PinkPinkPink sind alle meine Farben…

Quelle: 2-blog.net

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Heute geht das Foto eines Werbeblättchens des Paderborner Supermarkts Minipreis durch die sozialen Medien. Darin beworben werden Überraschungseier, „pünktlich“ zur Fußball-WM und getrennt nach Geschlechtern für „Weltmeister“ und „Spielerfrauen“. Diese „Rollenzuweisung“ für Jungen und Mädchen sorgt für Empörung und für süffisant-dämliche Sprüche, die gerne mal auf die Gleichmacherei-Angst eines Herrn Sarrazin verweisen.

Auch wenn Ferrero auf Nachfrage einiger Blogger (siehe erster Link) darauf hinweist, dass die beiden Eier nur Beispiel für eine Kollektion bestehend aus 20 Motiven – darunter „Abseitsversteher“ (wie witzig) oder „Flankengott“ darstellen („Spielerfrau“ scheint übrigens dennoch die einzige Rolle zu sein, die Mädchen einnehmen können), ist das Foto symptomatisch für einen neuen „Trend“, der die Kinderabteilungen deutscher Supermärkte erreicht hat: Die konsequente Geschlechtertrennung. Während in meiner Kindheit das Ü-Ei noch unisex war und Mädchen wie Jungen gleichermaßen begeistern konnte (so denn ein cooles Spielzeug drin war!), gibt es heute ein extra Ü-Ei für Mädchen, in welchem Barbie-Figürchen und anderer „Mädchenkram“ stecken. Dieses ist natürlich rosa, damit gar kein Zweifel aufkommen kann, welches Produkt für welches Geschlecht gedacht ist.

Ich habe das Gefühl, dass Marketing für Mädchen immer mehr „rosafiziert“ wird. Die Klamotten sind schon für Säuglinge „geschlechtsentsprechend“ gestaltet. Das Mädchen von heute hat gefälligst pinke Tüllröckchen und Lackschühchen zu tragen, es soll ja schließlich hübsch aussehen.Es gibt Menschen, die kaufen rosa/blaue Kinderwagen, damit klar ist, welches Geschlecht das darin liegende kahlköpfige und zahnlose Gewächs hat! Es ist unglaublich schwer, eine Gratulationskarte zur Geburt eines Babys zu erstehen, die nicht rosa/blau ist und als Aufschrift „Es ist ein Mädchen! Es ist ein Junge!“ trägt, was ich nicht nur ärgerlich, sondern auch ziemlich idiotisch finde. Die Eltern wissen in der Regel als Erste, welches Geschlecht ihr Kind hat und müssen via Karte nicht daran erinnert werden!

Sowieso muss für Mädchen alles rosa sein, wozu Vielfalt? Auch in den Spielzeugabteilungen gibt der Farbcode klar vor, was Mädchen kaufen sollen. Barbie war schon immer pink, aber auch Playmobil und Lego, früher akzeptabel für beide Geschlechter, haben nun Sonderserien für Mädchen mit Ponyhöfen, Feenwelten und Prinzessinnenschlössern. Man (bzw. mädchen) kann die Figürchen umziehen und Traumhochzeiten in Kapellen nachspielen – wie aufregend! Das Leben einer Frau dreht sich natürlich nur um den Konsum von Klamotten und Make Up und die Suche nach dem Traumpartner. Danach geht’s nur noch bergab.

Selbstverständlich bedeutet diese Art des Marketings nicht, dass nur Mädchen mit diesen Sachen spielen „dürfen“, aber es wird sehr deutlich markiert, was akzeptabel ist und was nicht und auch heute noch werden Kinder ungeachtet ihres Geschlechts, die abweichend ihrer vorgegebenen Rolle spielen möchten, oftmals dafür sanktioniert: „Das macht ein Mädchen nicht“, „Nur Mädchen spielen mit Puppen“ – man möchte eigentlich denken, dass sich dies im Jahr 2014 geändert hat. Mädchen wie Jungen sollten spielen und tragen dürfen, was sie möchten und nicht das, was ihrem Geschlecht entspricht.

Doch solange die Werbung Kindern von klein an vorgibt, „Spielerfrau“ – also die in der Regel dekorative Partnerin eines Fußballspielers – oder „Topmodel“ unter der Knute von Heidi Klum gehörten zu den (wenigen) erstrebenswerten Lebensaufgaben, muss man sich auch nicht wundern, wenn genau das die Berufswünsche vieler Mädchen sind, denn sie versprechen Ruhm und Glamour. Wer da noch glaubt, es seien die „Natur“ oder die Gene, die alleine für die Ausbildung von Geschlechterrollen verantwortlich sind, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen.

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