… same procedure as every year…

Silvester_LenaSchade, Weihnachten ist vorbei und hat mich aus seinem Klammergriff der Besinnlichkeit freigegeben. Endlich ist mein Blick wieder ungetrübt für die wirklich beschissenen Dinge im Leben. Wie beispielsweise Silvester, dieses unsägliche Ereignis, welches sich bereits Tage im Voraus krachenderweise ankündigt.

Dabei ist Silvester ein ganz und gar verzichtbares Ereignis, welches mich jedes Jahr aufs Neue höllisch nervt, da ich es immer versäume, mich rechtzeitig um irgendeine hammermegakrasseexzeptionelltolle Unternehmung zu kümmern und bis zum 30.12. auf die Frage „Und, wo feierst du?“ nur ahnungslos mit den Schultern zucken kann. Am liebsten würde ich gar nicht aus dem Haus gehen, denn bisweilen erinnert die Ballerei zum Jahreswechsel an Kriegszustände. Clubs und Discotheken sind überfüllt, obwohl der Eintritt in der Regel absurd überteuert ist. Manche Menschen betreiben gerne Partyhopping – das finde ich allerdings nur stressig, denn erstens finde ich vor allem WG-Parties nervig (dazu kommt demnächst eine etwas ausführlichere Abhandlung) und zweitens finde ich es nicht erquicklich, ständig auf dem Sprung zu sein.

Außerdem werde ich niemals verstehen, wieso mensch sich ausgerechnet an Silvester besonders hart wegknallt – die Anzahl aggressiver oder übertrieben melancholischer Mitmenschen steigt zu Silvester exponentiell an – und nervt mich überaus. Geben sich diese Leute tatsächlich der von mir längst verworfenen Illusion hin, dass zum Jahreswechsel eine besonders großartige Party steigt, die man nieeemals vergessen wird? Ich wette, dass einzige, was man tatsächlich nicht vergisst, sind die infernalischen Kopfschmerzen am Morgen danach.

Wenn man also zu Silvester keine Lust auf Party hat, steht meist eine zünftige Raclette-Runde im Freundes- und Bekanntenkreis zur Option. Meistens mit Pärchen, die schon so lange zusammen sind, dass ihr letzter Ausflug ins Nachtleben noch zu DM-Zeiten war und für die es besonders verwegen ist, um Mitternacht gleich zwei Gläser Sekt zu trinken und erst nach 1 Uhr ins Bett zu gehen.

Allerdings kann das auch ganz nett sein – immerhin ist Raclette lecker, man isst bis zum Erbrechen und rollt quasi ins Neue Jahr. Irgendjemand hat dann auch ein Bleigieß-Set mitgebracht, welches zwar nur bizarre Phallus-Symbole produziert, aber immerhin fünf Minuten Spaß bereitet hat. Den Höhepunkt liefert dann ein Tischfeuerwerk, welches wie jedes Jahr irgendwelchen total sinnlosen Plastikmüll beinhaltet, aber immerhin hat es kurz geknallt und man fühlt sich nicht so ganz armselig, weil man gar kein Feuerwerk gekauft hat. Und dann ist Mitternacht, man trinkt Sekt, der total ekelhaft schmeckt, wünscht Menschen ein Gutes Neues Jahr, die man am 31.12. zum ersten Mal getroffen hat und versucht dann stundenlang vergeblich, die in alle Welt verstreute Familie zu erreichen, während im Fernsehen „Best of Disco“ mit Ilja Richter läuft. Herrlich!

Am 01.01. ist dann Katerstimmung angesagt – auch bei mir, die in der Regel nicht (viel) trinkt; meist unterstützt von trübem Winterwetter, welches einem regelrecht zuruft, dass im Bett bleiben die beste Option für den kompletten Januar ist, den ich für den verzichtbarsten aller Monate halte.

Nun denn, ich wünsche meinen geneigten LeserInnen ein hasserfülltes Jahr 2015 und gelobe, im Neuen Jahr wieder schreibwütiger zu sein!

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Kein Blick zurück

Hachja, wir haben Anfang Dezember – also noch mehr als drei Wochen Restjahr vor uns – und das heißt: Zeit für Jahresrückblicke auf allen Sendern. Es scheint, als versuchten sich RTLSat1ZDFARD Jahr für Jahr darin übertrumpfen zu wollen, wer am frühesten mit dem Rückblick dran ist, ungeachtet dessen, dass zwar über Weihnachten viele Menschen Urlaub machen, aber dennoch mehr oder minder wichtige Ereignisse vorfallen können – man erinnere sich an den Tsunami zu Weihnachten 2004 oder der Unfall von Michael Schumacher Ende vergangenen Jahres. Irgendwann wird dann das Kalenderjahr einen Monat eher als beendet erklärt.

