Aus aktuellem Anlass…

asylum-001Ich habe hier für meine Verhältnisse lange nichts geschrieben. Das liegt weniger an durch warme Frühlingsgefühle bedingtem Ideenmangel als an der fehlenden Zeit, denn man(we) fixte mich mit einer neuen Serie an, die ich in meiner ach so spärlich gesäten Freizeit sehr gerne konsumiere, so mich denn meine Internetverbindung lässt, denn:

Ich hasse Buffering. Sehr sogar. Ich möchte American Horror Story Season 2 Episode 3 schauen und alle Streams, die verfügbar sind, buffern sich zu Tode. Womit habe ich das an diesem schwarzen Dienstag, an dem ich knapp 11 Stunden Arbeit sowie ein grausiges Fußballspiel ertragen musste, nur verdient?

Mir verlangt es nach nichts mehr als einem flüssigen Stream mit akzeptablem Bild. Originalton versteht sich von selbst. Das ist doch nicht zuviel verlangt? Nein, ich kann immer nur sekundenweise flüssiges Bild sehen – dabei ist Geduld nun so gar nicht meine Sache. Ach bitte, liebes Internet, gönn mir diese kleine Freude!

 

No means no! (Enthält Spoiler)

Achtung, in diesem Artikel geht es unter anderem um die am vergangenen Sonntag in den USA ausgestrahlte dritte Folge der vierten Staffel der Serie Game of Thrones. Wer diese noch nicht gesehen hat, aber dies noch tun möchte und den (kleinen) Spoiler nicht lesen möchte, sollte diesen Text meiden.

 

Game of Thrones ist – für alle, die die Serie nicht kennen – eine äußerst komplexe, mittelalterlich angehauchte Fantasy-Serie, in der verschiedene machtgeile Adelsfamilien um den sogenannten Iron Throne kämpfen. Die zugehörige Buchreihe scheint Kult zu sein, auch wenn sie immer noch nicht von ihrem Autor George R. R. Martin abgeschlossen ist. Die Serie geizt nicht mit expliziten Gewalt- und Sexualdarstellungen, sie ist geradezu bekannt dafür, öfter als nötig nackte und kopulierende Körper zu zeigen und dass keine der Figuren davor sicher ist, einen frühzeitigen und unglaublich brutalen Tod zu sterben, ist inzwischen Running Gag in den Tiefen des Internets.

Die Stärken von Game of Thrones sehe ich zum einen im hervorragenden Cast, aber auch in der Darstellung einer Welt, in der man nicht sicher sein kann, wer eigentlich gut oder böse ist. Begriffe wie Ehre und Moral scheinen nur Plattitüden zu sein, um die familiären Interessen durchzusetzen. Und mir als alter Feministin gefällt am besten, dass nicht nur gestandene Männer das Spiel um den Thron spielen, sondern auch zahlreiche Frauen nicht nur im Hintergrund die Fäden ziehen, sondern durchaus auch mit Gewalt ihren Standpunkt klarmachen können. Aber darum soll es heute nicht gehen.

In der aktuellsten Folge der Serie steht das erwachsene Zwillingspaar Cersei (Lena Headey) und Jaime (Nicolai Coster-Waldau) am aufgebahrten Leichnam ihres gemeinsamen Sohnes (ja, richtig gelesen, man nennt das übrigens Twincest in Neudeutsch). Jaime, der kurz zuvor aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist und im Allgemeinen ein ziemlicher Sausack ist, erfährt von seiner ach so geliebten Schwester eine ungekannte Ablehnung. Am Sarg seines Sohnes packt er sie, küsst sie und reißt sie zu Boden. Sie wehrt sich. Er sagt „I don’t care“ und macht weiter. Die Szene (und ein weiterer kritischer Text dazu) findet sich u.a. hier.

