Lena beim Bürgeramt: Ein Erlebnisbericht

Ungefähr so sieht mein neues Passbild aus!

Ungefähr so sieht mein neues Passbild aus!

Ich plane eine Reise ins ferne Ausland, weshalb ich einen Reisepass benötige. Also eigentlich habe ich einen, der ist aber seit gut einem Jahr abgelaufen, da er aufgrund meines zur Ausstellung noch jugendlichen Alters nur sechs Jahre gültig gewesen ist. Ich bin ein bisschen traurig darüber, einen neuen Pass zu benötigen, denn ich mag die Stempel und Visa in meinem alten und möchte sie so gerne in den neuen Pass übernehmen. Geht aber nicht.

Also ließ ich für teures Geld biometrische Fotos anfertigen (vier an der Zahl, drunter machten die es nicht) und machte mich heute, am „Bürgertag“, auf ins Bürgeramt (sic!). Dort warteten bereits wahre Menschenmassen, die allesamt vor mir da gewesen sind und beim Nummer ziehen schwante mir Schreckliches, daher war ich froh, ein Buch mitgenommen zu haben. Entgegen der Gewohnheiten ihres Berufsstandes arbeiten die Herren und Damen in meiner Stadt allerdings zügig, weshalb das Warten nicht lange dauerte. Schon bald durfte ich vor zu einer netten Dame – bis irgendein Herr aus welchen Gründen auch immer dringend vordrängeln musste. Aber ich war trotz des Wetters guter Dinge und ließ ihn vor. Das ist nämlich gut fürs Karma-Konto, Ihr wisst schon.

Als ich dann mein Anliegen vortrug, teilte mir die Dame mit, was ich eh schon wusste: Der Pass sollte 59 (!!) Euro kosten. 59 Euro für ein Dokument, welches ich ungefähr zwei-viermal im Jahr überhaupt bei mir trage. 59 Euro für ein Dokument, welches ich im uns umgebenden Ausland nicht einmal benötige! Zwar hatte ich den Preis vorher schon im Internet nachgelesen, aber gefreut habe ich mich nicht darüber. Wie schön es doch war, als ich als unter 24jährige noch weit weniger zahlen musste – und der Pass aus mir vollkommen unbekannten Gründen einfach mal nur sechs Jahre gültig gewesen war. Die Begründung lautete, man verändere sich in der Jugend noch so sehr. Gut, in meinem neuen Pass wird eine andere Augenfarbe stehen, aber ein Vergleich meiner Fotos würde jetzt nur belegen, dass ich weniger Metall im Gesicht trage.

A propos Fotos: Ich übergab der netten Dame also eins meiner vier wunderschönen biometrischen Porträts, sie klebte es auf einen Bogen, scannte diesen ein – und gab mir das Bild zurück. Das ist doch echt unglaublich! Da bezahlt man nicht wenig Geld für vier Bilder, von denen man eigentlich nur eins braucht und dann braucht man dieses eine noch nicht mal wirklich, denn eine digitale Version würde reichen! Was soll ich mit meinen vier Fotos nun machen? Mama zum Geburtstag einrahmen lassen? Da kriegt die doch ’nen Schreck, wenn ich so böse in die Kamera stiere. Sowas will ja auch kein Partner als Erinnerung in der Geldbörse mit sich rumtragen. Fazit: NIEMAND braucht vier biometrische Fotos. Für nichts.

Dann musste ich meine Fingerabdrücke abgeben, dreimal pro Zeigefinger, damit das Maschinchen auch ja keine falschen Daten von mir speichert. Wozu braucht man eigentlich nochmal dieses Foto, wenn man sich eh viel „sicherer“ mittels Fingerabdruck ausweisen könnte? Naja, irgendwie muss man ja die Kosten rechtfertigen. Als ich dann fertig war, teilte mir die nette Dame mit, dass der Pass in drei Wochen fertig sei, ich aber weder informiert werde noch telefonisch erfragen kann, ob er nun abholbereit sei. Das nenn ich mal Service an der Bürgerin – in drei Wochen kann ich also auf gut Glück im Amt vorbeischauen, darf dann eine Nummer ziehen und warten, um dann anzufragen, ob mein Dokument überhaupt schon da ist. Wundervoll!

Der Ausflug zum Bürgeramt war sehr schön und ich freue mich schon sehr, in einigen Jahren einen neuen Personalausweis zu benötigen. Ich kann es kaum erwarten!

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8 Gedanken zu “Lena beim Bürgeramt: Ein Erlebnisbericht

  1. Ich weiß nicht, ob es diese Regelung beim Reisepass auch gibt, aber um einen neuen Personalausweis zu beantragen, muss man seit Neuestem nicht nur den alten Ausweis, sondern auch seine Geburtsurkunde vorlegen. Habe ich gerade festgestellt, ich benötige nämlich Ende Februar einen neuen. Schade nur, dass meine Geburtsurkunde im Familienstammbuch meiner Eltern fest eingeheftet ist und diese an einem anderen Ort wohnen als ich. Also habe ich eine Abschrift meiner Geburtsurkunde beim Standesamt meiner Geburtsstadt beantragt. 10 Euro kostet der Spaß, natürlich Vorkasse. 10 Euro, damit ich ein Dokument vorlegen kann, auf dem lediglich Fakten stehen, die auch auf dem alten Personalausweis stehen. Der noch nicht mal abgelaufen ist. Muss man das verstehen?

    Biometrische Fotots muss ich auch noch machen. Kostet nochmal 10 sinnlose Euro. Bäh.

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  2. Haha,
    und jetzt stell dir das ganze mal mit zwei pladdernassen Kindern vor, die beide an diesem Tag alles andere machen wollten, nur nicht mit Mutti ins Bürgeramt. Die muss man jetzt neuerdings „mitführen“, wenn man etwas für die Sprösslinge beantragen möchte. Ich also (kurz vor dir) zu unserem Schalter: „So, das sind se, die beiden Prachtexemplare.“ Und ich musste nicht mal meinen Personalausweis vorzeigen. Da reicht es dann plötzlich, dass man alle drei Sekunden Mama genannt wird. Versteh einer das Amt!?

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  3. Also in meiner Stadt gibt es immerhin einen extra Abholschalter, für den man keine Nummer ziehen muss. Wahrscheinlich gab es mal einen entsprechenden Vorschlag im amtlichen Kummerkasten. Ansonsten lief das bei mir aber letztens weitestgehend so, wie Du das beschrieben hast… Also ganz toll…
    Schönes/r Blog übrigens!

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