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social-media-share-buttonsLasst uns doch mal über Internet-Trends reden. Über Videos und Bilder, die in den sozialen Netzwerken massenhaft geteilt, geliebt und – natürlich – auch gehasst werden. Sie berühren, bringen zum Lachen oder empören die Massen. Man teilt, was man großartig oder eben verachtenswert findet, damit die (Facebook-)FreundInnen es ebenfalls lieben oder gleichermaßen scheiße finden. Ist manchmal ganz nett, aber bisweilen auch nervig.

Etwa, wenn ein Video von (natürlich schönen und sympathischen) Menschen, die sich kurz nach Kennenlernen küssen sollen, um die Welt geht. Hach, es ist ja so berührend, diese Nähe zwischen Fremden. Das Phänomen war allerdings noch keinen Tag alt, da wurde es schon entzaubert: Werbung war das, für Klamotten. Gar nicht mal so dumm, möchte man meinen. Allerdings weiß ich bis heute nicht, welche Firma eigentlich dahinter steckt. Ist das dann trotzdem erfolgreiches virales Marketing?

Dann ging neulich ja die Empörungsmeldung durch Facebook, dass ausgebeutete Näherinnen in Kleidung der Billigst-Kette Primark Hilferufe auf Etiketten eingenäht hätten, um auf ihre schlechten Arbeitsbedingungen hinzuweisen. Davon abgesehen, dass diese Etiketten wohl gefälscht waren. Was mich an dieser Empörung aufregt? Welche Primark-Kundin dachte denn vorher ernsthaft, dass T-Shirts, die im Laden für wenige Euro verramscht werden, von Menschen produziert werden, die nach Mindestlohn entlohnt werden, bezahlten Urlaub genießen und nicht übelste Akkord-Arbeit verrichten müssen? Wie naiv ist das denn bitte? Und Hilferufe hin oder her – die Städte werden weiterhin voll sein mit Menschen, die ihre im Kampf mit anderen SchnäppchenjägerInnen erlegte Beute in braunen Papiertüten nach Hause tragen.

Und dann ist da noch Julia Engelmann, die mit ihrem Poetry Slam Beitrag „One Day / Reckoning Song“ die Nation beglückte mit einem Text, der sich dafür aussprach, das Leben endlich mal zu leben, verdammt (oder so, ich hab mir das nie ganz angeschaut) und sich nicht nur Dinge vorzunehmen, die man eh nicht schafft. Sie besingt darin die Lethargie unserer (ja, auch meiner) Generation, die ja so gerne mehr wäre, mehr könnte, aber vom Smartphone gebremst wird (irgendwie schon ironisch, dass u.a. jene Technologie Frau Engelmann nun diesen Fame gebracht hat, nicht?). Ja, man, wieso ist unser Leben nicht so geil wie in Filmen und der Werbung mit Partys auf Dächern, an Stränden, bis die Sonne morgens aufgeht? Frau Engelmann (ich habe mir das jetzt doch angeschaut) trägt ihr Gedichtlein vor mit einer Mischung aus (gespielter?) Schüchternheit, dem Gestus eines Joe Cocker und dem Reimschema einer Grundschülerin. Sie ist nun berühmt, zumindest schließe ich das aus dem Umstand, dass ZEIT Online heute erneut ein Gedicht von ihr teilte, in welchem sie in bester NEON-Magazin-Manier gespickt mit Jugendsprech über Zwischenmenschliches (und so) schwadroniert. Was irgendwie ernst gemeint sein soll, aber aufgrund ihrer verzweifelten Versuche, ein Lachen zu unterdrücken, eher albern wirkt.

Nun gut, was ist mein Problem? Ich bin ja nun nicht wirklich Poetry Slam-affin, aber ich bin mir sicher, dass DAS nicht die qualitative Speerspitze der Szene ist. Und wenn, dann möchte ich mir bitte umgehend die Augen ausstechen und das Trommelfell zerstören. Inhaltlich ist das ja auch nicht so wirklich neu (und das gab es auch alles schon besser) und ich frage mich, wieso ausgerechnet Frau Engelmann damit so erfolgreich sein konnte. Ich wünsche mir manchmal, sie wäre Soapsternchen geblieben.

Und dann kommt ja kein Social Media-Phänomen mehr aus ohne Parodien. Ob erste Küsse nun durch erste Ohrfeigen ersetzt wurden (wobei ich ja finde, dass das wirklich VIEL zu spät kam, um noch irgendwie subversiv zu wirken) oder ob Jan Böhmermann auf den Engelmann-Zug aufspringt (wobei ich ihn hier ausnahmsweise wirklich mal gut finde, ehrlich!) – alles muss nochmal verwurstet und – natürlich – nochmal geteilt werden. Würden nur mal mehr Menschen diesen wunderbaren Blog teilen, das wäre so schön!

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