Same old, same old…

Das Jahr 2015 ist da – und fing erwartungsgemäß ähnlich beschissen an, wie 2014 geendet hat: Neonazis, Islamfeindliche und anderes Gesocks gehen in Dresden (und anderswo) als „besorgte BürgerInnen“ getarnt auf die Straße, um das Abendland vor der (sehr diffusen und überhaupt nicht existenten) Gefahr der Islamisierung zu bewahren. Das finden glücklicherweise viele Menschen scheiße, demonstrieren vehement dagegen (in vielen Städten sind die Gegendemos stärker besucht als die eigentlichen „Abendspaziergänge“, was meine trübe Stimmung aufhellt), gesellschaftlich gesehen mehr oder weniger wichtige Persönlichkeiten äußern ihren Unmut darüber, es werden öffentlich Zeichen gegen PEGIDA und ihre anderen widerwärtigen Auswüchse gesetzt. Gut so. Selbst die Kanzlerin, die ja eigentlich lieber nichts oder sinnentleertes Blabla absondert, hat sich zu einem Statement hinreißen lassen. Eigentlich ja schön, der Widerstand gegen den Widerstand.

Aber ach: Das Demonstrationsrecht sollte man (mich eingeschlossen) viel öfter in Anspruch nehmen, es liegt doch so vieles im Argen! Ich habe mir gerade eine Stunde Volker Pispers angehört und frage mich, wieso das Publikum an so vielen Stellen lacht, wo ich doch weinen möchte. Er spricht von Altersarmut, die so viele Menschen bedrohen wird. Dass kein Geld für die wirklich wichtigen Dinge da sind. Über die Beliebigkeit der Bundesregierung. Er warnt vor der Entsolidarisierung der hiesigen Gesellschaft nach US-amerikanischem Vorbild. Er warnt vor dem „Endstadium des Kapitalismus“ und obwohl ich die die Rhetorik von „Systempresse“ schwierig finde, so hat er doch Recht! Es werden Ängste geschaffen, um die Gesellschaft auseinanderzutreiben. Um Menschen dazu zu bringen, sich gegenseitig zu misstrauen. Um sie dazu zu bringen, zu sparen, weil sie von ihrer Rente nicht werden leben können. (Diffuse) Ängste sind es auch, die Menschen wie die von PEGIDA auf die Straße treiben: Vor Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Armut, was auch immer. Auch wenn mein Text hier arg verkürzt sein mag, aber: Diese Ängste werden auf die falschen Ursachen zurückgeführt. Es ist doch nicht die Einwanderung, die „uns“ bedroht, es ist die Entsolidarisierung, die ihre Fratze in Demonstrationen wie denen in Dresden offenbart, die für Zerwürfnisse sorgt. Es geht nicht um ein „wir“ vs. „die anderen von da draußen, die ihre fremde Religion“ mitbringen. Das „Abendland“ (ein Wort, welches mir selbst in Anführungszeichen Unwohlsein bereitet) geht doch nicht daran kaputt, wenn irgendwo ein Markt, der im Dezember stattfindet, einen anderen Namen trägt. Kaputt gehen wir, weil wir unseren Mitmenschen nicht trauen, ihnen alles neiden (und, mal am Rande: Wer Kriegsflüchtlingen etwas neidet, muss wirklich mächtig einen an der Marmel haben) und absolut nichts gönnen. Nicht einmal eine Notunterkunft, die sie mit hunderten anderen teilen müssen. Stadttdessen werden weiter Ängste geschürt. Vor den Fremden, die, weil sie ja fremd sind, mutwillig fremdes Eigentum zerstören, klauen, Unheil bringen.

Und anstatt sich mal zu fragen, aus welcher Richtung uns tatsächlich Unheil droht, um dagegen zu protestieren, geht man halt doch lieber gegen „die Anderen“ auf die Straße und setzt sich nicht mit der unangenehmenen Wahrheit auseinander, dass womöglich die eigene Wahlentscheidung dafür gesorgt hat, dass man immer weiter in die Scheiße geritten wird. Umso schlimmer, dass das aktuelle politische Klima dann auch noch denjenigen Parteien Aufschwung verleiht, die mit Sicherheit nichts besser, vieles aber noch unerträglicher machen (wenn sie sich nicht einfach selbst gegenseitig zerfleischen, die Hoffnung besteht ja derzeit). Ich wünsche mir so sehr, dass die Menschheit endlich mal klarkommen würde, sich nicht immer und immer wieder DemagogInnen hingäbe… Es wäre so schön, wenn mensch verstehen würde, dass unser Wohlstand auf Kosten Anderer entsteht. Aber ach, Hirngespinste.

Dieser Text mag konfus sein, aber so sieht es in mir drin gerade aus. Hilflosigkeit ob der vielen Dinge, die in diesem Land so schrecklich schief laufen. Einmal mehr Weltschmerz, für den ich kein Gegenmittel finde.

 

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