Ich möchte nicht erwachsen sein…

peter pan punk

Fragt mich nicht, woher ich immer die dämlichen Bilder habe…

Mal ehrlich: Erwachsen werden ist doch scheiße. Wieso habe ich jahrelang danach gestrebt, erst volljährig, dann studierend und nun berufstätig zu sein, um tun und lassen zu können, was ich möchte? Langsam dämmert mir, dass arbeiten und Verantwortung übernehmen nur Arbeit und Stress mit sich bringen – und ich bin denkbar schlecht darauf vorbereitet.

Anlass für diesen Gedanken bot mir mein Versuch, erstmalig in meinem Leben eine Steuererklärung auszufüllen. Ich halte mich ja schon für mindestens durchschnittlich begabt, verstand allerdings bestenfalls Bahnhof und obwohl ich Google durchaus zu meinem engeren Freundeskreis zähle, konnte ich die sich mir eröffnenden Fragen nicht alle nachhaltig klären. Spontan wünschte ich mich in meine Kindheit und Jugend zurück, deren damaligen Probleme mir plötzlich so wunderbar nichtig vorkommen. Allerdings plagen mich noch immer Albträume von Französisch-Klausuren, die ich selbst nach absolviertem Abitur noch schreiben muss, vielleicht wäre eine Zeitreise also keine so gute Idee.

Trotz erfolgreich bestandenem Studium und nicht ganz so schlechtem Job habe ich nur marginalste Kenntnisse über unser Steuersystem. Ironischerweise weiß ich allerdings aufgrund einer ganz furchtbaren Vorlesung über Gender Budgeting mehr über das Steuerwesen in Österreich als über das Deutsche… Ebenso wenig weiß ich, welche Versicherungen ich benötige und welche nur Halsabschneiderei sind (wobei ich in diesem Punkt glücklicherweise auf meinen Herrn Vater zurückgreifen kann) – ich habe das nie gelernt, mich allerdings auch nie dafür interessiert. Und nun stehe bzw. sitze ich hier und möchte doch nur zu gerne Vater Staat Auskunft über meine Einkünfte geben, um horrende Summen an Nachzahlungen zu leisten (noch mehr Stoff für Albträume, wurgs).

Gymnasium und Uni haben mit mir also einen Menschen ausgekotzt, der dank prima Allgemeinbildung bei Quizduell gut abschneidet (kann man das irgendwie als besonderen Skill im Lebenslauf erwähnen?) und auch in der Lage ist, echte wissenschaftliche Texte und nicht nur alberne Blogtartikel zu verfassen, aber so richtig lebensfähig bin ich dann wohl doch nicht. Es ist ja auch irgendwie ironisch, dass man das Gymnasium mit einer allgemeinen Hochschulreife abschließt, der Aspekt der Reife allerdings oftmals so gar nicht zuzutreffen scheint (und mit G8 scheint das ja noch schlimmer geworden zu sein…).

Vielleicht wäre es sinnvoll, in der Oberstufe sowas wie Lebensbefähigungsunterricht zu erteilen, in dem man lernt, wie eine Zwiebel richtig zu schneiden ist, wie eine Waschmaschine funktioniert und wie so eine Steuererklärung funktioniert. Man könnte Heranwachsenden erklären, was eine Kreditkarte ist und wie man verhindert, dass durch deren Einsatz, exzessiven Ratenkauf sowie horrende Handykosten der Besuch eines Herrn Zwegat notwendig wird, was die Schufa ist und welche Klauseln eines Mietvertrags veraltet bzw. hinfällig sind oder wie sinnvolles Zeitmanagement funktioniert. Mir erscheint das in Rückblick auf meine Schulzeit und angesichts dessen, was heute für mein Leben relevant ist, jedenfalls sinnvoller als Kunstunterricht, der nur aus Malen besteht, oder konfessioneller Religionsunterricht, der meiner Ansicht nach ohnehin NICHTS in einer staatlichen Schule zu suchen hat. Das garantiert zwar nicht, dass das Gelernte behalten wird, um später angewandt zu werden, aber man hat es wenigstens mal versucht (und ja, eigentlich sind die Eltern mitverantwortlich, ich weiß…)

Dieser beinah schon ekelhafte Versuch, konstruktiv zu sein, scheint jedoch zum Scheitern verurteilt: Er würde nämlich voraussetzen, dass das Lehrpersonal (theoretische oder gar praktische) Kenntnisse im Bereich Lebensfähigkeit hat – und da habe ich doch arge Bedenken…

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Ein Gedanke zu “Ich möchte nicht erwachsen sein…

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