Frau Rüffer und der verhinderte Vater: Eine Leserinnenkritik

ich-sehe-schwarzMein heutiger Aufreger des Tages war eigentlich der (vor)gestrige Aufreger des Tages, aber der Ärger ist über Nacht nicht verflogen, weshalb ich probiere, meinen heutigen Hass in Worte zu fassen. Das wird ein bisschen schwierig, da sich dieser auf einen Zeitungsartikel gründet, den ich bislang nicht online finden konnte. Konkret geht es um „Der verhinderte Vater“ von Lisa Rüffer, der am 29.7. in der Süddeutschen Zeitung (Seite 9) erschienen ist. Darauf aufmerksam gemacht hat mich Katharina, danke dafür.

Worum geht es konkret? Die Autorin möchte sich mit Männern beschäftigen, deren (Ex-)Partnerin einen Schwangerschaftsabbruch ohne die Zustimmung des Erzeugers durchführen ließen. Dabei erzählt sie die Geschichte eines Mannes, der in einer festen Beziehung lebt, aus der bereits ein Wunschkind entstanden ist. Da die beste Freundin der jungen Mutter bald wieder ein Kind möchte und auch das erste Baby zeitgleich geboren wurde, wird früher als geplant ein weiteres Kind gezeugt. Nur: Die beste Freundin wird nicht schwanger und alleine möchte die Freundin des Protagonisten dann doch nicht schwanger sein, weshalb sie das Kind in der elften Woche abtreiben lässt. Gegen den Willen ihres Partners. Die Story ist so weit schon ziemlich hart, krass wird es aber an dem Punkt, wo die beste Freundin dann doch schwanger wird und dann doch ein Kind her soll – notfalls auch mit einem anderen Erzeuger. Schlussendlich gibt es ein weiteres Kind und eine Trennung kurz nach dessen Geburt Der Vater steht als Arsch dar, da er Mutter und Neugeborenes verlassen hat und (beinahe) niemand vom zwischenzeitlichen Abbruch weiß, weshalb er auch mit seinen Gefühlen diesbezüglich allein gelassen ist.

Die Geschichte klingt haarsträubend. Ob sie wahr ist, kann ich nicht sagen, aber es ist schwer zu glauben. Und wenn sie wahr sein sollte, dann wage ich zu behaupten, dass dieser Fall eines Schwangerschaftsabbruches singulär ist und die Motive von Frauen, die einen solchen vornehmen lassen, vermutlich zumeist andere (und existenziellere) sind als dass die beste Freundin nicht zur gleichen Zeit ein Kind bekommt. Mich ärgert diese Fallschilderung auch, da sie die die Schwangerschaft abbrechende Mutter als regelrecht gestört, gefühlskalt, ja ignorant darstellt, die nur auf ihre eigenen Interessen bedacht ist.

Das Thema Schwangerschaftsabbruch ist überaus schwierig, denn was soll frau tun, wenn sie eine Abtreibung möchte, der Partner jedoch nicht? Soll man sie zum Austragen des Kindes gesetzlich zwingen? Das brächte uns zu der alten Frage zurück, wem dieser Bauch, in dem das Baby heranwächst, nun eigentlich gehört.

Auf der Suche nach einer digitalen Version des original Textes bin ich auf Recherche-Versuche der Autorin gestoßen. Sie postete ihr Anliegen in Männerrechts- und Maskulinistenblogs, wo Männer über ihr Schicksal als Kuckucksvater schreiben, sich von herrschendem Recht bezüglich Adoption oder Unterhaltszahlungen im Scheidungsfall benachteiligt und von Frauen ausgebeutet fühlen. Ich finde es schwierig, auf solchen Seiten nach Protagonisten für ein solches Thema zu suchen, denn Maskulinismus heißt leider oft auch antifeministischer Backlash, der bis hin zur Misogynie reicht.

