We should all be feminists today

Quelle: azurcultures.com

Quelle: azurcultures.com

Disclaimer: Dieser Text ist weniger satirisch/lustig gemeint als andere von mir und dreht sich um ein Thema, welches mir wichtig ist. Manche pauschalisierenden Äußerungen gegenüber gewissen Gruppierungen sind im Affekt entstanden und sicher nicht auf alle Mitglieder einer Gruppe zutreffend.

Heute ist Weltfrauentag. Mir wurde zwar schon gestern mehrfach dazu „gratuliert“ (wieso auch immer man mich zu einem ursprünglichen Kampftag beglückwünscht. Für viele Frauen dieser Welt ist das eher ein eher unliebsames Schicksal…) weil Menschen Google vertrauten, aber ja, der Internationale Frauentag ist tatsächlich erst am 8. März (und laut Wikipedia in vielen Ländern der Welt sogar ein gesetzlicher Feiertag!). Und ich wünsche mir dazu keine Blumen oder Glückwunschkärtchen, ein verstärktes Bewusstsein für die oftmals (immer noch) beschissene Situation, in der sich viele Frauen befinden, wäre mir lieber.

Ich habe mir lange Gedanken gemacht, was ich heute zu diesem Thema schreiben soll – da fiel mir ein kleines Internet-Bildchen in die Hände, welches von Privilegien handelt. Es beschreibt auf nahezu erschreckend simple Art und Weise, was es bedeutet, privilegiert zu sein, und ich möchte es gerne hier teilen.

Dieses Bild zeigt ganz gut auf, wie Diskussionen über die Situationen von Minderheiten – seien es Frauen, People of Color oder Menschen aus der LGTBQ-Bewegung (diese Liste lässt sich selbstverständlich erweitern) heutzutage auf vielen Online-Plattformen geführt werden. Wird über Frauen als Opfer von Sexualstraftaten berichtet, dauert es nicht lange, bis gebrüllt wird, dass ja auch sehr viele Männer unter Gewalt durch Frauen zu leiden haben (das ist zweifellos so, ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Risiko für Frauen, Opfer zu werden, wesentlich höher ist!). Wenn es um alleinerziehende Mütter geht (die wohl immer noch die krasse Mehrheit der Single-Eltern darstellen), fühlen sich Aktivisten von Väter-Vereinen berufen, alle Geschlechtsgenossinnen zu verteufeln. Werden homosexuellen Paaren (endlich) gleiche bzw. ähnliche Rechte wie Hetero-Paaren zugestanden, rufen manche den Untergang des Abendlandes aus und meinen, sich für ihre Sexualität schämen zu müssen…

Viele solcher Äußerungen kommen von weißen, heterosexuellen Männern und damit von der privilegiertesten aller denkmöglichen  gesellschaftlichen „Gruppierungen“. Sie genießen am ehesten eine gute Schulbildung, haben in der Folge oftmals einen ordentlichen Job und werden weder aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe noch ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert (Ausnahmen sind möglich, aber unwahrscheinlich). Selbstverständlich genieße auch ich als weiße Frau der sogenannten Mittelklasse Privilegien von unschätzbarem Wert – ich durfte zur Schule gehen und anschließend studieren, was ich wollte. Ich darf unverheiratet alleine leben und den Job ausüben, den ich möchte. Das klingt für westeuropäische LeserInnen vielleicht ein wenig albern, aber das ist für viele Frauen dieser Welt keine Selbstverständlichkeit (und war es für deutsche Frauen bis vor gar nicht allzu langer Zeit auch nicht). Uns geht es also verdammt gut!

Wir sollten uns dieser Privilegien bewusst sein und auch des Umstands, dass viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, es für andere Menschen noch lange nicht sind. Dafür muss man nicht mal in Länder des globalen Südens fahren – die vielfach diskutierte Gleichstellung ist auch hier meines Erachtens noch nicht erreicht (um nur mal ein paar Stichworte zu nennen: gleiche Bezahlung, Verteilung von Lohn- und Haushaltsarbeit, Bildungs- und Aufstiegschancen etc.). Umso ekelhafter ist es, von Studien lesen zu müssen, laut denen deutsche Männer (also in der Regel weiße, heterosexuelle… ihr wisst schon), „genug“ von Gleichberechtigung haben. Da will also diejenige Gruppe, die am meisten profitiert, von ihren Rechten nichts abgeben, offenbar, weil sie Angst hat, es sei nicht genug für alle da oder sie könnte ihre bequeme Position verlieren. Da werden Frauen in Führungspositionen gefordert, aber anstatt sich Gedanken über die strukturellen Begebenheiten zu machen, die es für Frauen, die immer noch den Großteil der sogenannten Reproduktionsarbeit leisten, schwer machen, nach oben zu kommen, wird schlicht behauptet, dass die ja nicht wollen. Und weil man die Quoten nicht möchte, da ja dadurch bessere Kandidaten aufgrund ihres Geschlechts nicht genommen werden (is‘ klar, denn Männer sind IMMER besser im Job…), ist das alles schon ziemlich vertrackt.

Und dann kommt der Punkt, wo zahlreiche (selbstverständliche nicht alle!) Männer schreien, dass sie sich inzwischen diskriminiert fühlen. Weil sie beispielsweise vor allem in jungen Jahren von Frauen unterrichtet und dabei von „Genderistinnen“ (ich hasse dieses Wort) dezidiert benachteiligt werden. Weil es Frauen- aber keine Männerförderung, Frauen- aber keine Männerbeauftragte (wobei das ja inzwischen hinfällig geworden sein müsste) gibt usw.Ich kenne auch nicht wenige Frauen, die behaupten, dass bezüglich der Gleichstellung alles erreicht wurde und es langsam mal gut sei. Diesen Menschen möchte ich sagen: Werdet euch mal klar, dass ihr schon ganz vorne fahrt, ihr braucht keinen blauen Panzer und keine Blitze mehr. Gleichstellung heißt nicht nur, die anderen auf Sichtdistanz heranfahren zu lassen, sondern sie aufschließen zu lassen. Denn in gewisser Hinsicht stimmt die Analogie von Mario Kart meiner Ansicht nach nicht: Das Leben ist kein Wettrennen, in dem es nur darum geht, schneller/besser/reicher als die Konkurrenz zu sein.

Daher sollten sich Frauen am 8. März nicht gegenseitig beglückwünschen, Frau zu sein. Wir sollten besser mal darüber nachdenken, was für uns und andere (das müssen nicht nur Frauen sein) schlecht läuft in dieser Welt und vielleicht auch darüber, was wir aktiv daran ändern können.

Was man sich anschauen sollte: We should all be feminists – Chimamanda Ngozi Adichie

Beyoncé – Flawless

Wie man es falsch macht: http://web.de/magazine/lifestyle/bildergalerien/bilder/18682904-augenschmaus-damen.html#/cid18682904/0

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