Zeigt doch mal die Möpse!

Quelle: rp-online.de (das sind übrigens Justin Bieber-Fans!)

Quelle: rp-online.de (das sind übrigens Justin Bieber-Fans!)

Juhu, mit den Onkelz hat eine Band ihr Comeback gegeben, welche außer den offenbar immer noch immensen Fanmassen niemand ernstlich vermisst haben konnte. Über die Reunion-Show am Hockenheimring hat beispielsweise Spiegel Online einen reichlich amüsanten Artikel verfasst. Ich war auch gar nicht zugegen, denn nicht nur, dass ich die Musik der Böhsen Onkelz absolut abscheulich finde und die Texte mir die Schamesröte ins Gesicht treiben – nein, Konzerte dieser Dimension machen mir auch Angst und hunderttausende besoffene und gröhlende Proleten brauche ich nicht.

Dennoch habe ich den ein oder anderen Rückblick auf das Konzert gelesen, so ein bisschen aus Gründen der Fremdscham und weil ich mich manchmal gerne vor anderen Menschen ekele, um mich selbst besser zu fühlen. Auf laut.de fand ich dann folgendes Video mit dem sehr aussagekräftigen Titel „Tittenshow“, welches bei mir sogleich Übelkeit auslöste, obwohl ich kaum mehr als eine Minute davon ansehen konnte. Mittels einer Kamera und den für Shows dieser Größenordnung unverzichtbaren Riesenleinwänden wurden weibliche Fans filmisch eingefangen und von der Masse dazu aufgerufen (was ganz offensichtlich Absicht der VeranstalterInnen war), sich „obenrum“ zu entblößen. Die Bilder zeigen, dass die Damen dieser Aufforderung in der Regel nachkamen, allerdings nicht alle wirklich begeistert davon waren.

So weit, so ekelhaft. Wo viele Menschen zusammenkommen und Alkohol in Strömen fließt, wo schrecklich prollige Musik läuft, da sind sexistische Auswüchse selten weit. Die von mir gerne und mit Bedacht gepflegten Vorurteile gegenüber der Böhsen Onkelz und ihrer Fans, deren pathetische Selbstverherrlichung ich schlicht zum Speiben finde, ließen eigentlich gar nichts anderes als solch ein Verhalten erwarten. Klar, die (eher wenigen) weiblichen Fans sind ja ohnehin nur Staffage, „Freundin von“ und haben sowieso willig und verfügbar zu sein. Blöd nur, wenn sich diese Vorurteile nicht nur bei einer Band wie den Onkelz bestätigen, sondern auch bei einer meiner (früheren) Lieblingsband Die Ärzte.

Während meiner Zeit in Österreich besuchte ich (einmal mehr) ein Konzert der Die Ärzte in Wien. Die Stadt bzw. ihre Frauen soll dafür bekannt sein, bei Konzerten der vorbenannten Band gerne blankzuziehen. Dieses Gerücht sah ich dann live bestätigt: Inzwischen ist wohl auch gar keine Aufforderung durch die Band mehr nötig, die Mädels (ja, MÄDELS, also offensichtlich Minderjährige) entblößten sich freudig, um im Gegenzug einen Drumstick von Bela B. zu bekommen, der übrigens inzwischen auch stark an der 50 kratzt.

Ich alte Feministin war wirklich geschockt darüber, wie sich ergrauende Herren, die sich in ihren Songs bisweilen ja auch gerne mal kritisch bis politisch geben, über nackte Brüste (bzw. bisweilen auch eher Ansätze davon) von jungen Mädels freuten und es überhaupt nicht bedenklich fanden, sich daran zu ergötzen. Dies war wohl auch ein Auslöser für meine Be- bzw. Entfremdung gegenüber bzw. von dieser Band und ihrer Fans. Klar, wenn eine Kamera auf mich draufhält und die Masse „Ausziehen!“ gröhlt, muss ich das noch lange nicht tun und es gibt sicher auch Damen, die das toll finden, aber ist es wirklich cool, erstrebenswert oder sexy, zigtausend Menschen meine Titten zu zeigen, nur weil ich sie halt habe und es für viele anwesenden Männer scheinbar ein seltener Anblick ist? Ich verlange ja auch nicht, dass die anwesenden Herren ihr Geschlechtsteil vor versammelter Mannschaft auspacken, auch wenn einige das sicher mit Begeisterung machen würden (und de facto auch ohne Aufforderung tun…)

