Ein Text vom Scheitern

Quelle: wp.streetwise.co

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Jeden Abend ist es das Gleiche: Hoffnungsvoll plane ich den kommenden Tag, nehme mir vor, mal wieder zu saugen, die Spülmaschine auszuräumen und den Papiermüll wegzubringen. Ich möchte für meine Verhältnisse früh im Büro sein und vorher noch ein paar Besorgungen erledigen. Ich bin der festen Überzeugung, diesmal produktiv wirken zu können. Selbst für Zugfahrten nehme ich mir Texte für die Arbeit mit (die nicht selten genauso ungelesen wieder aus dem Rucksack rauskommen wie sie reingingen).

Doch kaum möchte mich der Wecker nach einer viel zu kurzen Nacht zu einer garstigen Zeit aus dem Bett zwitschern (ja, er zwitschert!), sind all meine guten Vorsätze vergessen. Meine geliebte Snooze-Taste ist schon ganz abgegriffen, da ich sie jeden Morgen mindestens dreimal betätige, bevor ich es vollkommen derangiert schaffe, mich zu erheben. Damit ist mein eigentlicher Zeitplan schon für den Arsch und ich hinke ihm für den Rest des Tages hinterher. Denn ich trödele beim Frühstück machen und surfe lieber auf albernen Meme-Seiten, anstatt mein Mützchen aufzusetzen, um in die zumeist graue Welt hinauszugehen. Ich spiele lieber sinnlose Handyspiele, schaue sehr albernes und/oder schlechtes Privatfernsehen oder surfe unmotiviert im Internet. Und selbst wenn ich das, was ich tun wollte bzw. sollte, zufriedenstellend erledigt habe, ereilt mich das Gefühl, nicht genug getan zu haben. Mein Gewissen bringt mich noch um.

Ich bin schon immer ein fauler Mensch gewesen, der sich irrsinnig schnell ablenken lässt. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich planlos zwischen meinen Tabs herumklicke, während ich diesen Text hier schreibe. Ich brauche immer ewig, um insbesondere mit unliebsamen Aufgaben zu beginnen und finde tausende Dinge, die ich lieber machen möchte.

Damit bin ich möglicherweise nicht alleine, denn die Prokrastination ist wohl die am weitesten verbreitete Fähigkeit unter (deutschen) Studierenden. Dafür hasse ich mich oft selbst und ich möchte es doch so gerne besser machen. Jeden Abend möchte ich das, angestachelt von all den schönen, erfolgreichen und sportlichen Menschen, die ich bei Facebook meine FreundInnen nenne. Diese Leute reisen ständig, erleben tolle Dinge und kochen echtes Essen, während ich es gerade geschafft habe, vom Bett aufs Sofa zu wechseln und mir ein Paar Socken anzuziehen.

Ich möchte so gerne so sein wie sie, nur gelingt es mir nicht und ich scheitere täglich daran. Welch Ironie, dass Katrin Bauerfeind bei Lanz (boah, ich kann gerade total verstehen, wieso der so gehasst wird, ist ja schlimm) momentan über ihr neues Buch spricht, welches vom Scheitern handelt. Ach, diese Frau deprimiert mich nun auch wieder, denn sie ist erfolgreich und eine Autorin. Welche Unverfrorenheit von ihr, vom Scheitern zu schreiben. Das wäre doch so ein gutes Thema für mich gewesen. Aber da war ich wohl wieder zu spät dran…

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5 Gedanken zu “Ein Text vom Scheitern

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