei aber nicht zu viel auf. Dass die „süßen Jungs“ bei der ganzen Sache auch nicht gut wegkommen, werden sie doch auf einige wenige Eigenschaften reduziert, sei nur am Rande erwähnt.

Seit diesem inzwischen „depublizierten“ Faux Pas graben Menschen immer neue Ungeheuerlichkeiten aus den Untiefen des BRAVO-Universums aus, zum Beispiel die Brüste-Galerie, die wahrscheinlich ursprünglich dazu gedacht war, unterschiedliche Formen weiblicher Brüste zu vermitteln, durch die darunter liegende Bewertungsfunktion jedoch ins Lächerliche gezogen wird. Was soll es mir sagen, wenn 73 Personen die gezeigte Brust „Fail“ finden, 10 bewerteten sie mit „BITCH“. Weitere Auswahlmöglichkeiten: „OMG“, „WTF“ und „YOLO“. Die Umfrageinstitute dieser Welt sollten ihre Skalierungen für zukünftige Erhebungen erweitern, um die Einstellungen junger Menschen adäquat abzubilden, oder so.

Wie dem auch sei: Man hat sich nun auf die BRAVO eingeschossen wegen rückständiger Rollenbilder, die Heranwachsenden einseitige und normative Vorstellungen davon vermitteln, wie man als Mann bzw. Frau zu sein hat. Ist ja auch scheiße, aber irgendwie scheinen die meisten KritikerInnen zu vergessen, dass der gesamte Markt der Frauenmagazine und auch einige dezidierte Männerheftchen genau das Gleiche tut, nämlich Anleitungen veröffentlichen, die der Selbstoptimierung dienen mit der Absicht, dem anderen Geschlecht zu gefallen. Wie nimmt frau am schnellsten ab, wie funktioniert der Welt bester Blowjob? Wie kommt Mann am schnellsten zum hotten Sixpack? Und das in unzähligen Publikationen, jede Woche aufs Neue. Mit stark retuschierten Models auf dem Cover und mit Schmink-, Kleidungs- und Kochtipps noch und nöcher. Das ist vielleicht nicht ganz so plump gemacht wie in der BRAVO, vom Prinzip her aber das Gleiche: Man muss gut aussehen, gut riechen, gut kochen können, dabei aber bitte nicht zunehmen. Nur dann ist man begehrenswert und lebt das, was von den Magazinen als „gutes Leben“ verkauft wird.

Die BRAVO muss gerade also Schelte einstecken dafür, dass sie (für Teenager) reproduziert, was auf dem Markt absoluter Standard ist. Blöd gelaufen, würde ich sagen. Aber es reicht nicht, diese eine Redaktion zu beschimpfen und die Hefte bzw. die Websites nach weiteren Unsäglichkeiten zu durchforsten. Die BRAVO reproduziert schlicht normative Rollenbilder, die uns überall begegnen und denen viele Menschen (vergeblich) versuchen nachzueifern. Statt also nur die BRAVO zu bashen, sollten wir uns lieber überlegen, was gegen normative Scheiße zu tun. In bestimmten Ecken des Internets gibt es solche Anstrengungen schon: Body Acceptance lautet das Stichwort. Nun muss das nur noch im Mainstream ankommen.

Funkstille

Nun war es hier monatelang still. Ich habe selbst schon lange nicht mehr auf diese Seite geschaut, geschweige denn Lust dazu empfunden, hier etwas zu schreiben. Wieso? Keine Ahnung, ich hatte einfach den Kopf voll anderer Dinge. An der Promotion arbeiten. Serien gucken. Ziellos im Internet surfen. Unterwegs – hier in Deutschland und auch in der Karibik. Das Gefühl habend, alles sei gesagt und geschrieben. Das ist natürlich nicht der Fall. Ich werde wiederkommen. Bald.