Muss ich als Frau klaglos in Kauf nehmen, auf Rockkonzerten mit widerlichsten Sexismen aller Art konfrontiert zu werden (die Tittycam ist ja auch nur eine Form davon)? Ich finde ja nicht und ich würde mich ja mal über eine Geschlechtsgenossin freuen, die statt ihrer blanken Brüste der geifernden Menge mal ihren ausgestreckten Mittelfinger entgegenrecken würde.

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Auf Nimmerwiedersehen!

Quelle: kesselfieber.de

Quelle: kesselfieber.de

Ich wusste es doch, mein Fleisch ist schwach: Die WM hat mich voll und ganz eingenommen, was unter anderem auch ein Grund dafür ist, dass hier ein wenig Ruhe eingekehrt ist. Dieser Umstand bedeutet selbstverständlich nicht, dass ich nun positiv gestimmt durchs Leben gehe, mitnichten!

Den Samstag verbrachte ich in einer westdeutschen Großstadt (meiner Meinung nach eine der hässlichsten Städte überhaupt, aber das darf ich nicht zu laut sagen) und ich war geschockt ob der zahlreichen Männer- und Frauengruppen, die ob der anstehenden Versklavung Vermählung einer der Ihren die Innenstadt verstopften. Dies nennt man dann JunggesellInnenabschied, quasi das letzte Mal Spaß haben, bevor der Ernst des Lebens anfängt (wobei ich mir ja die Frage stelle, was daran spaßig sein soll, mit Bauchladen behängt und dämlich verkleidet Mitmenschen zu belästigen…). Insbesondere Personen mit eher provinzieller Herkunft scheinen dafür in die nächste Großstadt zu fahren, um dort ihr Unwesen zu treiben. Diese Landflucht hat sicher auch damit zu tun, dass man sich ungern vor Bekannten oder Verwandten zum Obst machen möchte, was ich nur zu gut verstehen kann.

Nun trollten sich also am Samstag zahllose „JGAs“ durch die Stadt, entweder mit kleinen albernen Hütchen, verkleidet als Bienen oder als Matrosinnen. Die Männerpartien zeigten ihre Zusammengehörigkeit gerne durch T-Shirts mit besonders „lustigen“ Sprüchen, die mich unangenehm an jene Zeit erinnerten, als ich noch mit Stolz mein Abitur-Shirt getragen habe (also ungefähr die drei Monate nach dem Abi). Diese Menschen tranken Liköre aus kleinen Fläschchen und wollten irgendwelche Nutzlosigkeiten an PassantInnen verkaufen. Wie überaus abstoßend! Kommt man sich nicht bescheuert vor als angehende Braut, wenn man auf zehn andere Bräute trifft, die genau den selben dummen Mist über sich ergehen lassen müssen, der von den Freundinnen gackernd fotografisch dokumentiert wird? Finden die das wirklich witzig oder gar originell? Muss man echt rumproleten vor der Eheschließung, bevor man sich dann endgültig der Spießigkeit hingeben kann (und ist so ein „JGA“ nicht schon spießig ohne Ende?). Kann oder darf man verheiratet nicht mehr auf die Kacke hauen? Fragen über Fragen.

Ich kenne erstaunlicherweise nur Menschen (hier insbesondere Frauen), die JunggesellInnenabschiede eigentlich total ätzend finden. Nun fragt man sich, wieso dennoch so viele diesem „Brauch“ frönen. Ist das so eine Art notwendiges Übel, welches man in Kauf nimmt für die Traumhochzeit (ächz…)? Macht man damit den Freundinnen eine Freude? Ich verstehe es einfach nicht! Ich verstehe aber auch nicht, wieso Menschen so heiraten wie die meisten Menschen hierzulande nun mal heiraten…

Immer noch kein Sambafeeling

Quelle: 20min.ch

Quelle: 20min.ch

Nun hat sie begonnen, die Fußball WM. Herbeigesehnt habe ich sie nicht, bis vor einer Woche wusste ich nicht einmal genau, wann sie eröffnet wird. Außer den deutschen Gruppengegnern hatte ich keine Ahnung vom Spielplan. Und obwohl ich vor zwei Jahren noch wie besessen Panini-Sticker sammelte, regt sich in mir angesichts der WM derzeit nur wenig. Ein bisschen Magendrücken vielleicht und vor allem: Abscheu.

