Horrido? HORRORdo!

schuetzenfestWoran merkt man, dass man in der Provinz wohnt, auch wenn Statistiken einer weismachen wollen, es handele sich um eine Großstadt? Eine erweiterbare Sammlung:

Die öffentlichen Verkehrsmittel: Es ist schon verdächtig, wenn es weder U- noch Straßenbahnen gibt. Busse verkehren nur halbstündlich (wenn überhaupt) und zu Uhrzeiten, die insbesondere hier wohl als unchristlich gelten, fährt gar nichts mehr – abgesehen vom zuzahlungspflichtigen Nachtbus, der die partywütige Meute zurück in ihre Dörfer bringt.

Die Öffnungszeiten: Gut, dann wäre Wien auch ein Provinznest – da haben die Läden samstags nur bis 18 Uhr offen (!!). Und die Supermärkte hier sind auch bis 22 Uhr offen, eigentlich gar nicht so schlecht. Gilt also nicht, verdammt.

Die Menschen: Sie sind alle so… gleich. Und angepasst. Selbst an der Uni. Jedenfalls die meisten. Dort, wo ich wohne, sind sie auch noch besonders katholisch, was ich in meiner kleinen Blubberblase zwar kaum mitbekomme, aber die ChristInnen schenken regelmäßig Kaffee aus und es gibt Bibelkreise. An der Uni!
Alle wählen CDU – seit meinem Zuzug ist der Stimmenanteil für nicht-konservative Parteien vermutlich schier explodiert. Und: Ich bin tätowiert – und falle auf. Sehr sogar.

Das kulturelle Angebot: Wenn die Highlights des Festjahres eine einwöchige Kirmes (zu Ehren irgendeines Heiligen, der mir zuvor unbekannt war) sowie das SCHÜTZENFEST sind, dann weiß man, dass man wirklich in der Provinz gelandet ist. Ich weiß, man muss ja nicht hingehen, aber gerade ist es schön draußen und ich möchte auf meinem famosen Balkon residieren, bloß: Ich werde mit zackiger Marschmusik beschallt, sodass es selbst mir in den Füßen juckt. Grauenhaft. Gleich fanden die auch an zu schießen. Was eine Sause!
Für die Ende des Monats stattfindende RIESENKIRMES habe ich bereits Pläne geschmiedet, die Stadt zu verlassen. So eine Dauerbeschallung mit Wolle Petry, „Atemlos“ und anderer Bums-Musik würde ich nicht mal betrunken ertragen.

Weitere Anhaltspunkte:

  • Das Fußballstadion des hiesigen Erstligisten hat mehr Fahrradständer als Parkplätze – und aufgrund Beschwerden der AnwohnerInnen dürfen keine Spiele nach 22 Uhr stattfinden. Mag man das glauben?
  • Es gibt eine Bar namens Sappho, die keine LGBTQ-Bar ist. Hallo?
  • Die meisten Partys finden unter der Woche statt, da die hiesigen Studierenden am Wochenende flüchten. Heim zu Mutti oder an Orte, wo mehr los ist.
  • Man wird ob seines Wohnortes bemitleidet – obwohl die meisten Menschen (zurecht) noch nicht dort waren.
  • Achja, auch hier gibt es Burschenschaften, mit eigenem Verbindungshaus (katholisch, natürlich). Und irgendwelche Jägervereine an der Uni, die keine Frauen zulassen. Es schüttelt mich.

To be continued…

 

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Ein Gedanke zu “Horrido? HORRORdo!

  1. In meinem Heimatdorf fuhren die Busse Mo-Fr alle 2 Stunden, bis 18:30 Uhr. Sa und So garnicht. Die Läden hatten Sa bis 13 Uhr offen, die Supermärkte bis 18 Uhr.
    Da bin ich hier in der Stadt mit nem Rewe zwei Straßen unter mir der Öffnungszeiten von 6 – 24 Uhr hat echt verwöhnt 😉

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