Bitte gehen Sie durch!

Quelle. welt.de / Foto: picture-alliance / Ton Koene/Ton Koene

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Es gibt ja die Theorie der Schwarmintelligenz. Bezogen auf unsere Gesellschaft möchte ich diese stark anzweifeln und vielmehr große Menschenmengen mit einer Herde Schafe oder Lemmingen vergleichen, die hirn- und arglos ihren Artgenossen folgen – auf die Schlachtbank oder in den Abgrund, je nachdem…

Viele Menschen, insbesondere hier in Deutschland, aber auch in Wien, scheinen sich beinahe reflexhaft irgendwo dorthin zu stellen, wo andere Menschen bereits in Schlangen (an)stehen, denn sie scheinen gerne stundenlang zu warten. Nur an Bushaltestellen und in der U-Bahn funktioniert dies irgendwie nicht, da dort das „First come – first seated“-Prinzip herrscht. Problematisch ist dabei aber, dass viele Menschen wohl zum einen sehr faul, zum anderen aber auch reichlich dumm sind. Denn: Sobald sie Bus/U-Bahn betreten haben und kein Platz im direkten Umfeld zu erkennen ist, bleiben sie stehen. Bevorzugt im Durchgang oder direkt in der Tür.

Wer kennt sie nicht, diese Fahrverzögerungen, weil mal wieder jemand mit seinem Hinterteil die Lichtschranke der automatischen Tür im Bus blockierte und selbst nach Aufforderung des Fahrpersonals nicht bemerkte, dass sie gemeint sind, die mit einem beherzten Schritt nach vorne die Weiterfahrt für alle MitinsassInnen ermöglichen würden. Aber nein! Man bleibt in Türnähe, denn so vermeidet man allzu viel unangenehmen Körperkontakt mit nachrückenden Menschen und man verpasst den Ausstieg nicht (dies stellt man ohnehin am besten sicher, indem man bereits zwei Haltestellen vorher nervös zusammenpackt und zur Türe eilt)!

Aber nicht nur im ÖPNV scheint es Menschen unmöglich, sich derart in Mengen zu arrangieren, dass für alle ein Vorteil geschaffen ist. Jüngst stellte ich bei einem Konzert mal wieder fest, dass es tatsächlich Leute gibt, die freiwillig irgendwo hinten mittig stehen, eingequetscht zwischen zigtausend anderen, die Bühne als kleiner Punkt in der Ferne erkennbar, die Musik als leises Rauschen oder sonores Brummen ins Ohr dringend. Blöd, wenn allerding vorne, also dort, wo man tatsächlich sieht und hört, WER da WAS singt, noch reichlich Platz ist. Nur weiß das eben niemand, da sich mensch lieber hinten irgendwo dazustellt, als mal durchzugehen. Ja, drängeln wird gar nicht gerne gesehen, aber soll ich mich ernsthaft freiwillig in die allerletzte Reihe stellen, wenn vorne im Publikum Lücken in der Größe des Saarlandes sind, die mit Menschenmaterial aufgefüllt werden möchten? Na sicher nicht! Da nehme ich gerne böse Blicke, giftige Worte und spitze Ellbogen in Kauf für.

Gibt es denn keine Ratgeberliteratur für gesellschaftsverträgliches Verhalten in der Öffentlichkeit? Ich schreibe es mal gleich auf meine Liste mit Projektideen

 

 

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4 Gedanken zu “Bitte gehen Sie durch!

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