Der Gutmensch – ein mir unbekanntes Wesen

homer-3Was ist eigentlich mit dieser Gesellschaft passiert? Während man in meiner Jugend noch unmissverständliche und international gültige Schimpfworte wie Arschloch oder Wichser benutzte, um dem Gegenüber klarzumachen, was man von ihm hält, lese ich heute immer öfter vom sogenannten Gutmenschen. Diese Beschimpfung verwirrt mich: Wieso ist es etwas Schlechtes, gut zu sein?

Nun ist es ja nicht so, dass der Gutmensch gesellschaftsübergreifend zum Sinnbild für alles Ablehnenswürdige geworden ist. Insbesondere in den von mir so überaus geschätzten häufig konsumierten sozialen Medien lese ich jedoch immer häufiger davon – beispielsweise auf den Facebook-Seiten sogenannter Indie-Bands, die mal wieder was gegen Frei.Wild verlautbart haben und nun den nächsten Shitstorm über sich ergehen lassen dürfen, oder aber in Diskussionen über Gleichstellungspolitik oder die Grünen.

Was ist also nun ein Gutmensch? Ich befragte Google und ich bin überrascht davon, dass es sogar einen Wikipedia-Artikel dazu gibt. Darin wird Gutmensch als „‚Kampfbegriff gegen Andersdenkende'“ definiert, der sich gegen „übertrieben moralisierendes und naives Verhalten“ richtet. Man muss wohl gar nicht lange darüber nachdenken, aus welcher politischen Ecke sowas kommt, denn nicht nur Feministinnen scheinen „GutmenschInnen“ (hahaha, sowas von witzig, nicht wahr?) zu sein, sondern auch jene Menschen, die sich bewusst fleischlos ernähren oder ihre Sprache bzw. andere Lebensbereiche politisch korrekt gestalten möchten – in welcher Form auch immer. Und das scheint viele (dumme?) Menschen gehörig anzupissen. Wieso eigentlich?

Was stört mensch daran, wenn sich Andere über ein faires Miteinander Gedanken machen und sich bemühen, dies auch umzusetzen? Wieso möchten so viele politisch unkorrekt sein? Was haben sie davon, jemanden als „Spasti“ oder „Mongo“ beschimpfen zu können oder weiterhin sexistische Witzchen zu machen? Was juckt es mich, wenn mein Gegenüber kein Fleisch essen möchte? Gibt es Menschen irgendwie erhöhte Lebensqualität, wenn sie möglichst jeden Scheiß raushauen können, den ihre letzten paar Gehirnzellen noch hergeben, auch wenn es noch so doof und sinnlos ist? Ist kein Miteinander möglich, ohne Witze über Randgruppen zu machen und sich betont politisch unkorrekt zu geben, weil political correctness ja eigentlich total spießig und angepasst ist?

Aus einer ähnlichen Ecke hört man ja auch häufig das gerne genutzte „Aber man wird ja mal noch sagen dürfen“ – gefolgt von rassistischen, antisemitischen, frauenfeindlichen oder sonst wie hohlen Äußerungen. Ist die Abwehrhaltung gegen Gutmenschen vielleicht sogar eine Strategie, um das eigene Gewissen zu beruhigen, da man ja eigentlich genau weiß, wie bescheuert die eigene Haltung doch ist? Muss man sich einreden, dass „die Anderen“ ja eigentlich die Uncoolen sind, weil sie eine(n) ja bevormunden wollen? Ich verstrickte mich gestern erst in eine solche Diskussion und stellte schnell fest – viel mehr als polemisches Blabla kam von der Gegenseite gar nicht, die sich schenkelklopfend über die MoralistInnen dieser Nation amüsierte. Es wäre aber auch echt zu anstrengend, sich mal wirklich Gedanken zu machen.

 

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2 Gedanken zu “Der Gutmensch – ein mir unbekanntes Wesen

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