Sie haben da was an der Lippe…

Quelle: 6000ad.co.uk

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Wenn ich so in meinen Kleiderschrank schaue, muss ich feststellen, dass ich ein ziemlich unmodischer Mensch bin. Ich greife mir morgens das erstbeste T-Shirt und die Jeans, die irgendwo rumliegt und das ist dann mein „OOTD“. Von aktuellen Trends habe ich keine Ahnung, ich weigere mich bekanntlich, die Outfits anderer Menschen in deren Blogs zu bestauen, ich wälze keine Modezeitschriften (die Hölle auf Erden!) und ich finde ja auch Shopping richtig ätzend.

Die aktuellen Trends ziehen also meistens an mir vorbei, erreichen mich Jahre später und lösen bei mir nicht selten Sprachlosigkeit aus. Es ist bisweilen faszinierend, wie Menschen sich absichtlich absurd bis hässlich kleiden, weil dies irgendeine Mode vorgibt – und wirklich schlimme Styles werden lemminghaft übernommen, bis ganz Berlin Friedrichshain so aussieht. Ich werde echt nie verstehen, wieso Menschen riesige Fensterglasbrillen tragen, obwohl sie keine benötigen. Als ernsthaft kurzsichtige Person, die ohne Brille den Weg in die Küche kaum findet, bin ich dankbar um die Erfindung von Sehhilfen, finde diese aber nur seltenst kleidsam. Ganz geil sind auch diese Mützen, die mensch nur noch halb auf den Kopf setzt und die dadurch aussehen wie Kaffeewärmer.

Viel schlimmer aber ist die Haarmode für Herren, die sich in den letzten Jahren beobachten lässt. Wo früher noch der Trend zur Glattrasur, maximal zum Dreitagebart ging, sah man erst fürchterliche Schnurrbärte, die inzwischen (so es denn der Bartwuchs zulässt) zu rauschenden Vollbärten im Holzfällerstyle herangewachsen sind. Als nächstes folgt vermutlich der indische Yogi… Nur: Die Fotos aus der Jugendzeit unserer Eltern aus den 1960er/1970er-Jahren hätten euch warnen sollen: Schnurrbärte sehen einfach scheiße aus und sie stehen so gut wie niemandem. Egal, ob das jetzt die buschige Version von 40jährigen Manfreds ist oder so ein dünner Franzosen-Strich über der Oberlippe (man sieht, ich habe keine Ahnung von Schnurrbärten). Manche Jungs sollten einsehen, dass ihnen einfach nicht genug Haar im Gesicht wächst, um das Ergebnis einen Bart nennen zu können – lasst es sein oder helft mit einem Milchbart nach! Selbst der derzeit überaus trendige Moustache ist lediglich als Accessoire witzig (gewesen).

Also sollte ich eigentlich froh sein, dass der Schnurri-Trend abgeflaut ist. Aber finde ich Vollbärte wirklich besser? Vielleicht bin ich in der Hinsicht traumatisiert, denn mein Vater trägt einen solchen, weshalb Vollbart für mich immer gleichbedeutend mit altem Mann ist. Und es gibt durchaus Herren, die das tragen können, nein, sogar sollten (ich denke da beispielsweise an Joe Manganiello als Alcide Herveaux in True Blood, der ohne Bart einfach reichlich blöde aussieht). Manche bedecken mit ihrer Wolle vielleicht auch ein Gesicht, welches durchaus einen Bart verdient hat.

Aber: Wieso müssen eigentlich alle immer gleich aussehen? Das Gleiche war ja geschlechtsübergreifend mit dem berühmten Side- bzw. Undercut zu beobachten, der erst deutsche Groß- dann Kleinstädte und schließlich sogar Wien erreicht hat. Überall sah man halb rasierte Köpfe – was zu Punkzeiten noch ein politisches Statement sein sollte, ist nun Mode – und inzwischen scheinbar wieder sowas von out. Sehr en vogue ist ja derzeit auch so ein Haarknödel mitten auf dem Kopf, das finde ich auch überaus kleidsam. Nicht. Klar, sowas steht manchen Menschen sicherlich, aber: WIESO MÜSSEN EIGENTLICH ALLE IMMER GLEICH AUSSEHEN?

 

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