No means no! (Enthält Spoiler)

Achtung, in diesem Artikel geht es unter anderem um die am vergangenen Sonntag in den USA ausgestrahlte dritte Folge der vierten Staffel der Serie Game of Thrones. Wer diese noch nicht gesehen hat, aber dies noch tun möchte und den (kleinen) Spoiler nicht lesen möchte, sollte diesen Text meiden.

 

Game of Thrones ist – für alle, die die Serie nicht kennen – eine äußerst komplexe, mittelalterlich angehauchte Fantasy-Serie, in der verschiedene machtgeile Adelsfamilien um den sogenannten Iron Throne kämpfen. Die zugehörige Buchreihe scheint Kult zu sein, auch wenn sie immer noch nicht von ihrem Autor George R. R. Martin abgeschlossen ist. Die Serie geizt nicht mit expliziten Gewalt- und Sexualdarstellungen, sie ist geradezu bekannt dafür, öfter als nötig nackte und kopulierende Körper zu zeigen und dass keine der Figuren davor sicher ist, einen frühzeitigen und unglaublich brutalen Tod zu sterben, ist inzwischen Running Gag in den Tiefen des Internets.

Die Stärken von Game of Thrones sehe ich zum einen im hervorragenden Cast, aber auch in der Darstellung einer Welt, in der man nicht sicher sein kann, wer eigentlich gut oder böse ist. Begriffe wie Ehre und Moral scheinen nur Plattitüden zu sein, um die familiären Interessen durchzusetzen. Und mir als alter Feministin gefällt am besten, dass nicht nur gestandene Männer das Spiel um den Thron spielen, sondern auch zahlreiche Frauen nicht nur im Hintergrund die Fäden ziehen, sondern durchaus auch mit Gewalt ihren Standpunkt klarmachen können. Aber darum soll es heute nicht gehen.

In der aktuellsten Folge der Serie steht das erwachsene Zwillingspaar Cersei (Lena Headey) und Jaime (Nicolai Coster-Waldau) am aufgebahrten Leichnam ihres gemeinsamen Sohnes (ja, richtig gelesen, man nennt das übrigens Twincest in Neudeutsch). Jaime, der kurz zuvor aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist und im Allgemeinen ein ziemlicher Sausack ist, erfährt von seiner ach so geliebten Schwester eine ungekannte Ablehnung. Am Sarg seines Sohnes packt er sie, küsst sie und reißt sie zu Boden. Sie wehrt sich. Er sagt „I don’t care“ und macht weiter. Die Szene (und ein weiterer kritischer Text dazu) findet sich u.a. hier.

Im Kontext der Serie sollte eine Vergewaltigung eigentlich nicht weiter schocken. In der gleichen Folge werden Menschen zum Verzehr geschlachtet. In der ersten Staffel wird die Geschichte einer Liebe erzählt, die aus einer brutalen Vergewaltigung erwachsen sein soll und es gibt sicher noch zahlreiche weitere Beispiele, in denen moralisch verwerfliche Handlungen gezeigt werden. Geschockt hat mich aber, wie unterschiedlich diese Szene „gelesen“ wurde. Denn während ich darin eindeutig eine Vergewaltigung sah (immerhin wehrt sich Cersei sichtlich sowohl verbal als auch körperlich), haben sowohl die Autoren der Serie als auch andere ZuschauerInnen darin eine Art consensual sex gelesen – denn immerhin habe Cersei ja auch vorher schon Sex mit ihrem Bruder gehabt und am Ende deute eine Handbewegung von ihr auch darauf hin, dass sie es genieße.

Diese Aussagen alarmieren mich. Gibt es eindeutigere Abwehrhandlungen gegenüber einer übergriffigen Person als ein deutliches „Nein“ gepaart mit entsprechender Abwehrhaltung? Muss man (und frau) automatisch immer „wollen“, wenn er bzw. sie im Vorfeld Annäherungen zugelassen hat? Wird mensch dadurch automatisch „vögelfrei“ (sorry, konnte nicht anders und es passt so gut)? Ich habe hier sehr weit ausgeholt, um meinen Punkt zu machen, der eigentlich sehr simpel, verständlich und vor allem Konsens sein sollte, denn:

Nein heißt Nein, verdammt! Ein „Nein“ darf niemals als ein „Eigentlich schon, aber ich ziere mich“ verstanden werden. Auch wenn vorher irgendwelche vermeintlichen Zeichen des Wollens gegeben wurden: Ein „Nein“ heißt „Stop und nicht weiter“. Unmissverständlicher geht es eigentlich nicht mehr.

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3 Gedanken zu “No means no! (Enthält Spoiler)

  1. Du hast Recht, auch ich konnte in der Szene nicht erkennen, dass Cersei das Spaß gemacht hatte. Ausserdem war das äusserst grotesk anzusehen; selbst wenn beide gewollt hätten, wäre das eine sehr groteske Szene gewesen.

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