Nein, ich möchte nicht die offizielle Fanzahnbürste des DFB kaufen (und ist sicher besonders fies zu behaupten, dass die richtigen Fans sich ohnehin nicht die Zähne putzen – welche überhaupt?), ich möchte keine Fanschminke, keine hundert verschiedenen Sammelkärtchen, Sticker oder sonstwas. Ich möchte keine Coke auf Ilkay oder Roman trinken, keine Samba mit das Ailton tanzen und danach Grillwürstchen essen, die irgendwie nach Brasilien schmecken sollen. Ich möchte keine Schland-Plastikfähnchen an meinem nicht-existenten Auto, keine schwarz-rot-goldenen Blumenketten, Cowboyhüte oder sonstige Geschmacklosigkeiten. Ich möchte keine WM-Songs hören, die sich aus „Olé olé“, „Holt das Ding“ und ein paar 0815 „Samba-Rhythmen“ zusammensetzen und vom Bodensatz der Musikindustrie wie irre auf den Markt geworfen werden. Die Sportfreunde waren 2006 schon schlimm, niemand weiß, wieso sich Olli Pocher in den Stadien durchgesetzt hat, aber NIEMAND braucht Musik von Bätschelor-Paule oder Kay One. Echt nicht. Diese ganze Kommerz (und Korruptions-)Scheiße will ich nicht.

Was ich möchte, ist guten und fairen Fußball sehen. Daran scheiterte man (hier: der Schiedsrichter) leider bereits beim Eröffnungsspiel. Blöd.

I can’t hear ya!

Ich habe nie behauptet, cool auszusehen!

Ich habe nie behauptet, cool auszusehen!

Wenn ich das Haus verlasse, benötige ich neben Portemonnaie, Haustürschlüssel und Telefon vor allem eins: meine Kopfhörer (und einen halbwegs vollen Akku, um Musik hören zu können). Ohne Musik aus meiner unglaublich abwechslungsarmen Lieblingssong-Playlist kann ich nicht auf die Straße gehen. Ich würde in Supermärkten, Bussen und Zügen der Deutschen Bahn schlicht verenden, denn es gibt für mich nichts Schlimmeres, als die Geräusche der Außenwelt ertragen zu müssen (auch wenn ich zugeben muss, bisweilen auch mal Gespräche mitzuhören, hahahaha). Zu diesem Zwecke trage ich die größten und auffälligsten Kopfhörer, die weithin signalisieren, dass ich Nichts und Niemanden hören kann oder möchte.

Nur leider bringt das oftmals wenig. Trotz meiner sehr unfreundlichen Erscheinung und eben der riesigen Kopfhörer werde ich bevorzugt von planlosen Menschen nach dem richtigen Weg oder der Busnummer gefragt. Dabei ignorieren diese Menschen gerne, dass ich aufgund der Beschallung aus meiner Hosentasche nichts hören kann. Da ich auch des Lippenlesens kaum mächtig bin, verstehe ich also erst einmal gar nicht, was mein Gegenüber von mir möchte. Dennoch wird gerne weiter palavert, bis ich mich doch dazu verleiten lasse, mich der Außenwelt hinzugeben und bitte, die Frage zu wiederholen, da ich nichts hören kann (ich frage mich, ob man diesen Umstand tatsächlich übersehen kann…). Wieso nur sehen Menschen ausgerechnet in mir eine ausgeprägte Wegbeschreibungskompetenz?

