Von warmem Senf und gepunkteten Statuen

Quelle: juedische-allgemeine.de

Als „Twentysomething“ der Generation Y (oder sind wir schon Z?) bin auch ich einer Sucht erlegen, die in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sehr akut grassiert: Die Sucht nach (amerikanischen/britischen) Fernsehserien. Man wartet sehnsüchtig eine Woche lang auf die nächste Folge und durchlebt einen kalten Entzug, sobald die aktuelle Staffel mal wieder viel zu schnell vorüber ist. Wie im Fieber ist man auf der Suche nach neuem Material, testet Empfehlungen aus und verwirft vieles wieder. Aber manchmal (oder auch öfter) „kippt“ man richtig rein und saugt alle bislang existierenden Folgen auf. Ich persönlich liebe es ja, zu wissen, dass ich noch dreieinhalb Staffeln mit über 30 Folgen vor mir habe, bin aber zu Tode betrübt, wenn es dem Ende zugeht.

Eigentlich gilt mein Hass gar nicht Fernsehserien per se- ich liebe einige davon heiß und innig – sondern dem Umgang der deutschen TV-Sender damit. Als gesetzestreuer Fan hochwertiger US-Produktionen müsste man Jahre warten, bis eine zumeist schlechte Synchronfassung entweder im Nachtprogramm unter der Woche oder gebündelt am Wochenende (MIT WERBUNG) ausgestrahlt wird.

Allerdings rufen deutsche Übersetzungen vieler Serien bei mir Würgereiz hervor. Ich wurde schon als Snob bezeichnet, weil ich die englischen Originalfassungen von TV-Serien und Filmen bevorzuge, allerdings ist es auch einfach eine Frechheit, wie schlecht Synchrondrehbücher und -Casts zumeist sind. Ich frage mich immer, welche Menschen für die Übersetzung von Dialogen verantwortlich sind. Native Speaker oder ÜbersetzerInnen können es nicht sein angesichts der Tatsache, dass Begriffe wie „hot mustard“ mit „warmer Senf“, „chicks“ mit „Hühnchen“ (wie in How I met your Mother) oder „pointed statue“ mit „gepunktete Statue“ (wie in den Simpsons, diese Beispiele habe ich während der Nebenher-Berieselung mittels ORF aufgeschnappt) übersetzt wird. Gerade Comedy-Sendungen leben vom Wortwitz, wenn man das schon übersetzen muss, dann doch bitte mit etwas mehr Liebe zum Detail und Kreativität. Oder zumindest RICHTIG. Die deutsche Übersetzung von How I met your Mother war lange der Grund dafür, dass ich der Serie absolut nichts abgewinnen konnte. Als ich die damals existierenden 6-7 Staffeln auf Englisch in einem Rutsch durchgeschaut habe, fand ich es AWESOME. Soviel dazu. (Übrigens habe ich der Synchronfirma von How I met your Mother mal eine E-Mail geschrieben und sie auf ihre Unzulänglichkeiten hingewiesen. Allerdings habe ich nie eine Antwort erhalten, schade.)

Neben der beschissenen Übersetzung ist auch die Auswahl der SprecherInnen eine ausgemachte Frechheit. In meinem jugendlichen Leichtsinn hatte ich eigentlich immer angenommen, dass man Personen wählt, die zur Rolle (und damit zur Originalstimme) passen. Weit gefehlt! Ich als überaus großer True Blood-Fan habe es mal gewagt, fünf Minuten lang in die deutsche Fassung auf RTL 2 zu schalten: Da wird aus einer eigentlich durchaus humoristischen Serie tatsächlich HORROR. In Deutschland scheint es genau einen Sprecher für dunkelhäutige Männer zu geben. Auch wenn der piepsig und verdammt nochmal wie Turk aus Scrubs klingt – natürlich besetzt man ihn. Ich fände es so wunderbar, wenn deutsche TV-Sender dazu übergingen, den Zweikanal-Ton einzuführen. Als Kind schaute ich Ocean Girl, eine australische Serie, auf ZDF. Da ging das! Und beim ORF bei Scrubs auch! Also gibt es keine Ausreden!

Speaking of Scrubs: Ich hatte es ja schon in meinem Artikel Schluss mit dem Zirkus angerissen: Es nervt mich wirklich, dass manche Serien zu Tode wiederholt werden, während andere, durchaus zeigenswerte Produktionen eben ins Spätprogramm verbannt oder gar nicht gezeigt werden. Es wundert mich, dass noch niemand bei Wetten Dass?! aufgetaucht ist, der sämtliche Folgen Two and a half men auswendig mitsprechen kann, weil er/sie neben den Hausaufgaben immer den Fernseher laufen lässt. Vielleicht mag es erstaunen, aber: Es gibt in den USA noch andere Comedy-Formate, die man nachmittags zeigen könnte. Und wenn man schon wiederholt, wieso nicht mal solche „Perlen“ wie Buffy oder Baywatch (OH ICH LIEBE BAYWATCH SO SEHR)? [Anmerkung: Man machte mich darauf aufmerksam, dass Buffy neben anderen Serien wie Emergency Room auf sixx wiederholt wird. Danke an Kristiner S.]