Also versammeln sich die Menschen mit ihren Schicksalen (von denen ich oftmals im laufenden Jahr überhaupt nichts gehört habe) bei den Jauchs, Kerners und Dingenskirchens ihrer Welt, um in albernen Kulissen, die an die guten alten Zeiten von Wetten, Dass?! erinnern, von ihrer Geschichte zu erzählen. Zwischen wirklich bemerkenswerten Vorfällen dürfen dann auch Menschen von ihren Unfällen berichten, bei denen nichts (!) passiert ist (so wie gerade bei RTL) oder man sieht einen schief singenden Pfarrer aus einem YouTube-Video, der ironischerweise aussieht wie Austin Powers. Unfassbar spannend und wirklich WELTBEWEGEND! Nicht.

Dass das Jahr 2014 politisch gesehen ein wirklich ereignisreiches war (im negativen Sinne) wird weitgehend ignoriert oder nur in Zusammenfassungen gezeigt. Ist ja auch kurz vor Weihnachten, Fest der Liebe und so, da möchte man nicht mit wirklich belastenden Dingen konfrontiert werden; vor allem, wenn man doch gerade erst die alljährliche Spende für „Ein Herz für Kinder“ überwiesen hat. Da möchte man doch lieber etwas menscheln, sich über positive Erlebnisse anderer Menschen freuen, vielleicht ein bisschen über persönliche Schicksale mitweinen, aber doch nicht über die (Un)Geschicke der Welt nachdenken (außer, sie verursachen Leid bei kleinen Kindern, das ist tränendrüsig genug). Und ach – EBOLA war ja auch noch. Doch statt die Problematik wirklich ernsthaft aufzubereiten, wird mal wieder die Heldenhaftigkeit einer einzelnen (weißen Deutschen) Helferin beleuchtet, unterlegt mit dramatischen Bildern und trauriger Musik. Dabei wird einmal mehr das Bild eines Afrika gezeichnet, welches ohne die Hilfe des globalen Nordens zusammenbrechen würde und mir kommt ein bisschen Kotze hoch. Statt mal zu schauen, wie vor Ort mit der Situation umgegangen wird, holt man sich halt eine junge Helferin ins Studio. Spart Geld, Recherche und außerdem menschelt das doch auch so schön.

Aber das ist ja auch schnell vergessen, wenn allerorten UNSERE Weltmeister auftreten und zum 30485842. Mal erzählen, wie das damals war in Rio, als man endlich DAS DING geholt hat. Dann dürfen noch ein paar Bands Playback so tun, als spielten sie ihren „Hit des Jahres“, der vermutlich auf jedem Sender ein anderer ist, man verheizt noch die vollkommen irrelevanten sendereigenen „Promis“ und fertig ist das Ding (also ein anderes Ding als DAS DING)!

„Wieso schaust Du Dir das an?“

werden sich die geneigten LeserInnen fragen – berechtigterweise. Nun, ich war auf der Suche nach Sehenswerten Sendungen im Fernsehen (ich weiß, das ist ein ohnehin sehr optimistisches Unterfangen) und stieß auf Jauchs Rückblick bei RTL – und mich küsste die Muse. Was für herrliche Vorlagen diese Formate für MEIN Format bieten, es ist wundervoll. Aber weiter gucken möchte ich den Mist dennoch nicht. Ich mach das jetzt aus.

Advent, Advent…

Lena_Weihnachtskarte

Meine Bildbearbeitungskünste sind beeindruckend!

Freunde, bald ist Weihnachten! Wie doch die Zeit vergeht! Haben wir uns nicht gestern noch über die Lebkuchen im Supermarkt aufgeregt und uns vor dem ersten Mal „Last Christma“ für dieses Jahr gefürchtet? Da ich ja weder Lebkuchen mag (nein, auch zu Weihnachten nicht) noch Radio höre, kann ich mich ausnahmsweise nicht zu den Leuten zählen, die über genannte „Probleme“ ranten (und außerdem – ein Geständnis – finde ich „Last Christmas“ gar nicht so fürchterlich).

Ich liebe Weihnachten, aber ich liebe keineswegs Menschenmassen, die sich in den Innenstädten um Geschenke prügeln. An Kassen und Umkleiden warten hasse ich ja schon sonst immer – aber tu ich mir das an, wenn 3048683 Menschen gleichzeitig auf die glorreiche Idee gekommen sind, an einem Samstagnachmittag in die Stadt zu gehen? Na sicher nicht.

