Weltschmerz

Dieser Tage leide ich an Weltschmerz. Laut Duden handelt es sich dabei um „Leiden unter der Welt und ihrer Unzulänglichkeit im Hinblick auf eigene Wünsche“. Ich finde, es ist ein schönes Wort, auch wenn es nichts Schönes beschreibt und auch die Definition gefällt mir nicht so gut, da der Bezug auf die eigenen Wünsche so egoistisch klingt – ich aber leide an der Unzulänglichkeit, der Non-Funktionalität dieser Welt für so viele Menschen, nicht nur für mich. Ich leide allerdings auch an meiner eigenen Unzulänglichkeit.

Mich nervt der Hedonismus und Narzissmus der Jugend, dieser Fokus auf Klamotten, Partys, Konsum. Und dass mich diese Aussage alt und verbittert klingen lässt. Bin ich neidisch auf Sorglosigkeit?

Ich gehe an den politischen Zuständen in vielen Teilen der Welt kaputt. Und es nervt mich, dass ich es meist nicht einmal schaffe, meinen kleinen, mir möglichen Teil beizutragen, um es besser zu machen.

Ich habe das Gefühl, den Anforderungen meines Berufes nicht ausreichend zu entsprechen. Allerdings brüte ich auch darüber, ob das eigentlich nur meine eigenen zu hohen Ansprüche sind, mit denen ich mich selbst geißele. Ich habe das Gefühl, nie zu genügen.

Ich verachte den Wettstreit, aus dem das Leben heutzutage zu bestehen scheint, ich will mich nicht ständig vergleichen und tue es trotzdem. Ich beklage mich über Nichtigkeiten, obwohl ich weiß, dass es vielen anderen Menschen viel schlechter geht. Und ich rege mich über Menschen auf, die ihre eigenen Nichtigkeiten so wichtig nehmen und ganz zu vergessen scheinen, wie gut es ihnen geht.

Ich komme mit dem Zynismus und der emotionalen Kälte in diesem Land nicht klar. Mit der Verachtung für Menschen, die nicht das „Glück“ hatten, auf der sonnigen, also wohlhabenden Seite des Planeten geboren worden zu sein. Mich stört, dass Mitgefühl und Menschlichkeit an Grenzen halt zu machen scheinen. Dass Fremdenfeindlichkeit salon fähig geworden ist, dass ein eingeschläferter Hund mehr Empörung hervorruft als die Tatsache, dass die Welt dabei zusieht, wie ganze Bevölkerungsgruppen massakriert werden.

Ich beginne hier zu oft mit „ich“ – und tue mir zugleich schwer mit dem Egoismus, der so viele Menschen zerfrisst.

Ich mag meinen eigenen Pathos nicht. Aber heute akzeptiere ich ihn, denn ich leide an Weltschmerz.

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Weltschmerz

  1. Solch ein trauriger Blogeintrag sollte nicht unkommentiert bleiben :-/ Deshalb lass Dich mal herzhaft virtuell drücken. Ich kann Dir sehr gut nachempfinden und wundere mich immer wieder darüber, dass Du bereits in solch jungen Jahren so differenziert über Deine Art- und Altersgenossen denkst und schreibst. Das Gefühl, nie zu genügen, kenne ich auch. Aber ob das sub- oder tatsächlich objektiv ist, kannst Du nur selber herausfinden. Ich denke mal, die Antwort kennst Du bereits.

    Es wäre schön, wenn noch mehr Menschen mit offenen Augen durch die Welt gehen. Aber wenn man dafür zu weich ist, kann das auch schnell ein Schuss nach hinten werden. Bleib stark 🙂

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  2. Pingback: Same old, same old… | 50 Shades of Hate

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