Im Kontext der Serie sollte eine Vergewaltigung eigentlich nicht weiter schocken. In der gleichen Folge werden Menschen zum Verzehr geschlachtet. In der ersten Staffel wird die Geschichte einer Liebe erzählt, die aus einer brutalen Vergewaltigung erwachsen sein soll und es gibt sicher noch zahlreiche weitere Beispiele, in denen moralisch verwerfliche Handlungen gezeigt werden. Geschockt hat mich aber, wie unterschiedlich diese Szene „gelesen“ wurde. Denn während ich darin eindeutig eine Vergewaltigung sah (immerhin wehrt sich Cersei sichtlich sowohl verbal als auch körperlich), haben sowohl die Autoren der Serie als auch andere ZuschauerInnen darin eine Art consensual sex gelesen – denn immerhin habe Cersei ja auch vorher schon Sex mit ihrem Bruder gehabt und am Ende deute eine Handbewegung von ihr auch darauf hin, dass sie es genieße.

Diese Aussagen alarmieren mich. Gibt es eindeutigere Abwehrhandlungen gegenüber einer übergriffigen Person als ein deutliches „Nein“ gepaart mit entsprechender Abwehrhaltung? Muss man (und frau) automatisch immer „wollen“, wenn er bzw. sie im Vorfeld Annäherungen zugelassen hat? Wird mensch dadurch automatisch „vögelfrei“ (sorry, konnte nicht anders und es passt so gut)? Ich habe hier sehr weit ausgeholt, um meinen Punkt zu machen, der eigentlich sehr simpel, verständlich und vor allem Konsens sein sollte, denn:

Nein heißt Nein, verdammt! Ein „Nein“ darf niemals als ein „Eigentlich schon, aber ich ziere mich“ verstanden werden. Auch wenn vorher irgendwelche vermeintlichen Zeichen des Wollens gegeben wurden: Ein „Nein“ heißt „Stop und nicht weiter“. Unmissverständlicher geht es eigentlich nicht mehr.

Schreib dich nicht ab! Lern Lesen und Schreiben

Quelle: uni-sb.de

Quelle: uni-sb.de

Diesen Claim möchte ich – ach – gerne und oft laut herausbrüllen, denn es ist zum Haare raufen: So viele Menschen da draußen können nicht mehr richtig schreiben und nicht sinnerfassend lesen. Dass längere Texte nicht gelesen werden, war ja schon Inhalt eines Beitrags dieses Blogs. Dass viele Menschen aber auch unfähig zu sein scheinen, ihre Online-Kommunikation derart zu gestalten, dass man sie auch ohne Dechiffrier-Gerät entziffern kann, sorgt bei mir für akutes Bauchgrimmen.

Ich möchte auch im Internet nicht raten müssen, was mein Gegenüber mir mangels Interpunktion und Grammatik mitteilen möchte. Daher mein Appell an die Menschen dort draußen: Es ist kein Zeichen von Uncoolness, den Unterscheid zwischen „das“ und „dass“ zu kennen oder zu wissen, dass es „Ihr seid doch alle blöd“ heißt!

Liebe Leute, es gibt sehr eindeutige Regeln, wann ein Komma zu setzen ist und wann nicht. Über Schwächen diesbezüglich kann ich noch gut hinwegsehen, ABER es ist verdammt nochmal nicht so schwer zu wissen, ob man „das“ nun mit einem oder zwei „s“ zu schreiben hat. Das lernt man doch in der Grundschule und kriegt es im Verlaufe der eigenen Bildungskarriere doch auch jedes Mal angestrichen, wenn man es falsch gemacht hat. Und wenn man es dann immer noch nicht weiß, kann man diese Regeln nachschlagen. Es gibt Wunderwerke wie den Duden – das ist zwar ein dickes Buch mit vielen Seiten, aber man sollte sich davon nicht abschrecken lassen, denn man muss es weder ganz lesen noch auswendig lernen – im Bedarfsfall nachschlagen reicht vollkommen.

Ich möchte mit diesem Rant nicht jene Menschen dissen, die tatsächlich eine Lese-Rechtschreibschwäche haben. Mir geht es vielmehr um die Massen da draußen, die aus Faulheit (oder anderen Gründen) einfach irgendwie drauf los schreiben und davon ausgehen, dass sie verstanden werden. Diese Annahme führt jedoch insbesondere bei längeren Texten dazu, dass man gar nicht mehr verstanden wird. Wenn man gezielte Kommunikationsabsichten hegt, ist das natürlich nachteilig. Und übrigens: Dialekte sind in der gesprochenen Sprache meist schon überaus anstrengend, aber akzeptabel. Geschrieben sind sie leider nur mehr albern.

