Kein Blick zurück

Hachja, wir haben Anfang Dezember – also noch mehr als drei Wochen Restjahr vor uns – und das heißt: Zeit für Jahresrückblicke auf allen Sendern. Es scheint, als versuchten sich RTLSat1ZDFARD Jahr für Jahr darin übertrumpfen zu wollen, wer am frühesten mit dem Rückblick dran ist, ungeachtet dessen, dass zwar über Weihnachten viele Menschen Urlaub machen, aber dennoch mehr oder minder wichtige Ereignisse vorfallen können – man erinnere sich an den Tsunami zu Weihnachten 2004 oder der Unfall von Michael Schumacher Ende vergangenen Jahres. Irgendwann wird dann das Kalenderjahr einen Monat eher als beendet erklärt.

Also versammeln sich die Menschen mit ihren Schicksalen (von denen ich oftmals im laufenden Jahr überhaupt nichts gehört habe) bei den Jauchs, Kerners und Dingenskirchens ihrer Welt, um in albernen Kulissen, die an die guten alten Zeiten von Wetten, Dass?! erinnern, von ihrer Geschichte zu erzählen. Zwischen wirklich bemerkenswerten Vorfällen dürfen dann auch Menschen von ihren Unfällen berichten, bei denen nichts (!) passiert ist (so wie gerade bei RTL) oder man sieht einen schief singenden Pfarrer aus einem YouTube-Video, der ironischerweise aussieht wie Austin Powers. Unfassbar spannend und wirklich WELTBEWEGEND! Nicht.

Dass das Jahr 2014 politisch gesehen ein wirklich ereignisreiches war (im negativen Sinne) wird weitgehend ignoriert oder nur in Zusammenfassungen gezeigt. Ist ja auch kurz vor Weihnachten, Fest der Liebe und so, da möchte man nicht mit wirklich belastenden Dingen konfrontiert werden; vor allem, wenn man doch gerade erst die alljährliche Spende für „Ein Herz für Kinder“ überwiesen hat. Da möchte man doch lieber etwas menscheln, sich über positive Erlebnisse anderer Menschen freuen, vielleicht ein bisschen über persönliche Schicksale mitweinen, aber doch nicht über die (Un)Geschicke der Welt nachdenken (außer, sie verursachen Leid bei kleinen Kindern, das ist tränendrüsig genug). Und ach – EBOLA war ja auch noch. Doch statt die Problematik wirklich ernsthaft aufzubereiten, wird mal wieder die Heldenhaftigkeit einer einzelnen (weißen Deutschen) Helferin beleuchtet, unterlegt mit dramatischen Bildern und trauriger Musik. Dabei wird einmal mehr das Bild eines Afrika gezeichnet, welches ohne die Hilfe des globalen Nordens zusammenbrechen würde und mir kommt ein bisschen Kotze hoch. Statt mal zu schauen, wie vor Ort mit der Situation umgegangen wird, holt man sich halt eine junge Helferin ins Studio. Spart Geld, Recherche und außerdem menschelt das doch auch so schön.

Aber das ist ja auch schnell vergessen, wenn allerorten UNSERE Weltmeister auftreten und zum 30485842. Mal erzählen, wie das damals war in Rio, als man endlich DAS DING geholt hat. Dann dürfen noch ein paar Bands Playback so tun, als spielten sie ihren „Hit des Jahres“, der vermutlich auf jedem Sender ein anderer ist, man verheizt noch die vollkommen irrelevanten sendereigenen „Promis“ und fertig ist das Ding (also ein anderes Ding als DAS DING)!

„Wieso schaust Du Dir das an?“

werden sich die geneigten LeserInnen fragen – berechtigterweise. Nun, ich war auf der Suche nach Sehenswerten Sendungen im Fernsehen (ich weiß, das ist ein ohnehin sehr optimistisches Unterfangen) und stieß auf Jauchs Rückblick bei RTL – und mich küsste die Muse. Was für herrliche Vorlagen diese Formate für MEIN Format bieten, es ist wundervoll. Aber weiter gucken möchte ich den Mist dennoch nicht. Ich mach das jetzt aus.

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