„Ich bin keine Feministin, weil…

Quelle: schleckysilberstein.com

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… ich eine verdammte Hohlbratze bin…“

Der gute Leo L. weiß, wie man mich auf die Palme bringt und ließ mir den Link zu diesem Fundstück zukommen. Die Junge Alternative für Deutschland (nachdem es sich abgeschafft hat oder was), hat es sich zur Aufgabe gemacht, als Antwort zu einer Aktion der Jusos (wäh, Parteijugend finde ich ja generell irgendwie gruselig) ihre antifeministischen Hirnfürze im Internet zu verbreiten (ich finde, so ein bisschen Lookism ist da ja auch dabei…). Es ist eigentlich beängstigend, dass solch offenbar denklimierte Menschen eine Karriere in der Politik anstreben.

Das Problem ist aber: Wenn man „den“ Feminismus kritisieren und dabei ernst genommen möchte, sollte man sich ein wenig damit beschäftigt haben. Dann wüsste man zum Beispiel, dass es nicht nur eine feministische Strömung gibt und dass Alice Schwarzer beileibe nicht die Spokesperson aller Frauen ist. Auf jeden Fall mal nicht meine. Feminismus heißt auch nicht, dass man Mütter abwertet und Karrierefrauen als wichtiger einschätzt. Beim gerne und häufig verulkten Binnen-I handelt es sich um den Versuch, die vom Maskulinum dominierte deutsche Sprache, die nun mal zwei Geschlechter (sowie das Neutrum) kennt, inklusiv zu gestalten. Das finden insbesondere Männer nervig, aber die sind ja eh immer gemeint.

Die Junge AfD essenzialisiert lieber „Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“, indem die jungen Damen und Herren weibliche Schwäche, männliches Macker Gentlemantum sowie Stärke zelebrieren. Dass es jedoch durchaus Menschen gibt, die nicht stereotyp männlich/weiblich sind oder sein wollen, wird gar nicht reflektiert. Dass auch Frauen aus reiner Höflichkeit Türen aufhalten können, Männer auch mal schwache Momente haben dürfen, auch Väter zuhause bleiben können (und sicher auch manchmal wollen).

Es geht verdammt nochmal nicht um Gleichmacherei, sondern darum, dass Frauen wie Männer die gleichen Chancen bekommen und nicht aufgrund geschlechtlicher Rollenzuweisungen, die sie nicht erfüllen (können oder wollen) sanktioniert werden. Ohne feministische Bewegungen dürften Frauen nicht wählen, ohne Zustimmung ihres Ehemanns keinen Beruf ausüben, eine Abtreibung unter gewissen Auflagen durchführen lassen oder sich sexuell ausleben. Viele Menschen meinen ja nun, dass der Feminismus nicht mehr nötig sei. Solange aber junge Männer immer noch schief angesehen werden, wenn sie gerne Erzieher werden möchten, Frauen in diversen Berufen weniger verdienen und Beruf und Familie sich insbesondere für Frauen noch immer nicht optimal vereinen lassen, ist es nötig, an den überkommenen patriarchalen Strukturen zu rütteln, die wohl noch aus einer Zeit stammen, als Frauen bestenfalls ein Zubrot verdienen durften. Mir ist es daher schier unbegreiflich, wieso sich junge Frauen in solche Zeiten zurückwünschen. Dass sie dann nicht in ihrer Partei nach oben kommen könnten, scheint den Damen gar nicht bewusst zu sein.

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3 Gedanken zu “„Ich bin keine Feministin, weil…

  1. Ach, das erinnert mich an eine Aussage meiner Bekannten E., die mit Weißwein getränkter Stimme letztens deklamiert hat, dass „Feminismus eine ernste Gefahr ist, weil die Männer sich dadurch so dermaßen verweiblicht entwickeln, dass sie gar nicht mehr wissen wie es ist, ein echter Mann zu sein – und JEDE Frau will doch im Grunde ihres Herzens einen ECHTEN Mann“.
    Den Umstand, dass sie mit ihrem 25 Stunden/Woche Job mehr Geld verdient wie ihr (echter) Mann mit 40 Stunden/Woche, er um Lichtjahre besser und häufiger kocht als sie, zudem im Haushalt jeder professionellen Reinigungsfirma ernsthaft Konkurrenz machen könnte und keine einzige, wie auch immer geartete, Entscheidung ohne ihre Zustimmung vollzogen wird, sieht sie ganz pragmatisch: „Das hat nix mit Feminismus zu tun, das ist einfach Evolution – das wäre so oder so so gekommen!“

    Ich denke, dass viele Frauen den aktuellen Status Quo ihrer Chancengleichheit betreffend als eine selbstverständliche Entwicklung der Gesellschaft betrachten, die ohne gravierendes Zutun geschehen ist. Und genau so sehen sie auch der Zukunft entgegen: die Ungleichheiten, die noch bestehen, sofern sie sie überhaupt hinterfragen, werden sich schon irgendwann von selber regeln.
    Und viele Männer sehen das genau so. („Es geht euch doch nicht schlecht, oder?“)
    Ein weiteres signifikantes Thema ist meiner Meinung nach die Verantwortung per se.
    Besteht völlige, vom Geschlecht (und/oder der sexuellen Orientierung, Hautfarbe, Herkunft…) unabhängige Chancengleichheit, eröffnet sich für den einzelnen Menschen eine Unzahl an Auswahlmöglichkeiten und natürlich damit verbundenen Entscheidungen, für die jeder einzelne für sich persönlich Verantwortung trägt und sich weder auf geschlechtsspezifische Rollenzuweisungen noch auf das System ausreden kann. Und alleine der Gedanke daran ist für viele Menschen bereits unbequem, weil es doch vorgeblich viel einfacher ist, sich in vorgegebenen, engen gesellschaftlichen Strukturen sein Leben und sich selbst zurecht zu biegen, als die Freiheit haben, zu werden was man ist – mit all dem, was das mit sich bringen kann.
    Aber solange es eine Herde von Individuen mit einer Vorliebe zu Scheuklappen gibt, wird es andere geben, die an eben diesen Scheuklappen knabbern. Oder rütteln.

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  2. Pingback: Neues von den Opfern der AfD! | 50 Shades of Hate

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