 

 

Tanzen verboten!

tanzverbot1Feiertage sind ja eigentlich eine ganz schöne Erfindung. Man hat frei, muss nicht arbeiten, kann ausschlafen, das Wochenende verlängert sich unter Umständen – alles tolle Dinge, wenn man sonst selten frei hat, oft arbeiten muss und nie ausschlafen kann. Daher sollte das Oster-Wochenende ganz besonders toll sein. Ist es eigentlich auch – wäre da nicht der Karfreitag.

Ich befinde mich – wie häufig am Osterwochenende – in meiner alten Heimat, die vielleicht nicht besonders christlich ist, aber christlich genug, um die besondere Bedeutung des Karfreitags zu „würdigen“. Der Karfreitag ist ein sogenannter stiller Feiertag, da ChristInnen weltweit die Kreuzigung von Jesus mehr oder minder eifrig betrauern, indem sie kein Fleisch essen und (zumindest die besonders gläubigen) in die Kirche gehen, wo sie eine besonders lange Liturgie KNIEND über sich ergehen lassen. Crazy!

Und weil das noch nicht genug der Demut ist, gibt es auch ein allgemeines Tanzverbot, welches in zahlreichen Bundesländern sogar gesetzlich vorgeschrieben ist. Da hat man also ein schönes verlängertes Wochenende – und darf am Freitag kein Tanzlokal aufsuchen. Im hiesigen Saarland ist es so, dass einige Clubs dennoch geöffnet sind, ihre Tanzflächen bis nach Mitternacht allerdings mit Absperrband versehen, damit auch ja keine(r) auf die Idee kommt, eine flotte Sohle aufs Parkett zu legen. Im letzten Jahr suchte ich eine Lokalität in der Landeshauptstadt in der kühnen Annahme auf, dass die dortigen Menschen aufgrund ihres Atheistentums gepflegt das Tanzverbot ignorieren würden – weit gefehlt. Der Club kassierte fröhlich Eintritt, es legte ein DJ auf – und die lokale Polizei entblödete sich nicht, gleich mehrfach eine Streife vorbeizuschicken, die kontrollierte, ob auch niemand sich strafbar machte. Man muss sich also nicht wirklich Sorgen um die Sicherheit in Saarbrücken machen, wenn es genügend Personal gibt, um eine Streife mehrfach durch die ansässigen Lokale zu schicken. Herrlich absurd!

Nun, wieso möchte man mir, die der Kirche bereits vor Jahren den Rücken gekehrt hat, das Tanzen verbieten (nicht, dass ich es besonders gut könnte, aber wenn es mich packt, dann groove ich nun mal!)? Reicht es nicht, wenn jene Menschen, denen der Glauben es gebietet, einen stillen Feiertag zu begehen, diesen gemäß Vorschrift zelebrieren? Muss man mir vorschreiben, dass ich zuhause die Hände in den Schoß lege und darüber sinniere, dass Jesus für meine Sünden gestorben ist? Nun würden einige Menschen sagen, dass ich dankbar sein solle, da ich ja dank der Kirche einen freien Tag verleben dürfte und außerdem könne man ja im restlichen Jahr permanent tanzen, da störe dieser eine Tag der Besinnung nicht weiter. Aber nein, es geht mir ums Prinzip! Für mich hat der Karfreitag keine Bedeutung, ich aß gestern eine „gotteslästerliche“ (Zitat King 2014) Portion Fleisch, beobachtete sogar zahlreiche durchaus praktizierende ChristInnen bei diesem ungebührlichen Verhalten und amüsierte mich trotz stillem Feiertag außerordentlich. Nur – ich konnte am Abend nicht ausgehen.