Ich möchte nicht bezweifeln, dass es werdende Väter gibt, die gegen einen Schwangerschaftsabbruch sind und deren Wünsche „übergangen“ werden. Mit Sicherheit gibt es aber auch zahlreiche Erzeuger, die von der Schwangerschaft nichts wissen, nichts wissen wollen oder eine Abtreibung sogar forcieren. Ich möchte noch weniger bezweifeln, dass Männer darunter leiden, wenn ihre Partnerin sich dagegen entscheidet, das gemeinsame Kind zu bekommen und es ist für diese Personen sicherlich wichtig – ebenso wie Frauen, die eine Abtreibung haben vornehmen lassen – bei Bedarf psychologische Betreuung zu erhalten. Darum geht es im Artikel aber nicht, sondern der Autorin scheint es vornehmlich ein Anliegen zu sein, die Frau zu dämonisieren und ihr Verhalten zu irrationalisieren (das ist ihr gelungen). Damit verhindert sie meiner Meinung nach eine fruchtbare Diskussion über dieses heikle Thema, denn Lisa Rüffers Text stellt Wasser auf die Mühlen vieler Abtreibungsgegner dar, die die Motive der Protagonistin des Textes nur zu gerne hernehmen werden, um ihre Stories von den verhütungsunwilligen Frauen zu verbreiten, die einen Abbruch als Alternative zu Kondom und Pille sehen. Damit wird negiert, dass ein Schwangerschaftsabbruch auch (und insbesondere) für die betroffenen Frauen eine in der Regel schwere und tiefgreifende Entscheidung darstellt, die nicht ohne Weiteres psychisch verarbeitet werden kann. Aber eine andere Geschichte wäre vermutlich nicht polarisierend genug gewesen.

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Feminists against Cats

Feminist against CatsNach Women against Feminism und Cats against Feminism wird es Zeit für eine neue Bewegung, die auf diese unsäglichen Bilder antwortet. Ich nenne sie „Feminist against Cats“ und sie verbindet zwei meiner Hobbys: Feminismus und Katzenhass.

Ich weiß, dies ist kein Tumblr, aber ich möchte hiermit den Anfang eines neuen viralen Phänomens schaffen, welches alle Erster-Kuss-Videos, Julia Engelmanns sowie Glücksnüsse übertrifft, ohja.

Also, ich präsentiere, meine ersten beiden Beiträge und hoffe auf rege Teilnahme!

 

 

 

 

 

Feminists against Cats

Von Möpsen, Make Up und schiefen Schwänzen

Ich bin Teil des großen, bösen Ganzen, denn, werte LeserInnen dieses Qualitäts-Blogs, auch ich überwache euch. Beinahe täglich und mit großer Freude. Ich sehe, wie viele Menschen (ungefähr) meine Seite besuchen, welche Artikel sie lesen, woher sie stammen, wie sie auf zu meinem Blog gefunden haben – meist via Facebook-Link oder Suchmaschinen. Leider zeigt mir die Datenkrake namens Google nur gelegentlich an, welche Suchworte Menschen zu mir führten – aber nicht selten wundert oder amüsiert mich, WAS Menschen das allwissende Internet fragen.

Etwas bestürzend hingegen ist die Erkenntnis, dass „böhse onkelz titty cam“ (und Variationen davon) unglaublich häufig gesucht wurde – und unglaublich viele Menschen zu mir geführt hat. Diese fanden wohl eher nicht, was sie gesucht haben (das verlinkte Video scheint auch depubliziert worden zu sein), aber immerhin hat sich bislang keiner die Mühe gemacht, mich aufgrund meines Onkelz-Bashings zu belästigen. Aber Sex verkauft sich nun mal am besten und nackte Titten auf Onkelz-Konzerten scheinen wohl echt die Massen zu interessieren… Generell sind auch die „2 möppse“ von „deutschlandfans“ interessant. Nur gibt es die ‚leider‘ hier nicht zu sehen.

Auch immer wieder gerne gesucht werden „lippenstift“ und „make up blogs“ – ich befürchte, die Suchenden werden auch hier nicht mit dem Ergebnis zufrieden sein, denn das Einzige, was ich zu diesem Thema zu sagen habe ist, dass ich diese Art Blogs hasse. Sehr sogar. Und wer sich von mir ein Make Up Tutorial erwartet, ist leider auch gänzlich falsch. Ich kann auch nichts raten, wenn der „nagellack schmiert“ oder wo man kostenlosen Lack herbekommt – ist einfach nicht mein Gebiet. Ich hoffe, die Lektüre hat dennoch gefallen.