Generell diese Massen überall! Menschen schieben sich über Weihnachtsmärkte, vorbei an Räuchermännchen, Holzspielzeug und mundgeblasenem Kitsch auf der Suche nach erhitzter Plörre – euphemistisch auch Glühwein genannt. Hach ja, diese Besinnlichkeit, wenn man – sich an klebrigen Bechern festklammernd – einander gegenüber steht und hofft, dass die Wärme von oben der fies sich an den Beinen emporklimmenden Kälte entgegenwirkt, bis man dann richtig die Lampen brennen hat, mit der Arbeitskollegin rummacht, hinter den Stand mit den gebrannten Mandeln erbricht und dann nachhause wankt. Ich trinke grundsätzlich nur Kinderpunsch, wanke demnach nur wenig und kann nur schwerlich das Gelalle der vom Fusel schwer gewordenen Zungen ertragen.

Irgendwo im Internet stand mal, dass Weihnachtsmärkte das Wacken für Büroangestellte sei. Ich wage zu behaupten, dass ich beide Veranstaltungen gleichermaßen unangenehm finden würde, nur dass auf/bei (?) Wacken der Alkohol kalt und auf dem Weihnachtsmarkt eben warm ist. Ansonsten gibt es überteuertes Essen, für mich unerträgliche Musik (Heavy Metal vs. Weihnachtsschlager) und seltsam gekleidete Menschen (Metalkutte vs. alberne Nikolausmützen).

Daher meide ich die Städte, zerstöre den Einzelhandel, indem ich meine Geschenke frühzeitig online bestelle, und futtere statt Industrielebkuchen und fieser Spekulatius lieber die Plätzchen von Mama. Und da heute endlich auch mein Adventskalender angekommen ist, kann’s mit der Vorfreude dann auch endlich losgehen!

Gähnende Leere

Hier ist es mal wieder ruhig geworden. Keine Zeit, keine Ideen, dies das. Manchmal fände ich es daher ganz herzhaft, wenn nicht nur ich selbst für diesen wunderbaren Blog schreiben würde – und ich habe schon diverse Male Menschen angesprochen, ob sie denn nicht Gastbeiträge schreiben möchten.

Im Prinzip war die Antwort auch immer positiv – nur Beiträge erhalte ich nie. Dabei steckt nicht nur in mir viel Hass, sondern auch in vielen anderen Menschen, die von ihrem persönlichen Hass-Thema auch viel mehr Ahnung haben als ich und deshalb wunderbar geeignet wären, auch darüber zu schreiben –  nur tun sie es nicht. Dabei kann so ein vor Wut strotzender Text wirklich befreiend wirken, ich spreche da aus Erfahrung. Aber ach, diese Menschen haben alle keine Zeit, fühlen sich unkreativ oder zu unbegabt, vergessen ihre Zusage wieder, trauen sich nicht, blablabla.

Stattdessen sagen mir Leute immer wieder, dass ich doch über dieses oder jenes Thema schreiben solle, über welches sie sich gerade aufgeregt haben. Über den unmöglichen Kundenservice von Telekommunikationsunternehmen, die Bahn oder sonstige Unsäglichkeiten, die einer so widerfahren tagein, tagaus. Allerdings sind das eben nicht Dinge, über die ICH mich ärgere – was soll ich da konkret schreiben? Stundenlanges Warten in Telefon-Hotlines mit schlechter Musik kennen wir alle und ich finde es langweilig, sich darüber aufzuregen. Die Bahn kommt immer zu spät und ich führe ohnehin schon genügend Schriftverkehr mit diesem Verein, der mir ständig Geld zurückzahlen muss, da wieder ein Zug nicht so fuhr wie er sollte. In solchen Fällen ist Ärger und Hass ja nichts Neues, sondern Dauerzustand. Laaaaangweilig (mindestens so langweilig wie viele Bahnfahrten jedenfalls).

Außerdem ist das hier kein Wunschkonzert und ich keine Auftragsautorin –  in mir muss sich erst einiges anstauen, was sich in meinem Kopf erst zu einer Textidee formiert und dann einfach raus muss. So wie jetzt. Ich ärgere mich über mich selbst, dass mir so wenig einfällt (obwohl es doch so viele Dinge gäbe, über die es sich aufzuregen lohnte) und darüber, dass mir niemand über meine Ideenflaute hinweghelfen möchte und – schwupps – ist ein kleiner Text entstanden. Maaaagic!