Tanzen verboten!

tanzverbot1Feiertage sind ja eigentlich eine ganz schöne Erfindung. Man hat frei, muss nicht arbeiten, kann ausschlafen, das Wochenende verlängert sich unter Umständen – alles tolle Dinge, wenn man sonst selten frei hat, oft arbeiten muss und nie ausschlafen kann. Daher sollte das Oster-Wochenende ganz besonders toll sein. Ist es eigentlich auch – wäre da nicht der Karfreitag.

Ich befinde mich – wie häufig am Osterwochenende – in meiner alten Heimat, die vielleicht nicht besonders christlich ist, aber christlich genug, um die besondere Bedeutung des Karfreitags zu „würdigen“. Der Karfreitag ist ein sogenannter stiller Feiertag, da ChristInnen weltweit die Kreuzigung von Jesus mehr oder minder eifrig betrauern, indem sie kein Fleisch essen und (zumindest die besonders gläubigen) in die Kirche gehen, wo sie eine besonders lange Liturgie KNIEND über sich ergehen lassen. Crazy!

Und weil das noch nicht genug der Demut ist, gibt es auch ein allgemeines Tanzverbot, welches in zahlreichen Bundesländern sogar gesetzlich vorgeschrieben ist. Da hat man also ein schönes verlängertes Wochenende – und darf am Freitag kein Tanzlokal aufsuchen. Im hiesigen Saarland ist es so, dass einige Clubs dennoch geöffnet sind, ihre Tanzflächen bis nach Mitternacht allerdings mit Absperrband versehen, damit auch ja keine(r) auf die Idee kommt, eine flotte Sohle aufs Parkett zu legen. Im letzten Jahr suchte ich eine Lokalität in der Landeshauptstadt in der kühnen Annahme auf, dass die dortigen Menschen aufgrund ihres Atheistentums gepflegt das Tanzverbot ignorieren würden – weit gefehlt. Der Club kassierte fröhlich Eintritt, es legte ein DJ auf – und die lokale Polizei entblödete sich nicht, gleich mehrfach eine Streife vorbeizuschicken, die kontrollierte, ob auch niemand sich strafbar machte. Man muss sich also nicht wirklich Sorgen um die Sicherheit in Saarbrücken machen, wenn es genügend Personal gibt, um eine Streife mehrfach durch die ansässigen Lokale zu schicken. Herrlich absurd!

Nun, wieso möchte man mir, die der Kirche bereits vor Jahren den Rücken gekehrt hat, das Tanzen verbieten (nicht, dass ich es besonders gut könnte, aber wenn es mich packt, dann groove ich nun mal!)? Reicht es nicht, wenn jene Menschen, denen der Glauben es gebietet, einen stillen Feiertag zu begehen, diesen gemäß Vorschrift zelebrieren? Muss man mir vorschreiben, dass ich zuhause die Hände in den Schoß lege und darüber sinniere, dass Jesus für meine Sünden gestorben ist? Nun würden einige Menschen sagen, dass ich dankbar sein solle, da ich ja dank der Kirche einen freien Tag verleben dürfte und außerdem könne man ja im restlichen Jahr permanent tanzen, da störe dieser eine Tag der Besinnung nicht weiter. Aber nein, es geht mir ums Prinzip! Für mich hat der Karfreitag keine Bedeutung, ich aß gestern eine „gotteslästerliche“ (Zitat King 2014) Portion Fleisch, beobachtete sogar zahlreiche durchaus praktizierende ChristInnen bei diesem ungebührlichen Verhalten und amüsierte mich trotz stillem Feiertag außerordentlich. Nur – ich konnte am Abend nicht ausgehen.

Leider kommen Diskussionen zum Tanzverbot immer nur kurz vorm Karfreitag auf und werden dann schnell wieder vergessen. Ich jedenfalls finde es absolut nicht mehr zeitgemäß, dass die Kirche mir als unchristlicher Person vorschreiben darf, wie ich mich zu verhalten habe. Sowieso hat die Kirche in einem angeblich laizistischen Staat viel zu viel Einfluss. Aber dieser Umstand bietet Stoff für zahlreiche weitere Hasstiraden…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s