Wer hat uns verraten?

Quelle: netzhaeuter.de

Quelle: netzhaeuter.de

Mein geschätzter Kommunistenfreund machte mich heute auf eine Ungeheuerlichkeit aufmerksam, die mir im frühjährlichen Trubel entgangen sein muss: Langzeitarbeitslose – Sechs Monate keinen Mindestlohn – so lauten die Pläne der Großen Koalition (bäh, dieses großgeschriebene „G“ impliziert ja irgendwie Großartigkeit, das Gegenteil scheint mir der Fall zu sein…). Und ich? Ich find’s scheiße und menschenunwürdig und rege mich irrsinnig darüber auf.

Der Mindestlohn war und ist ein wichtiger Aspekt für mich bzw. meine Wahlentscheidung gewesen. Dass er in den Koalitionsvertrag aufgenommen wurde, hat mich ehrlich gesagt überrascht. Dass die Pläne, diesen umzusetzen, allerdings nicht akzeptabel sind, hätte ich ahnen müssen. Die geplanten 8,50 € sind im Vergleich mit den westeuropäischen Nachbarländern gelinde gesagt ein Witz. Dass diese nicht für alle Branchen gelten und der Mindestlohn erst sukzessive eingeführt werden soll, bringt bereits mein Blut in Wallung.

Nun lese ich aber noch, dass Langzeitarbeitlose nach Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt erstmal keinen Mindestlohn erhalten sollen. Klar, wieso sollten Menschen, die vormals an bzw. unter der Armutsgrenze leben mussten, plötzlich lebenswürdige Bedingungen vorfinden? Bekanntlich ist ja auch die geleistete Arbeit eines Menschen, der vormals längerfristig beschäftigungslos war, weniger wert. Ganz klar. Am besten befristet man den Arbeitsvertrag auf ein halbes Jahr, sodass die Person sich gar nicht erst an ein Leben in Lohn und Brot (oder gar mit halbwegs angemessener Bezahlung) gewöhnen wird.

Auch PraktikantInnen und ehrenamtlich Tätige sind vom Mindestlohn ausgeschlossen. Ersteres wundert mich kaum, sind es doch Bundesbehörden selbst, die ihren PraktikantInnen eine Bezahlung verweigern – mit der absonderlichen Begründung, diese würden keine Arbeit leisten. Heißt das nun, dass die dort beschäftigten StudentInnen tatenlos herumsitzen (was ich nicht glaube)? Oder ist das nur die Bestätigung des Klischees der nicht arbeitenden Beamten? Wie dem auch sei – es ist eine Frechheit, junge Menschen für ihre Arbeit nicht zu entlohnen, ob diese nun als Pflicht für das erfolgreiche Abschließen des Studiums absolviert wird oder aus reinem Interesse. Auch angehende ÄrztInnen im praktischen Jahr, PraktikantInnen in der Medienbranche und vermutlich noch in vielen anderen Unternehmen arbeiten in der Regel für lau bzw. für Luft und Liebe (und manchmal ein warmes Abendessen). Welche Botschaft möchte man ihnen damit senden? Dass sie sich auf den unwirtlichen Arbeitsmarkt bestmöglich vorbereiten (falls sie diesen überhaupt erreichen)? Dass ihre Arbeit ohnehin einen Scheißdreck wert ist? Dass man wohlhabende Eltern oder ein finanzielles Polster haben muss, um sich im Lebenslauf Vorteile zu verschaffen? Das kann doch nicht wahr sein!

Es ist eine Schande, dass die Armutsschere immer weiter aufgeht. Und nein, nicht jede(r) ist seines/ihres Glückes Schmied, das Wissen davon, dass der bloße Wille gepaart mit harter Arbeit schon zum Erfolg führe, stammt wohl aus einer Gedankenwelt, in der Einhörner und Kobolde noch eine wichtige Rolle spielen, denn: Das eigene Schicksal ist maßgeblich durch die soziale Herkunft geprägt, die Durchlässigkeit nach oben ist gering. So richtig das Kotzen kommt mir dann, wenn irgendwelche „Wirtschaftsweisen“ (was ein Paradoxon) behaupten, das bremse die Wirtschaft. Menschen, die zusätzlich zu ihrem Arbeitslohn Zusatzleistungen beziehen müssen, sind also besser? Ich frage mich manchmal, ob manche „ExpertInnen“ überhaupt eine Vorstellung von Verhältnismäßigkeiten haben.

Es scheint ja auch nicht im Interesse unserer PolitikbonzInnen zu sein, die benannte Schere zu schließen. Lieber hält man den Pöbel arm und dumm. Daher wird es Zeit, die Heugabeln zu ergreifen. Aber die Herzen des Volkes gehören ja einer Frau Merkel, die mehr für ihre „Raute“ als für irgendwelche politischen Großtaten bekannt zu sein scheint. Ich möchte das nicht.

(Achja, ich finde SPD wie CDU ähnlich scheußlich, nur mal so am Rande)

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2 Gedanken zu “Wer hat uns verraten?

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