Happy Birthday to me!

geburtstagskuchenHeute ist ein großer Tag für diesen Blog und mich als seine Autorin – ein Jahr 50 Shades of Hate, die inzwischen zu mehr als hundert Abhandlungen zu all jenen hassenswerten Dingen dieser Welt angewachsen sind. Auch wenn meine Schreibfrequenz ein bisschen nachgelassen hat – dieser Blog ist nach wie vor mein Baby, auf das ich so stolz bin wie auf den nicht existenten leiblichen Nachwuchs.

Besonders freue ich mich auch über die inzwischen äußerst beträchtliche Anzahl an Klicks, die derzeit irgendwo kurz vor der 26.000 stehen. Großartig! Ein warmer Gruß geht hiermit auch an all jene, die mir jeden Donnerstag, wenn Family Stories mit „Sahne ist mein Leben“ auf RTL 2 läuft, auf der Suche nach Daniela Fehrenbach sind. You da real MVP!

Ich bin recht zuversichtlich, dass auch das zweite Jahr genügend Anlässe bieten wird, sich zu ärgern und sich auskotzen zu müssen – das Weltgeschehen und meine Mitmenschen liefern da ja immer ganz zuverlässig. Nun, ich werde diesen Abend nutzen und mich ausgiebig selbst feiern. Auf ein weiteres schönes Jahr!

 

Sie haben Post (mal wieder)

Ihr kennt das sicher – man erhält eine Benachrichtigung über eine neue E-Mail und denkt sich so „Juhu, ich habe Post, ist sicher wichtig“ – man schaut nach und es ist – ein Newsletter. Der fünfte für diesen Tag…

Wie so viele Menschen habe ich eine eigene E-Mail-Adresse für all jene Websites, bei denen ich Dinge einkaufe oder mich sonstwie registrieren muss. Die Gründe sollten auf der Hand liegen – ich hab keinen Bock auf Spam und eigentlich auch nicht auf nervige Newsletter – irgendwie kriege ich aber trotzdem ständig welche. Und. es. nervt.

Funktioniert es wirklich, wenn Bekleidungs-Shops gefühlt alle zwei Tage eine Mail senden mit den neuesten „Top-Angeboten“ und dem Hinweis auf kostenfreien Versand – der sowieso immer kostenfrei ist? Und wenn man dann mal wirklich auf die entsprechende Seite geht, stellt man schnell fest, dass der vielfach gepriesene Sale sowieso nur auf ganz wenige Artikel zutrifft – und diese sind alle nur in XXS oder Schuhgröße 44,5 (für Damen) erhältlich. Hat sich ja gelohnt! Mich jedenfalls verschrecken jene Shops, die mich alle zwei Tage zum Kaufen aufforden möchten. Noch creepier ist nur die Erinnerung eines Schuhherstellers, dass ich meinen Kauf nicht abgeschlossen habe (der Artikel war nicht mehr verfügbar, ging also gar nicht) – ich fühlte mich regelrecht gestalked.

Mich ballern Ticket-Shops mit Meldungen über Tour-Vorverkäufe von KünstlerInnen voll, die ich nicht einmal kenne. Ich möchte keine Musicals besuchen, ich möchte nicht Helene Fischer live sehen, vielen Dank auch. Und nach der dreifachen Ankündigung via E-Mail-Alert habe auch ich mitbekommen, dass Take That wieder auf Tour gehen – ohne mich, die sind ja nur noch zu dritt! GermanWings schickt mir einmal im Monat ein Update über meine Flugmeilen, die seit Monaten schon wieder auf null stehen, da ich schon seit Jahren nicht mehr mit dieser Airline geflogen bin. Aber gut, dass ich Bescheid weiß, vielen Dank.