Angesichts ihrer Überpräsenz scheinen viele Menschen auch Helene Fischer nicht so recht zu mögen. Dies belegen Suchanfragen wie „helene fischer nutte“ oder  „ich hasse helene fischer“ (extrem oft in letzter Zeit). Die Frau hat wohl ob ihrer Überpräsenz auf schlechten Dorfpartys, bei WM-Feiern und generell überall viele Menschen derart zur Verzweiflung gebracht, dass diese Gleichgesinnte in ihrem Hass finden wollten. Ihr seid alle herzlichst willkommen!

Meine favorisierten Suchanfragen sind aber jene, die immer pünktlich am Donnerstag eintrudeln, nämlich die nach Daniela Fehrenbach. Diese von mir ikonisierte Person (wer es nicht kennt, sollte sich die „Sahne ist mein Leben“-Folgen auf RTL 2 unbedingt mal reinziehen, es ist faszinierend) wird in ihrer Genialität von vielen Menschen verkannt, ihre Liebe zur Sahne verulkt. Ich hingegen, ich finde sie großartig (und bin wahrscheinlich der einzige Mensch, der über sie schreibt, egal!)

Während einer kleinen Recherche für diesen Text habe ich weitere Suchanfragen gesammelt, die ich nicht immer so eindeutig zuordnen konnte, darunter:

tumblr schiefe schwänze – Es gibt ja Vieles, worüber ich mich aufregen kann, aber über Blogs zu schiefen Penissen? Das ist selbst mir zu partikulär!

ein leben ohne sport nicht vorstellbar – Finde ich allerdings schon!

wie schaffen es männer unbehaart zu sein? – Ja, über diese Lebensleistung einiger Männer da draußen zerbreche ich mir auch ständig den Kopf… Nicht.

flankengott narzisstisch – Zur WM fanden ohnehin einige fußballmüde Menschen zu mir – aber wen genau man mit „narzisstischen Flankengott“ gemeint haben könnte, ist mir schleierhaft. CR7 ist ja eher kein Flankengott…

edeka ich hasse meine fahne – Ich weiß, wohin diese Anfrage führte – aber was zur Hölle war das Ansinnen der Person vor dem Computer? Ich würde es so gerne wissen? Geht es um omnipräsente Nationalfahnen? Hat da jemand eine Alkoholfahne und sucht nach einer Möglichkeit, Kaugummis zu erstehen? Man weiß es nicht!

Zuletzt gibt es aber auch tatsächlich Menschen, die mich bzw. diese Seite suchen. Darüber freue ich mich insgeheim (nach außen hin würde ich solch positive Emotionen natürlich nie zulassen) sehr! Liebe Menschen da draußen, die Ihr das lest: Ich feiere alle Klicks, freue mich über Feedback und Likes, denn ich bin nicht nur eine Person voller Hass, sondern auch eine attention whore. Also: Empfehlt mich weiter, wenn’s euch gefällt. Es dankt: Ich.

PS: Da hat man just diesen Beiträg publiziert, da findet man ein weiteres Kleinod des Nächtens in den Statistiken: eingequetschte titten bilder – Es tut mir sehr leid, dass ich womöglich nicht bei der Masturbation behilflich sein könnte.

Mich friert…

filousophieshop.de

Quelle: filousophieshop.de

Die WM ist rum, Zeit für wichtige Themen! Just eben fand ich auf meiner Facebook Chronik den Link zu einer Kolumne von Jan Fleischhauer, in welcher er sich mit der nun für Frauen möglich gewordenen Methode, sich Eizellen entnehmen zu lassen und „für später“ einzufrieren, auseinandersetzt. Das nennt man tatsächlich „Social Freezing“! Diese Möglichkeit wird von ihm als feministisch verklärt, weil frau nun selbst bestimmen könne, wann sie schwanger werde (als ob sie das vorher noch nicht gekonnt hat, abgesehen davon, dass der zeitliche Rahmen begrenzter war) und so vom biologischen Zwang, dies vor der Menopause zu erledigen, befreit sei.

Fleischhauer schreibt am Ende seines Textes:

Der Feminismus hat sich die Befreiung der Frau durch die Kulturwissenschaft erhofft. Weil seine Vertreterinnen die Biologie als Kränkung empfanden, erklärten sie die Geschlechterunterschiede zu einer Frage sozialer Praxis. Was kulturell determiniert ist, lässt sich auch durch eine Aufhebung der Gewohnheiten ändern, das war die frohe Botschaft. So gesehen ist es eine schöne Pointe, dass die nächste Stufe in der Befreiung der Frau aus dem Labor kommt. In Wahrheit ist Biologie stärker als jede Ideologie, wie sich zeigt.

