Wenn man mehr als eine Minute über die Überschrift nachdenken muss, sollte man diese weglassen…

Quelle: data6.blog.de

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Ich schaue bekanntlich gerne und viel Fernsehen. Da ich meist zu faul bin, bis zu den Sendern durchzuschalten, die ich als Akademikerin offiziell schaue – also Arte, 3Sat und Phoenix – bleibe ich meist im hochwertigen Programm der Privaten hängen. Aber Scripted Reality und das Vorführen von am Rande der geistigen Behinderung befindlichen Menschen, die gerne einen Partner hätten finde ich schon ein bisschen ekelhaft, sich darüber auslassen ist allerdings derart 2013, dass ich heute über ein anderes Ärgernis sprechen möchte: Werbung.

Dabei geht es mir nicht um Sinn oder Unsinn von Werbung, diese existiert nun mal und ohne sie gäbe es Qualitätsfernsehen wie das Dschungelcamp oder Let’s Dance nicht. Aber: Was sind das eigentlich für gehirnamputierte Volltrottel, die Werbespots konzipieren? Für wie doof halten die ihr Publikum und warum zur Hölle geben Konzerne Geld dafür aus, mit sackdämlichen Claims und sexistischen Clips ihr Produkt zu bewerben?

Reden wir mal über Putzmittel-Werbung. Auch im Jahr 2014 wendet sich diese an Frauen, die natürlich nichts lieber tun als putzen. Oder kochen. Auf jeden Fall nicht lohnarbeiten. Die Ironie dabei ist, dass diejenigen, die der hilf- und ahnungslosen Hausfrau zeigen müssen, wie das mit dem Putzen richtig geht, Männer sind. Sei es dieser glatzköpfige Altmeister oder dieser neue „Mr. Muscle“, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, „Müttern das Putzen zu erleichtern“ (wieso macht er es nicht gleich selbst): Ohne Anleitung durch den Macker geht es einfach nicht. Und da mir in meinem Leben weder mein Vater noch meine Partner gezeigt haben, wie das mit der Grundreinigung geht, sieht’s hier eben aus wie Sau und die kleinen knuddeligen Bakterien in meiner Toilette können sich ungeniert ausbreiten, da ich auch keinen WC-Stein habe. So ist das halt.

Ein bekannter Schuh- und Klamotten-Online-Shop stellt Frauen als hysterische und shoppingsüchtige Irre da, die ausrasten, sobald ihre Lieferung kommt (die sie ohnehin zu drei Vierteln wieder zurückschicken werden, aber das nur am Rande). Da dieses Konzept von diesem einen Anbieter noch nicht genug ausgereizt wurde, macht’s die britische Konkurrenz genauso und lässt Frauen vor Entzücken schreien. Denn wenn sie nicht gerade putzen, bestellen sie online. Hauptsache, sie verlassen nicht das Haus. Manchmal geben sie sich auch der Körperpflege hin und lassen sich von Mascara-Werbung verarschen, in der eine Frau mit offensichtlich angeklebtem und per Photoshop (oder wie auch immer) nachvolumisierten Wimpernbusch behauptet, diesen Effekt habe sie nur durch ihre super geile Mascara mit diesem fancy Produktnamen erzielt. JA GENAU.

Da Frauen auch nicht kochen können, dies aber laut der Werbung meistens tun (müssen, sie lohnarbeiten ja nicht und irgendwer muss die Familie ja füttern), gibt es glücklicherweise zahlreiche Fertiggerichte, mit denen Mann und Nachwuchs glücklich gemacht werden können. Ist doch großartig, wenn man das Online-Shopping nur kurzfristig für das Öffnen eines „Fix“-Tütchens unterbrechen muss.

Männer hingegen müssen wieder richtige Kerle sein. Sie sprühen sich mit Nuttendiesel ein, um die hirnlose Damenwelt gefügig zu machen, sie rasieren ihre markanten Kiefer nur mit den besten und breitesten und schärfsten Klingen und und feiern nichts mehr als einen überdimensionierten Bierkühlschrank (während ihre hirnlosen Frauen – natürlich – ob eines begehbaren Kleiderschranks schier orgasmieren). Wenn Männer kochen, dann Fleisch und eigentlich heißt kochen in diesem Kontext nur, dass sie Fleisch grillen. Draußen. Mit Bier.

Und wie ekelhaft fröhlich diese Menschen immer sind. Und wie schön! Immerzu lachen sie und essen Eis in einer fancy Strandbar. Jetzt läuft auch noch Werbung für eine Helene Fischer – moderiert vom berühmten Nico Schwanz (Lisa, dein Einsatz!). Was schimpf ich eigentlich über Werbung? Kann ja auch ganz geil sein. Allerdings erschreckt mich gerade, wieviele Songs ich von diesem Höllengeschöpf kenne.

 

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