Aber was beschwere ich mich? Ich bin ja selber Schuld, dass ich diese ganzen unnötigen Newsletter irgendwann einmal abonniert habe, auch wenn ich bei manchen Websites nicht sicher bin, ob ich diese tatsächlich schon einmal besucht habe. Nachdem ich dann heute die Nase voll hatte, habe ich ein Großprojekt gestartet und zahlreiche Abonnements beendet, was echt gedauert hat und mitunter gar nicht mal so einfach ist: „Bestätigen Sie hier, klicken Sie da, senden Sie uns eine E-Mail mit diesem und jenem Betreff und bestätigen Sie nochmal, drehen Sie sich dreimal im Kreis und tippen Sie sich dabei an den Kopf und rufen: Ich möchte Ihre Post nicht mehr!“ Ich bin mir nicht sicher, ob die Abmeldungen geklappt haben, vermutlich habe ich versehentlich nochmal fünf neue Newsletter abonniert und raste morgen aufs Neue aus. We will see.

„Ich finde dich ja sooo schön“

Ich habe gestern die Fratze Satans erblickt – völlig unerwartet, aber ich bin mir sicher, er war es. Wie jeden Mittwoch genoss ich erst das Balzverhalten geld- und famegeiler Blondinen Menschen, um im Anschluss eine neue Ungeheuerlichkeit des deutschen Privatfernsehens miterleben zu dürfen: „Deutschlands schönste Frau“ – von und mit Guido Maria Kretschmer, der „charmanten“ Allzweckwaffe vom RTL (und VOX). Der wohl einzige schwule Mann, bei dessen bloßen Anblick Frauen in schiere Ekstase verfallen, in Tränen ausbrechen, Momente puren Glücks erleben. Ein wahres Phänomen.

Seine neue Sendung also, wegen der der grandiose Bachelor um eine ganze Stunde verkürzt wurde (SKANDAL!), ist eine Mischung aus Germany’s next Topmodel, den Dove-fühl-dich-wohl-wie-du-bist-Werbespots und –  ja –  dem Bachelor (die Villa! 20+ übertrieben gestylte Frauen, die um die Gunst eines einzigen Mannes buhlen! Das Setting beim Rauswählen! Das ist doch alles eins!) Ein Haufen wildgewordener Hühner bezieht eine Villa auf Malle, weil Guido da halt wohnt, und soll sich – das ist wohl das Ziel der Sendung – schön finden. Mit Fotoshootings, bei denen ausnahmsweise mal alle „Mädchen“ ein Bild bekommen, mit prominentem Product Placement oben genannter Marke und mit gaaanz vielen Komplimenten à la „Ramona/Oooolgaaa/Vanessa, ich finde ich ja so nett/Ich freue mich ja sooo, dass du bei uns mitmachst!“, die Herr Kretschmer inzwischen derart random raushaut, dass man sich fragen möchte, ob ihm irgendein kreativer Mensch beim RTL nicht mal ein paar neue Sätze ins Ohr flüstern kann.

Eigentlich ist das Ansinnen dieser Sendung ja ein Nobles – Frauen aller Formen und Farben, liebt euch, wie ihr seid. Aber da man so kein irgendwie spannendes TV-Format zusammengeschnitten kriegt, darf ein Hauptprinzip des Reality TV nicht fehlen: Neid und Competition! Also müssen sich die Frauen auf dem Weg zum Titel der schönsten Frau (die im Übrigen höchstwahrscheinlich weißer Hautfarbe und schlank sein wird) gegenseitig nominieren und rauswählen. Der Guido findet das zwar echt blöd, aber verkündet natürlich trotzdem genüsslich die Namen derjeniger, die im Laufe der Sendung ein bisschen zu sehr herausgestochen und somit für die Konkurrenz eine wunderbare Angriffsfläche geboten haben: Raus mit denen! Aber toll, dass ihr dabei wart!