Das mögen salbungsvolle Worte sein, nur klingen sie (leider?) größer als sie sind. Denn: Jan Fleischhauer hat nichts begriffen. Er denkt, dass „die“ Feministinnen (die ja für Medienmenschen, Basher und andere ohnehin eine homogene Masse darzustellen scheinen) die Biologie als Feind sehen, den es mittels sozialer Praxis zu überwinden gelte. Diese Logik ist banal und geht so meilenweit an der Realität vieler Jahrzehnte an feministischer bzw. Genderforschung vorbei, dass es mich schmerzt. Fleischhauer spielt hier wissenschaftliche Disziplinen gegeneinander aus. Das ist eine Vorgehensweise, die insbesondere in der Rhetorik Ewiggestriger immer wieder gerne genutzt wird, aber übersieht, dass der Trend zur Trans- und Interdisziplinarität geht und nicht um die Frage, wer zum Teufel nun Recht hat (immer im Hinterkopf habend, dass überhaupt nur eine Seite Recht haben KANN).

Feministinnen wie mir geht es nicht darum, biologische „Gesetze“ zu umgehen, sondern die auf Biologismen beruhenden Geschlechterverhältnisse zu hinterfragen, zu dekonstruieren und dort, wo sie für Ungerechtigkeiten sorgen, abzuschaffen. Es geht nicht darum, den Mann mithilfe der Reproduktionsmedizin abzuschaffen (was aufgrund der heteronormativen Gesetzgebung auch unmöglich wäre, denn für reproduktionsmedizinische Maßnahmen muss eine (heterosexuelle) feste Partnerschaft vorliegen, just saying). Zu implizieren, man könne damit also biologische „Notwendigkeiten“ umgehen und so die Frau „befreien“, ist vollkommener Blödsinn. Weshalb insbesondere in den Kommentaren unter dem Artikel immer wieder von der Abschaffung des Mannes palavert wird, ist mir daher schleierhaft – denn ein Einfrieren von Eizellen bedeutet ja nicht, dass man die nicht irgendwann mit Hilfe männlicher Spermien befruchten muss. Um das gegenseitige Ausspielen von Männern und Frauen geht es nämlich auch nicht. Um es mit den Worten von Betty Friedan zu sagen: „Men are not the enemy!“ (zumindest nicht alle)

Dieses „Social Freezing“ (dieses Wort bereitet mir Unbehagen) soll also dafür sorgen, dass Frauen mehr Zeit für die Fortpflanzung bekommen und entlastet sie so – vermeintlich – von der Entscheidung zwischen Karriere oder Familie. Vermeintlich deshalb, da auch im fortgeschrittenen Alter eine Entscheidung vonnöten ist, die möglicherweise nicht einfacher zu treffen ist. Was ist daran also feministisch, außer, dass ein größeres Zeitspektrum geschaffen wird?
Meiner Meinung nach gar nichts, denn am strukturellen Problem der nur schweren Vereinbarkeit zwischen Job und Familie ändert Social Freezing nichts. Man würde es schlicht auf eine größere Altersgruppe auslagern, denn Betreuungsprobleme hat man mit 50 wohl genauso wie mit 30 – oder soll die Reproduktion dann gleich aufs Rentenalter mit 67 verschoben werden? Davon mal ganz abgesehen, dass diese überaus kostspielige Methode sich ohnehin nur für einen sehr elitären Kreis an Frauen anbietet, die im jüngeren Alter das nötige Kleingeld haben, um den Eingriff vornehmen zu lassen. Es ist nahezu absurd zu denken, den Anbietern solcher Methoden gehe es um sozialen Wandel. Nee, damit kann richtig Kohle gemacht werden.

Wer profitiert also davon, dass Frauen (noch) später Kinder kriegen können? In erster Linie die Wirtschaft, die nicht zeitweise auf ihre junge Arbeitskraft verzichten muss, die keine flexiblen Arbeitszeitmodelle für ihre jungen Mitarbeiterinnen anbieten muss. Alle können Vollzeit malochen, geiel! Frauen werden durch Social Freezing also zu verlässlicherem Humankapital, mit dem geplant und das ausgebeutet werden kann. Social Freezing kriegt so einen pseudo-feministischen Anstrich verliehen – aber eigentlich stecken dahinter neoliberale Interessen, die sich (natürlich) nicht um nachhaltige Lösungen gesellschaftlicher Probleme scheren, sondern individuelle Interessen einer kleinen Elite (wohlhabende Karrierefrauen) bedienen.

