Gemeinsam für den Frieden?

 

Quelle: preiselbauer.de Was die mit Freier Presse wohl meinen?

Quelle: preiselbauer.de
Was die mit Freier Presse wohl meinen?

Es ist mal wieder Zeit für ein eher sensibles Thema, an welches ich mich lange Zeit nicht rangetraut habe, weil mir schlicht die Informationen fehlten. Da mich mein Newsfeed aber immer wieder darauf hinweist, dass in meinem Freundes- und Bekanntenkreis Menschen existieren, die sich recht unkritisch dieser neurechten/antisemitischen/verschwörungstheoretischen Propaganda hingeben, komme ich nicht umhin, hierzu ein paar Gedanken niederzuschreiben.

Konkret geht es mir um den Diskurs zu den sogenannten Montagsdemonstrationen – ein Begriff, der eine inzwischen doch recht lange Historie hat. Heute spreche ich aber weder um die Mahnwachen in der ehemaligen DDR noch über die Anfang der 2000er-Jahre gegen den Irak-Krieg oder jene, die sich gegen die Hartz IV-Gesetzgebung richten: Ich möchte die sogenannte Mahnwache „Für Frieden in Europa, auf der Welt, für eine ehrliche Presse und gegen die Politik der FED“ problematisieren, die von Lars Mährholz initiiert wurde.

Es geht also, stark verkürzt, um Frieden in der Welt. Eine gute Sache, möchte man meinen, die man eigentlich nicht kritisieren darf, ohne sich selbst kritischen Nachfragen auszusetzen. Der Teufel liegt jedoch, wie so häufig, im Detail, denn auch wenn ich immer wieder lese, dass „Frieden“ (ein meiner Meinung nach zu komplexes Konzept, um es in einem Wort zusammenzufassen) doch ein Thema sei, welches Menschen aller politischer Richtungen zusammenbringen könne und dies doch nichts Schlimmes sei, finde ich es doch schlimm – sehr sogar – welchen Menschen und welchem Gedankengut auf diesen Demonstrationen offenbar zugejubelt wird.

Schauen wir uns mal den Titel der Demonstration an. Neben dem Frieden in Europa und der Welt möchte man auch eine ehrliche Presse. Was bedeutet das? Immer wieder lese ich in Diskussionen um eben jene Demonstrationen, dass die Massenmedien gleichgeschaltet (ein Begriff, der historisch auch eindeutig zu verorten ist) und dem „System“ hörig bzw. dienlich seien. Damit wird suggeriert, dass sämtliche Massenmedien eine vom Staat (oder den Finanzmächten oder Riesenechsen) propagierte Meinung unkritisch übernehmen und davon abweichende Einstellungen totschweigen. Wie eben diese Demonstrationen. Denn kritisiert wird, dass darüber nicht berichtet würde. Die Berliner Zeitung argumentiert, dass es in Berlin im Jahr rund 4800 Demonstrationen – also jeden Tag gleich mehrere gebe, über die im Regelfall also auch nicht berichtet würde. Irgendwie einleuchtend – denn ihre Bedeutung haben sich die MontagsdemonstrantInnen „für den Frieden“ zunächst einmal selbst zugemessen – und erst mit dem Vorwurf der Zensur dafür gesorgt, nun doch in der von ihnen doch so viel gescholtenen Massenpresse aufzutauchen. Gleichzeitig halte ich es für unsagbar gefährlich, vermeintlich unabhängige Medien unreflektiert zu glauben. Hinter vielen Websites, die sich ihre Unabhängigkeit gerne besonders groß auf die Fahnen schreiben, stecken ebenso politische Einstellungen und Absichten, die mal mindestens als äußerst fragwürdig einzustufen sind.

Auch gegen die Politik der FED wird demonstriert – also gegen das vermeintliche Herzstück des Kapitalismus. In Zeiten der Krise wohl ein Thema, mit dem man viel Zustimmung gewinnen kann. Kapitalismuskritische Ansätze möchte ich auch nicht per se verteufeln, allerdings sollte man sich auch hier anschauen, was hinter dieser Kritik steckt und wer diese äußert. Einer der Personen, die bei den Kundgebungen der Montagsdemonstrationen spricht, ist Ken Jebsen, ehemaliger RBB-Moderator, Antisemit und Verschwörungstheoretiker, der nicht nur behauptet, der 11. September sei eine Inszenierung der US-Regierung gewesen, sondern der in einer E-Mail an einen Hörer auch behauptete, der Holocaust sei PR gewesen (oder so ähnlich, die Original-Mail liest sich krude), woraufhin er seinen Job nach einigem Zaudern des Senders verlor und nun im Internet vor einer wachsenden Fangemeinde seine Thesen verbreitet. Auch er spricht von einer kleinen Wirtschaftselite, die im Hintergrund die Fäden der Politik zieht und über Wohl und Wehe der Welt entscheidet. Auch wenn es auf solchen Demos nicht offen ausgesprochen wird – wenn von Riesenechsen und heimlichen Wirtschaftseliten wie der Familie Rothschild und den Bilderbergern gesprochen wird, handelt es sich dabei oftmals um Codes, die eigentlich von einer zionistischen Weltverschwörung erzählen.

Solche Aussagen sind Wasser auf die Mühlen neo-nationalsozialistischer Organisationen, die über jede Brücke, die von einer vermeintlich linken oder sonstwie politische Bewegung zu ihnen geschlagen wird, dankbar sind. Nicht umsonst finden sich laut Aussage der Berliner Zeitung auf den Montagsdemonstrationen „für den Frieden“ Plakate wie „Demokratie heißt Volkstod“, die genau so auch auf Nazi-Demos zu sehen sind. Auch andere VertreterInnen absurder Verschwörungstheorien wie der von den Chemtrails sprechen auf diesen Kundgebungen. Möchte man wirklich mit solchen Menschen gemeinsam Frieden (ich will nicht wissen, was das für manche dieser Menschen bedeutet…) demonstrieren?

Es ist sicherlich wichtig, die aktuelle Krise in der Ukraine, die ja Auslöser für diese Friedensbewegung war, differenziert zu betrachten und nicht Russland als alleinigen Aggressor mit fragwürdigen Interessen zu identifizieren. Jedoch sollte man sich sehr genau anschauen, mit wem man gemeinsame Sache macht, denn offensichtlich sind die Absichten der VeranstalterInnen nicht immer so nobel, wie sie auf den ersten Blick scheinen.

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