Kein Sambafeeling

Quelle: 20min.ch

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Eigentlich liebe ich Fußball – egal ob Bundesliga, Champions League oder Europa/Weltmeisterschaften. Bald ist es ja auch wieder soweit, aber so richtig Vorfreude auf Brasilien will bei mir nicht aufkommen. Einerseits, weil die FIFA einfach ein ekelhafter Sauhaufen ist, in welchem sich alte Bonzen gegenseitig Gelder für Stimmen zuschieben. Allein deshalb und wegen der Zustände in Brasilien sollte ich die WM eigentlich boykottieren, denn es ist unerträglich, dass das zugegebenermaßen eher banale Rumgeschiebe eines Balles höhere Priorität erhält als die wirklich essentiellen Probleme des Landes und seiner Bevölkerung.

Dass ein solches Sportereignis aber schon im Vorfeld nervtötend sein kann, muss in den vergangenen Jahren, die ich in einem fußballtechnischen Entwicklungsland verbracht habe, an mir vorbeigegangen sein. In Österreich, welches ja zuletzt 2008 nur deshalb an einer EM teilnehmen durfte, weil es sie ausgerichtet hat, sind Fußballmeisterschaften dieser Art kaum wahrnehmbar. Außer, es spielt Deutschland. Dann sind alle Einheimischen für das gegnerische Team. Man sieht keine Fahnen (was ich großartig finde) und auch die Werbemaßnahmen sämtlicher Süßwaren- und Nippeshersteller sind nicht bereits Monate im Vorfeld auf dieses eine Großereignis ausgerichtet.

Denn – mir gehen diese unzähligen Sambawerbespots für Würstchen, Sticker, Trommeln und Überraschungseier bereits jetzt massiv auf die Nüsse. Ich habe den Überblick verloren, wo ich welche Aufkleber sammeln kann und eigentlich ist es mir auch egal. Ich werde mir auch keine „Combinho“ kaufen – eine schwarz-rot-güldene Trommel-Installation, die ironischerweise von Dante, einem brasilianischen Abwehrspieler, inklusive Idiotenapostroph beworben wird. Hat man ihm gesagt, dass diese Gerätschaft zum Anfeuern der deutschen Nationalmannschaft genutzt werden soll, während er doch für die Seleçao auflaufen wird? Wahrscheinlich wird man sich bald schon die Vuvuzela zurückwünschen. Es ist echt zum Heulen, wie sehr man Klischees und Stereotype über Brasilien in Werbespots auswälzen kann…

Und sowieso – dieses Fahnenmeer wieder. Ich weiß nicht, ob es mich anekeln oder ob ich nicht doch froh sein soll, dass schwarz-rot-gold bislang doch nur während der vier Wochen der EM/WM (bzw. bis zum Ausscheiden der deutschen Mannschaft, welches ich in diesem Jahr eher früher als später erwarte) en vogue zu sein scheint. Beinahe schon faszinierend finde ich, WAS nicht alles in den deutschen Nationalfarben (beim Schreiben dieser Worte schüttelt es mich) produziert werden kann, allerdings weiß ich jetzt schon, dass ich mir nichts davon kaufen werde. Aus Gründen.

Angesichts dieses ganzen vor-WM-lichen Wahnsinns frage ich mich, ob bei mir überhaupt irgendeine feierliche Stimmung bezüglich des Events aufkommen wird. Mag auch sein, dass meine Verzagtheit auch am unrühmlichen Ausscheiden meiner Lieblingsmannschaft aus der CL liegt oder daran, dass die Saison noch nicht vorbei ist. Allerdings werden wohl dennoch während der WM zwei Herzen in meiner Brust schlagen…

Quelle: 9gag.com

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