Zudem habe ich ein unsagbar schlechtes Händchen für Kopfhörer und ihre Kabel. Diese verwickeln und verknullen sich immer derart ungeschickt in meiner Tasche, dass binnen kürzester Zeit Wackelkontakte und Kabelbrüche entstehen, was zum schlimmsten anzunehmenden Unfall führt: KEINE MUSIK. Oder nur einseitig Musik, was ich genauso unerträglich finde. Aus diesem Grund trage ich inzwischen als Backup ein Paar In-Ear-Kopfhörer mit mir herum, für den Fall der Fälle (und meine derzeitigen Kopfhörer habe ich ja nun auch schon ein Jahr, das ist beinahe schon verdächtig lange!).

Wieso erfindet niemand wackelkontaktfreie Kopfhörer? Das wäre doch sogar einen Nobelpreis wert, würde das klappen. Ich wäre dafür!

Bitte gehen Sie durch!

Quelle. welt.de / Foto: picture-alliance / Ton Koene/Ton Koene

Quelle. welt.de / Foto: picture-alliance / Ton Koene/Ton Koene

Es gibt ja die Theorie der Schwarmintelligenz. Bezogen auf unsere Gesellschaft möchte ich diese stark anzweifeln und vielmehr große Menschenmengen mit einer Herde Schafe oder Lemmingen vergleichen, die hirn- und arglos ihren Artgenossen folgen – auf die Schlachtbank oder in den Abgrund, je nachdem…

Viele Menschen, insbesondere hier in Deutschland, aber auch in Wien, scheinen sich beinahe reflexhaft irgendwo dorthin zu stellen, wo andere Menschen bereits in Schlangen (an)stehen, denn sie scheinen gerne stundenlang zu warten. Nur an Bushaltestellen und in der U-Bahn funktioniert dies irgendwie nicht, da dort das „First come – first seated“-Prinzip herrscht. Problematisch ist dabei aber, dass viele Menschen wohl zum einen sehr faul, zum anderen aber auch reichlich dumm sind. Denn: Sobald sie Bus/U-Bahn betreten haben und kein Platz im direkten Umfeld zu erkennen ist, bleiben sie stehen. Bevorzugt im Durchgang oder direkt in der Tür.

Wer kennt sie nicht, diese Fahrverzögerungen, weil mal wieder jemand mit seinem Hinterteil die Lichtschranke der automatischen Tür im Bus blockierte und selbst nach Aufforderung des Fahrpersonals nicht bemerkte, dass sie gemeint sind, die mit einem beherzten Schritt nach vorne die Weiterfahrt für alle MitinsassInnen ermöglichen würden. Aber nein! Man bleibt in Türnähe, denn so vermeidet man allzu viel unangenehmen Körperkontakt mit nachrückenden Menschen und man verpasst den Ausstieg nicht (dies stellt man ohnehin am besten sicher, indem man bereits zwei Haltestellen vorher nervös zusammenpackt und zur Türe eilt)!

Aber nicht nur im ÖPNV scheint es Menschen unmöglich, sich derart in Mengen zu arrangieren, dass für alle ein Vorteil geschaffen ist. Jüngst stellte ich bei einem Konzert mal wieder fest, dass es tatsächlich Leute gibt, die freiwillig irgendwo hinten mittig stehen, eingequetscht zwischen zigtausend anderen, die Bühne als kleiner Punkt in der Ferne erkennbar, die Musik als leises Rauschen oder sonores Brummen ins Ohr dringend. Blöd, wenn allerding vorne, also dort, wo man tatsächlich sieht und hört, WER da WAS singt, noch reichlich Platz ist. Nur weiß das eben niemand, da sich mensch lieber hinten irgendwo dazustellt, als mal durchzugehen. Ja, drängeln wird gar nicht gerne gesehen, aber soll ich mich ernsthaft freiwillig in die allerletzte Reihe stellen, wenn vorne im Publikum Lücken in der Größe des Saarlandes sind, die mit Menschenmaterial aufgefüllt werden möchten? Na sicher nicht! Da nehme ich gerne böse Blicke, giftige Worte und spitze Ellbogen in Kauf für.

Gibt es denn keine Ratgeberliteratur für gesellschaftsverträgliches Verhalten in der Öffentlichkeit? Ich schreibe es mal gleich auf meine Liste mit Projektideen