Und daher, lieber Herr Fleischhauer und liebe andere Menschen, die Social Freezing als feministisch verklären: Get your facts straight! Alice Schwarzer ist nicht DIE Feministin. Feminismus ist nicht Männerhass. Und nicht alles, was den bzw. die Einzelne noch besser wirtschaftlich verwertbar macht, ist auch gut, wünschenswert oder gar politisch progressiv!

Eine Frage noch zum Abschluss: Wo kann ich eigentlich „Social Freezing“ als Unwort des Jahres vorschlagen?

Horrido? HORRORdo!

schuetzenfestWoran merkt man, dass man in der Provinz wohnt, auch wenn Statistiken einer weismachen wollen, es handele sich um eine Großstadt? Eine erweiterbare Sammlung:

Die öffentlichen Verkehrsmittel: Es ist schon verdächtig, wenn es weder U- noch Straßenbahnen gibt. Busse verkehren nur halbstündlich (wenn überhaupt) und zu Uhrzeiten, die insbesondere hier wohl als unchristlich gelten, fährt gar nichts mehr – abgesehen vom zuzahlungspflichtigen Nachtbus, der die partywütige Meute zurück in ihre Dörfer bringt.

Die Öffnungszeiten: Gut, dann wäre Wien auch ein Provinznest – da haben die Läden samstags nur bis 18 Uhr offen (!!). Und die Supermärkte hier sind auch bis 22 Uhr offen, eigentlich gar nicht so schlecht. Gilt also nicht, verdammt.

Die Menschen: Sie sind alle so… gleich. Und angepasst. Selbst an der Uni. Jedenfalls die meisten. Dort, wo ich wohne, sind sie auch noch besonders katholisch, was ich in meiner kleinen Blubberblase zwar kaum mitbekomme, aber die ChristInnen schenken regelmäßig Kaffee aus und es gibt Bibelkreise. An der Uni!
Alle wählen CDU – seit meinem Zuzug ist der Stimmenanteil für nicht-konservative Parteien vermutlich schier explodiert. Und: Ich bin tätowiert – und falle auf. Sehr sogar.

Das kulturelle Angebot: Wenn die Highlights des Festjahres eine einwöchige Kirmes (zu Ehren irgendeines Heiligen, der mir zuvor unbekannt war) sowie das SCHÜTZENFEST sind, dann weiß man, dass man wirklich in der Provinz gelandet ist. Ich weiß, man muss ja nicht hingehen, aber gerade ist es schön draußen und ich möchte auf meinem famosen Balkon residieren, bloß: Ich werde mit zackiger Marschmusik beschallt, sodass es selbst mir in den Füßen juckt. Grauenhaft. Gleich fanden die auch an zu schießen. Was eine Sause!
Für die Ende des Monats stattfindende RIESENKIRMES habe ich bereits Pläne geschmiedet, die Stadt zu verlassen. So eine Dauerbeschallung mit Wolle Petry, „Atemlos“ und anderer Bums-Musik würde ich nicht mal betrunken ertragen.

Weitere Anhaltspunkte:

  • Das Fußballstadion des hiesigen Erstligisten hat mehr Fahrradständer als Parkplätze – und aufgrund Beschwerden der AnwohnerInnen dürfen keine Spiele nach 22 Uhr stattfinden. Mag man das glauben?
  • Es gibt eine Bar namens Sappho, die keine LGBTQ-Bar ist. Hallo?
  • Die meisten Partys finden unter der Woche statt, da die hiesigen Studierenden am Wochenende flüchten. Heim zu Mutti oder an Orte, wo mehr los ist.
  • Man wird ob seines Wohnortes bemitleidet – obwohl die meisten Menschen (zurecht) noch nicht dort waren.
  • Achja, auch hier gibt es Burschenschaften, mit eigenem Verbindungshaus (katholisch, natürlich). Und irgendwelche Jägervereine an der Uni, die keine Frauen zulassen. Es schüttelt mich.

To be continued…