Meine #Ansage oder: Bitte nicht noch ein Frauenmagazin

feminismNicht, dass es das in der Form unbedingt gebraucht hätte, aber es gibt mit der Edition F ein neues Frauenmagazin, welches sich insbesondere an die erfolgreichen „Business-Frauen“ da draußen wendet und deren wichtigsten Probleme im Leben thematisiert – was ziehe ich zum Vorstellungsgespräch an und welche Handtasche nehme ich auf die Geschäftsreise mit (dies konnte ich einer Ausschreibung entnehmen, die ich vor einigen Wochen erhalten habe)? Es soll auch um Vernetzung gehen für „Frauen, die mehr wollen“ – Tina Groll von zeit.de fragt sich – so wie ich – dabei ganz richtig, was dieses mehr eigentlich sein soll.

Zugang zur Homepage kriegt frau nur auf Einladung – oder wenn sie in 140 Zeichen darlegen kann, weshalb sie am Projekt interessiert ist. Die Seite, die durchgestylte Bilder von Workplaces, Macbooks, Make Up, Pornfood und natürlich der Bundesmutti präsentiert, bietet ansonsten kaum mehr Informationen, worum es eigentlich gehen soll. Laut eigener Aussage drehen sich die Inhalte um Debatten rund um Wirtschaft, Politik und Karriere „aus weiblicher Perspektive“ – ohne dabei natürlich die Männer ausschließen zu wollen, die sind herzlich eingeladen, mitzumachen.

Die beiden Gründerinnen schreiben, im Netz zu oft auf „Stereotype“ und „pink“ gestoßen zu sein und wollen es offenbar besser machen. Stattdessen reproduzieren sie genau diese Stereotype, indem sie eine Bling-Bling-Welt der erfolgreichen Frau zeichnen, die sich NATÜRLICH für Make Up und Mode interessiert und TROTZ ihres beruflichen Erfolgs immer auch den Männern gefallen möchte. Anders ist es nicht zu deuten, dass die Damen, trotzdem sie in erster Linie Frauen adressieren, konsequent das generische Maskulinum gebrauchen und ihre pseudo-feministischen Vorstöße so formulieren, dass sich auch ja niemand auf den Schlips getreten fühlen und „die Augen verdrehen könnte“. Feminismus 2014 bewegt sich wohl nur noch innerhalb der eigenen Komfortzone. Dass Frauen, auch erfolgreiche, womöglich unter wesentlich essentielleren strukturellen Problemen zu leiden haben, die über die Wahl des richtigen Lidschattens hinausgehen, wird gar nicht bzw. nur äußerst schwammig formuliert.

Um das neue Produkt zu bewerben, wurde eine Twitter-Aktion mit dem Hashtag #Ansage ins Leben gerufen, deren Nähe zur #Aufschrei-Debatte wohl nicht dem Zufall überlassen ist. Doch statt „Einzelthemen“ zu bearbeiten, möchten sich die Damen laut Grolls Artikel auf zeit.de zu doch so zentralen Themen für Frauen im Beruf, darunter Quote oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gar nicht festlegen. Eine kurze Suche zeigte mir, dass #Ansage heute zwar auch benutzt wurde, um mehr oder minder originelle Statements zu Edition F zu posten, allerdings finden sich auch Menschen, die ihr Unverständnis über die Nicht-Nominierung von Mario Gomez für den WM-Kader äußern. Scheint also nicht so ganz zu klappen mit der PR. Und mich kotzt es echt an, wenn sich für kommerzielle Zwecke an eine Debatte gehängt wird, in der wirklich wichtige Themen verhandelt wurden. Frauensolidarität scheint von Wohlert und Hoffmann ja besonders groß geschrieben zu werden, wenn man die große Zahl von Frauen (und auch Männern), die unter sexuellen Übergriffen zu leiden hatten, als „Einzelthemen“ abtut. Als ob struktureller Sexismus für „Business-Frauen“ kein Problem sei… Ekelhaft.

Man will also irgendwie Gleichstellung, aber die wirklichen Probleme gar nicht adressieren. Sie betreffen eine ja nicht. Oder sie stören diejenigen, die die Entscheidungen treffen. Also Männer.

Eine ernsthafte Vernetzungsplattform für Frauen in Wirtschaftsberufen halte ich ja nicht für verkehrt. Aber muss sich dafür an den Gesetzen der bereits existierenden Frauenmagazine orientiert werden? Bieten nicht die zigtausend Titel mit anorektischen Teenies auf den Covern genügend Mode- und Make-Up-Beratung? Können nicht Inhalte geboten werden ohne dieses ganze ChiChi und ohne das ständige Bemühen, auch ja gefallen zu müssen – Männern oder wem auch immer? Bisherige feministische bzw. gleichstellungspolitische Bemühungen hätten uns Frauen nicht so weit gebracht, wenn immer nur versucht worden wäre, es allen Recht zu machen. Damit möchte ich keinen Männerhass proklamieren, aber wirklich vorwärts geht es doch nur, wenn man sie zu mehr als nur einem Augenrollen provozieren kann. Daher halte ich das Konzept von Edition F nicht nur für nicht progressiv, sondern auch für reaktionär und daher für überaus ärgerlich. Aber was erwarte ich, wenn es primär um wirtschaftliche Verwertbarkeit, denn um die tatsächliche Vermittlung von Inhalten oder das Anstoßen einer Diskussion geht?

 

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