Und ja, der Guido, mit seinem Dauergeschmuse und alles Toll-Gefinde. Seine beinahe wider- und vor allem allgegenwärtige Zuckrigkeit überdeckt, dass Schönheit bei ihm eigentlich auch nur innerhalb gewisser Normen ok ist. Als eine korpulente Dame im knappen Bikini den Pool der Villa besteigt, kann er sich dumme Sprüche über ihr knappes Höschen und darüber, dass es auch „größere Fische“ gebe, nicht verkneifen. Eine Teilnehmerin, die Bodybuilding betreibt, wird immer wieder auf ihre vermeintliche Vermännlichung zurückgeworfen. „Exotik“ findet Guido zwar toll, aber nur innerhalb fürchterlichster Klischees, beispielsweise, indem den Vornamen einer indisch-stämmigen Teilnehmerin amüsiert und diesen immer mit stereotypem Akzenz ausspricht. Ja, eigentlich ist der Herr Kretschmer gar nicht so nett, bisweilen sogar fies. Aber er beherrscht es nahezu perfekt, seine Gemeinheiten mit einer gehörigen Menge Zuckerguss zu überziehen – und die Frauenwelt liebt ihn abgöttisch. Ist ja auch ’ne Leistung.

 

 

Der Böhmermann wieder

Der möchte wohl noch mal abgemahnt werden, das wurde mir via Twitter zugespielt, ein Skandal!

https://twitter.com/neomagazin/status/565229554374287362

Meine Anwälte sind informiert!

Das Leben ist ein BH

lisca-multiway-bhDie Anforderungen, die das Leben in einer neoliberalen Gesellschaft an mich und meine Generation stellt, gleichen einem dieser neumodischen Multifunktions-BHs. Dies ist eine Metapher, die mir heute am inspirierendsten aller Orte – dem Badezimmer – einfiel und an der ich mich nun abarbeiten muss, um meinen Seelenfrieden zu finden.

Mit Multifunktions-BH meine ich jenes Brustgeschirr, welches in der Anordnung der Träger Flexibilität suggeriert. Man kann sie „normal“ tragen, über Kreuz, als Neckholder oder gar nicht (und damit riskieren, dass sämtlicher Inhalt rausfällt, anyway). Daher verfügen die Träger über Schnallen und Haken, um in jede nur vorstellbare Form gebracht zu werden – ein BH für alle Lebenslagen quasi. Nur – ich kenne niemanden, der dies nutzt. Die kleinen mitgelieferten Verbindungsteile zum Herstellen einer Neckholder-Konstruktion verlieren sich noch am Tag des Kaufes in den Untiefen der Unterwäsche-Schublade und im Endeffekt ärgert man sich nur über unverhofft ins Gesicht schnalzende Träger, die sich bei dem Versuch, wieder anmontiert zu werden, unangenehm verdrehen. Es geht also gar nicht darum, dass man die unendlichen Möglichkeiten dieses BHs wirklich wahrnimmt – aber man weiß, dass es sie gibt und das ist, was zählt.

Damit steht der Multifunktions-BH als Metapher für die Erfordernisse, die das Leben in der heutigen, nennen wir sie mal neobliberalen, Gesellschaft an uns stellt: Man muss sich für alle Möglichkeiten wappnen, flexibel sein. Auf keinen Fall festlegen, sondern wandelbar sein, bloß nicht die Verbindungsstelle verlieren im Chaos. Und auch wenn das Leben eigentlich ganz gut sitzt und bequem ist, schnalzt es einem immer wieder gerne mit Karacho ins Gesicht, verdreht sich auf unangenehme Weise, drückt und hinterlässt Spuren.

Was will ich damit nun eigentlich sagen? Tja – ich bin es zum einen tatsächlich leid, ständig sich loslösende BH-Träger wieder anmontieren zu müssen. Mich nervt es aber noch mehr, für alle Eventualitäten im Leben gewappnet sein zu müssen, Möglichkeiten offen halten, egal ob beruflich oder den Wohnort betreffend oder die LebenspartnerInnen oder was auch immer. Manchmal passt der BH – oder das Leben – ganz gut so, wie er (es) ist. Da muss man nicht nachjustieren und nicht umschnallen.

Diese Metapher – oder Theorie – muss ich noch weiterdenken… Diskussionen hierzu sind mir willkommen.