Leider kommen Diskussionen zum Tanzverbot immer nur kurz vorm Karfreitag auf und werden dann schnell wieder vergessen. Ich jedenfalls finde es absolut nicht mehr zeitgemäß, dass die Kirche mir als unchristlicher Person vorschreiben darf, wie ich mich zu verhalten habe. Sowieso hat die Kirche in einem angeblich laizistischen Staat viel zu viel Einfluss. Aber dieser Umstand bietet Stoff für zahlreiche weitere Hasstiraden…

Der Gutmensch – ein mir unbekanntes Wesen

homer-3Was ist eigentlich mit dieser Gesellschaft passiert? Während man in meiner Jugend noch unmissverständliche und international gültige Schimpfworte wie Arschloch oder Wichser benutzte, um dem Gegenüber klarzumachen, was man von ihm hält, lese ich heute immer öfter vom sogenannten Gutmenschen. Diese Beschimpfung verwirrt mich: Wieso ist es etwas Schlechtes, gut zu sein?

Nun ist es ja nicht so, dass der Gutmensch gesellschaftsübergreifend zum Sinnbild für alles Ablehnenswürdige geworden ist. Insbesondere in den von mir so überaus geschätzten häufig konsumierten sozialen Medien lese ich jedoch immer häufiger davon – beispielsweise auf den Facebook-Seiten sogenannter Indie-Bands, die mal wieder was gegen Frei.Wild verlautbart haben und nun den nächsten Shitstorm über sich ergehen lassen dürfen, oder aber in Diskussionen über Gleichstellungspolitik oder die Grünen.

Was ist also nun ein Gutmensch? Ich befragte Google und ich bin überrascht davon, dass es sogar einen Wikipedia-Artikel dazu gibt. Darin wird Gutmensch als „‚Kampfbegriff gegen Andersdenkende'“ definiert, der sich gegen „übertrieben moralisierendes und naives Verhalten“ richtet. Man muss wohl gar nicht lange darüber nachdenken, aus welcher politischen Ecke sowas kommt, denn nicht nur Feministinnen scheinen „GutmenschInnen“ (hahaha, sowas von witzig, nicht wahr?) zu sein, sondern auch jene Menschen, die sich bewusst fleischlos ernähren oder ihre Sprache bzw. andere Lebensbereiche politisch korrekt gestalten möchten – in welcher Form auch immer. Und das scheint viele (dumme?) Menschen gehörig anzupissen. Wieso eigentlich?

Was stört mensch daran, wenn sich Andere über ein faires Miteinander Gedanken machen und sich bemühen, dies auch umzusetzen? Wieso möchten so viele politisch unkorrekt sein? Was haben sie davon, jemanden als „Spasti“ oder „Mongo“ beschimpfen zu können oder weiterhin sexistische Witzchen zu machen? Was juckt es mich, wenn mein Gegenüber kein Fleisch essen möchte? Gibt es Menschen irgendwie erhöhte Lebensqualität, wenn sie möglichst jeden Scheiß raushauen können, den ihre letzten paar Gehirnzellen noch hergeben, auch wenn es noch so doof und sinnlos ist? Ist kein Miteinander möglich, ohne Witze über Randgruppen zu machen und sich betont politisch unkorrekt zu geben, weil political correctness ja eigentlich total spießig und angepasst ist?

Aus einer ähnlichen Ecke hört man ja auch häufig das gerne genutzte „Aber man wird ja mal noch sagen dürfen“ – gefolgt von rassistischen, antisemitischen, frauenfeindlichen oder sonst wie hohlen Äußerungen. Ist die Abwehrhaltung gegen Gutmenschen vielleicht sogar eine Strategie, um das eigene Gewissen zu beruhigen, da man ja eigentlich genau weiß, wie bescheuert die eigene Haltung doch ist? Muss man sich einreden, dass „die Anderen“ ja eigentlich die Uncoolen sind, weil sie eine(n) ja bevormunden wollen? Ich verstrickte mich gestern erst in eine solche Diskussion und stellte schnell fest – viel mehr als polemisches Blabla kam von der Gegenseite gar nicht, die sich schenkelklopfend über die MoralistInnen dieser Nation amüsierte. Es wäre aber auch echt zu anstrengend, sich mal wirklich Gedanken zu machen.