Österreich und Ich

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Foto: Selfie

Meinen aufmerksamen LeserInnen dürfte nicht entgangen sein, dass ich zu Österreich bzw. der Stadt Wien eine besondere Hass-Liebe pflege. Dass ich diesem unwirtlichen Ort überhaupt etwas abgewinnen kann, liegt wohl nur an den fantastisch schönen Sommermonaten. Alles andere an Österreich ist furchtbar bis unerträglich – insbesondere die in weiten Teilen des Landes vorherrschende Mentalität (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Als ich vor Jahren nach Österreich „ausgewandert“ bin, dachte ich, – wie viele andere versnobte Deutsche auch – dass Österreich nur ein Appendix von Deutschland sei, nur dass die Menschen dort eben eine sehr alberne Version der deutschen Sprache sprechen. Doch weit gefehlt – nicht nur, dass man als Zuwanderin aus dem Nachbarland eher zurückhaltend euphorisch empfangen wird (das war in Österreich ja auch schon mal anders…), die generelle Einstellung gegenüber allem Fremden und eine scheinbar ständig schwelende, von Minderwertigkeitskomplexen geprägte, Abneigung gegen über dem „großen Nachbarn“ (Stichwort Córdoba…) verpesten leider viel zu oft das Klima dieses doch gar nicht so hässlichen Landes.

StudienkollegInnen äußerten mir gegenüber offen ihren Unmut darüber, dass ich als EU-Bürgerin kostenfrei an den inländischen Universitäten studieren darf. Nicht selten wurde ich – die gar kein Massenstudium aufgenommen hatte – quasi in Sippenhaft genommen und dafür kritisiert, dass meine Landsmänner und -frauen in großen Scharen die (überaus verlockende) Chance nutzen, um in Österreich das zu studieren, was ihnen in Deutschland aufgrund von Zugangsbeschränkungen verwehrt blieb. Keine Frage: Wien ist voll von deutschen Studierenden, aber ist das wirklich so schlimm in einer Stadt, deren schönsten Viertel vom Mulitkulturalismus geprägt sind?

Ich sollte mich eigentlich nicht beschweren, denn obwohl ich mich mit jeder lauten Äußerung sofort als Deutsche outete – ich weigerte mich beständig, „Grüß Gott“ zu sagen oder nach einem „Sackerl“ zu verlangen – so wurde ich nie so angefeindet, wie es viele andere MigrantInnen in Österreich tagtäglich werden. Mit Grausen erinnere ich mich an eine U-Bahn-Fahrt zu Beginn meines Aufenthalts in Wien. Ein Mann sagte zu seiner Begleitung: „Man könnte die Hälfte der Menschen hier im Waggon nehmen und sofort abschieben.“ Die Aussage schockierte mich, aber sie ist leider symptomatisch für die Mentalität (zu) vieler Menschen im Land, die – angepeitscht vom unerträglichen Populismus der FPÖ – ihre Abneigung gegenüber den „schlechten“ AusländerInnen (also denen, die angeblich nur nach Österreich kommen, um Sozialleistungen zu kassieren oder Verbrechen zu begehen – sich also am österreichischen Volk bereichern wollen) zunehmend unverhohlener äußert. Und in einer rot-grünen Stadt wie Wien ist es wahrscheinlich nicht mal so schlimm wie in anderen Teilen des Landes, was allein schon an den Wahlergebnissen abzulesen ist, die beispielsweise im letzten Jahr die Steiermark zu einem blauen Bundesland machten – die FPÖ hat dort den Wahlsieg errungen.

Ich möchte damit nicht sagen, dass es in Deutschland so viel besser ist als in Österreich. Aber ich hatte und habe den Eindruck, dass dort von PolitikerInnen wie selbstverständlich eine Rhetorik genutzt wird bzw. werden kann, die hierzulande zum Glück (noch) verpönt ist. Ich schrieb bereits von der unsäglichen Aussage HC Straches, der sich und seine ParteikameradInnen als „die neuen Juden“ bezeichnete. Ähnliches hörte man zwar von Seiten der AfD, der Unterschied ist jedoch, dass Letztgenannte zumindest derzeit noch eine zurecht geschmähte Partei ist  – und die FPÖ Anfang der 2000er-Jahre sogar die Regierung mitbildete.

Und das ist, was mich besonders bestürzt – ein Land, welches eine ähnlich braune Geschichte wie Deutschland vorzuweisen hat,  sollte aus dieser gelernt haben. Man kann rechtsextremes Gedankengut leider nicht verbieten, aber es ist schon schockierend, welch unsägliche Äußerungen in Österreich gemacht werden können, ohne dass es einen gesamtgesellschaftlichen Aufschrei gibt. Es ist auch schockierend, dass eine Partei, die mit Slogans wie „Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe“, „Daham statt Islam“ oder „Wir schützen freie Frauen. Die SPÖ den Kopftuchzwang“ werben (deren Duktus hierzulande „dank“ NPD und Konsorten leider auch nicht unbekannt ist), tatsächlich auf Bundesebene an die 20 % der Stimmen erhalten kann.

Ich habe während meiner Zeit in Österreich natürlich auch genügend Menschen kennenlernen dürfen, die selbst von der politischen Entwicklung in ihrem Heimatland schockiert sind und mehr oder minder aktiv etwas dagegen tun.

Mir macht dieser Rechtsruck, der ja auch in anderen Ländern Europas beobachtet werden kann und in Deutschland auf dem Vormarsch ist, allerdings Angst und ich hoffe, dass alles dafür getan wird, dass ausländerInnenfeindliches, antisemitisches, sexistisches, rassistisches (…) Gedankengut nicht (weiter bzw. wieder) salonfähig wird.

 

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Ein Gedanke zu “Österreich und Ich

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