Gut, dass ich erwachsen bin…

Well I guess I should confess that I am starting to get old
All the latest music fads all passed me by and left me cold
All the kids are talking slang I won’t pretend to understand
All my friends are getting married, mortgages and pension plans

Dieser Text von Frank Turner (ich liebe Frank Turner, aber das habe ich nicht laut gesagt) trifft dieser Tage absolut auf mich zu. Ich dachte, ich würde das nie erleben, aber ich werde alt und ich verstehe die Welt nicht mehr und ich befinde mich in einer komischen Twilight-Zone des Erwachsenwerdens und der Desorientierungs, in der ich mich nicht zurecht finde.

Ich bin inzwischen Ende 20, also eigentlich schon fast keine junge Erwachsene mehr, auf dem Papier noch länger nicht mehr jugendlich. Die Menschen um mich herum heiraten und bekommen Kinder (manchmal auch in umgekehrter Reihenfolge), kaufen sich Häuser am Stadtrand und werden sesshaft. Und ich denke nur „Aber das machen doch Erwachsene, was ist los?“ Ja, was ist denn los mit mir? Ich habe keinerlei Drang dazu, meine sicherlich hervorragenden Gene unters Volk zu bringen und in meiner als durchaus unstet zu bezeichenden Lebenssituation und angesichts meiner eher bescheidenen finanziellen Lage wäre es verrückt, irgendwo sesshaft zu werden. So richtig mit Haus. Und Hund. Oder Katze (nicht auszudenken!)

Ist etwas mit mir nicht richtig, dass ich das alles nicht möchte, oder kommt das irgendwann von selbst? Strebe ich dann irgendwann die monogame Hausfrauenehe an? Kaufe ich mir gar einen Kleinwagen und fahre damit die Einkäufe nachhause und die Kinder zum Sport? Höre ich dann Radiosender, auf denen Unheilig und Jupiter Jones und Andreas Bourani laufen und wünsche mir in der Morning Show Lieder, mit denen ich meine Liebsten grüße? Das sind alles so ERWACHSENE (und bisweilen ekelhaft spießige) Dinge, die ich mir überhaupt nicht vorstellen kann. Derzeit verbringe ich keine zwei Wochenenden hintereinander am gleichen Ort, bin rastlos, weiß nicht wohin mit mir.

Gleichzeitig hadere ich mit der Jugendkultur, kann nur den Kopf schütteln, wenn ich diesen ekelhaften YOLO-Hedonismus beobachte. Ich verstehe die Kleidung nicht und verachte die immer stärker zunehmende Sexualisierung. Außerdem fühle ich mich im Gespräch mit Jugendlichen viel zu oft dazu berufen, weise zu lächeln und zu sagen „Das wirst du auch noch lernen.“ oder „So habe ich früher auch noch gedacht!“ Fehlt nur, dass ich den Kleinen großmütterlich in die Wange kneife. Das kann doch nicht wahr sein! Wo gehöre ich hin?

Wahrscheinlich sollte ich es weiterhin mit den Worten des (GROSSARTIGEN) Frank Turners halten:

And I won’t sit down
And I won’t shut up
And most of all I will not grow up

Ja, so werde ich das machen und dabei absolut fabulös sein!

 

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4 Gedanken zu “Gut, dass ich erwachsen bin…

  1. Genau den gleichen Song hab ich auch schon mal zitiert. 🙂 Und warum darf man denn bitte nicht laut sagen, dass man Frank Turner mag? Ich finde den genauso großartig wie ich den Gedanken an ein Vorstadthäuschen, zwei Kinder und einen Dackel erschreckend finde. (Noch. Wer weiß, wie das in ein paar Jahren sein wird…) Du bist also nicht allein!

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  2. Ich denke, man empfindet diese Zwischenzone vor allem dann, wenn man sich weigert (möglicherweise unfreiwillig) die „nächste Stufe“ zu erreichen… oder schlichtweg eine andere Leiter/Treppe nimmt, als die meisten anderen Menschen. Meine Gebärmutter verfügt nicht über eine Eieruhr, die mir irgendeinen Zeitdruck verschafft und sendet mir auch mit 28 Jahren – trotz gegenteilger Behauptungen von Freunden und Familie – keinerlei Botenstoffe, die einen Sinneswandel bezüglich meiner Verweigerung der Weitergabe meiner Gene bewirkt (und das trotz langjähriger monogamer Beziehung).
    Insofern: Danke für Deinen Artikel… Immer gut zu lesen, dass es noch Menschen gibt, denen es ebenso geht. Und hey! Nix gegen Frank! 🙂

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