Haste ja t(r)oll gemacht!

Meine geneigten und regelmäßigen LeserInnen (yeah, über 9001.000 Klicks in einer Woche, danke!) haben inzwischen eine Ahnung davon, dass ich eine masochistische Ader habe. Nicht im sexuellen Sinne, ich konsumiere allerdings sehr gerne unterschiedlichste Medien, um mich dann irrsinnig darüber aufzuregen.

Ich verbringe Stunden auf Seiten wie Spiegel Online, um dort insbesondere im Bereich „Uni“, aber auch in sämtlichen Artikeln, die Frauenquoten und andere gleichstellungspolitische Themen behandeln, die Kommentare zu lesen und beständig darüber den Kopf zu schütteln. Dabei spiele ich mit mir selbst so eine Art Bullshit-Bingo, denn im Prinzip kommen immer die gleichen „Argumente“ und wirklich brauchbare Diskussionen entstehen sowieso nicht. Immerzu haten angebliche MINT-Absolventen (der Maskulinismus ist an dieser Stelle bewusst gewählt) gegen GeisteswissenschaftlerInnen, dass diese sowieso nur bummeln, nichts leisten, nichts können, viel  zu lange studieren und am Ende keinen Job finden, während der durchschnittliche MINT-Student mal mindestens 80 Stunden in der Woche für die Uni ackert, danach zum Nebenjob rennt, um 20 Uhr schlafen geht und niemals im Leben eine Party besuchen würde, da er ja nebenher noch die Bachelor-Arbeit des Kommilitonen in Literaturwissenschaften schreiben muss. Und da ja meistens Frauen diese ganzen brotlosen Fächer studieren, haben die in Führungspositionen sowieso nix verloren und wer soll dann überhaupt Kinder kriegen? Und die Kinder, die enthalten die vielen bösen Mütter ihren Ex-Männern ja vor und sowieso wollen die alle gar nicht Karriere machen, weil sie viel zu emotional sind. Blablabla.

Und dann denk ich mir so: Was sind das eigentlich für Menschen, die nichts anderes zu tun haben, als diese Kommentarspalten vollzuschmieren? Ständig den Hass wo abzuladen, das ist mir ja absolut fremd. Als ordentliche Sozialwissenschaftlerin machte ich mich auf die Suche nach entsprechender Literatur und fand – wenig. Die sogenannte Trollforschung, vom Blogger mit der wohl schlechtesten Frisur – Sascha Lobo – betrieben und vor ein paar Jahren auf der re:publica (Achtung, lang und gewöhnungsbedürftig) vorgestellt, lieferte einige Hinweise, ist aber doch eher nur so halbernst zu nehmen. Die nicht ganz so wissenschaftlichen, höchstwahrscheinlich weder reliablen noch validen Ergebnisse des Herrn Lobo zeigen: Trolle sind überwiegend männlich, gar nicht mal so dumm und vermutlich: gelangweilt, da sie sehr engagiert darin sind, Störkommunikation zu betreiben. Das tun sie ganz erfolgreich, indem sie provokante Fragen posten, sich als dummer Newbie ausgeben (was dazu führt, dass viele unbedarfte Internet-Neulinge des Trollens bezichtigt werden, ohne zu wissen, was das überhaupt ist) oder einfach stupide rumprollen.

Vermutlich sind viele Trolle auch, man verzeihe mir diese polemische Aussage, ungebumste Frauenhasser. Zumindest ist das einer meiner Erklärungsansätze dafür, dass insbesondere frauenpolitische/feministische Seiten mit diesem Phänomen zu kämpfen haben, etwa diestandard.at, deren Redaktion einen forumsfreien Dienstag eingeführt hat, um zumindest zeitweise vor der Flut dummdreister Kommentare Ruhe zu haben. Das ist ja auch alles irgendwie schwierig: Einerseits möchte man Raum für Diskussionen lassen, andererseits führen diese zu nichts. Werden sie unterbunden, dann wird Zensur unterstellt.

Was also tun? In einem der wenigen Texte, die ich zum Thema fand (und die Quelle habe ich gerade nicht im Kopf, das ist ja schon fast Guttenberg-Manier hier), wurde empfohlen, die Trolle zu ignorieren. Klingt simpel, scheint aber wenig erfolgreich. Selbst in (angeblich) moderierten Foren wie bei SPON scheint jeder noch so sinnbefreite Kommentar den Weg am zuständigen Redakteur vorbei zu finden. Hinweise wie „Don’t feed the troll“ sind ja auch eher kontraproduktiv. Und was wird aus meinem Hobby, wenn es keine Trolle mehr gibt?

Angesichts dieser Problematik scheint es unabdingbar, die Trollforschung um handfeste sozialwissenschaftliche Erkenntnisse zu erweitern. Ich stelle mich freiwillig zur Verfügung und durchforste gerne für die nächsten drei bis fünf Jahre alle Foren dieser Welt (als ob ich das nicht bereits jetzt schon tun würde), um dann das wissenschaftliche Standardwerk der Trollforschung vorzulegen. Ich fange gleich heute damit an!

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5 Gedanken zu “Haste ja t(r)oll gemacht!

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