Aber eigentlich, ja eigentlich, geht es mir darum, dass es in Deutschland endlich die Möglichkeit gibt, amerikanische Serien on demand unmittelbar nach US-Sendetermin sehen zu können. Ich würde für die Folgen meiner Lieblingsserien liebend gerne zahlen, würde ich sie in guter Qualität (sehr) zeitnah zu sehen kriegen. Ich möchte mich nicht an Sendepläne des Fernsehens halten und mir diktieren lassen, dass ich meine Lieblingsserie um Punkt 21:15 schaue und nicht dann, wenn ich das gerne möchte. Verdammt.

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15 Gedanken zu “Von warmem Senf und gepunkteten Statuen

  1. Ich sehe schon: Wir sind ziemlich auf einen Wellenlänge. 🙂 Vieles von dem, dass du hier so schön hasst, hasse ich auch: schlechte Synchronisation (ist nicht mein größtes Problem, weil ich nicht so der Comedyserienfan bin, aber auch bei Dramaserien wird da viel Murks gemacht), unpassende Synchronsprecher (ungelogen, gerade bei Männern scheint es da nur so 3-5 in Deutschland zu geben – hallo?), unmögliche Ausstrahlungszeiten (siehe Homeland oder House of Cards um 23.15 Uhr (!) sonntags (!) auf Sat.1), die immergleiche Ausstrahlung der immergleichen Serien (mein Gott, wie ich Two and a half men und Scrubs hasse!) und das leidige Problem, dass man in den Bereich der Semi-Illegalität abrutscht, wenn man seine Lieblingsserien zeitnah und im Original sehen will. Das sind alles sehr ärgerliche Dinge, die einem den Seriengenuss vermiesen können. Sixx ist tatsächlich inzwischen eine interessante Alternative zu Pro 7 geworden, die zeigen neben ER (das ist mal ne gute Krankenhausserie!) und Buffy ja auch z.B. Ally McBeal oder Beverly Hills 90210. Vielleicht hast du ja Glück und sie graben Baywatch auch noch aus. Das wäre doch was! 🙂

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  2. Im deutschsprachigen Bereich gibt es gefühlte zehn SynchronsprecherInnen, welche für ausnahmslos jedes Genre im TV Bereich zum Einsatz kommen. Dass die Stimme von Ally MacBeal auch Roseanne spricht, soll hier nur als sarkastischer Funfact fungieren. Das ist ermüdend und nervt unendlich. Jedes Kind weiß, dass die Stimme wesentliche Teile des Charakters transportiert. Warum bleibt dieser Umstand dem Synchronisationsverfahren so ein Geheimnis?
    Und es scheitert gewiss nicht an SprecherInnen mit entsprechender Ausbildung – denn davon gibt es genug!
    Vor gut zwanzig Jahren war ich mit der Information konfrontiert, dass im englischsprachigen Raum keine Filme synchronisiert werden, die Übersetzung geschieht mittels Untertitel. Das Argument dafür ist, dass es viel zu aufwändig wäre, entsprechende Stimmen zu casten und den Wortwitz ein zu eins zu übersetzen. Was vielleicht erklärt, warum es ausländische Filme in den USA nicht gerade leicht haben. Damals hat mich das befremdet, heute denke ich GANZ anders darüber.
    Und was ich über diverse bescheidene Übersetzungen denke, geht konform mit dem Text oben.

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  3. Stimme bei den Synchronisationen zu (mit ganz wenigen Ausnahmen) Was deine Forderung angeht: Dann musst du dir Sky zulegen. Game of Thrones, Boardwalk Empire, House of Cards, The Walking Dead u.a. unmittelbar nach US-Ausstrahlung bei Sky Go/Sky Anytime auf Abruf verfügbar. Dazu alle Serien auf zahlreichen Sendern in Zweikanalton.

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  4. Oh Lena, I couldn’t have put it better myself!

    Meine absolute Lieblingsserie ist Friends. Wenn mir jemand sagt, dass er die Serie (auf Deutsch!) lustig findet, dann denke ich, dass mit dem doch was nicht stimmen kann!! Die Charaktere klingen, als wären sie behindert! Unerträglich! Jennifer Aniston wird ja aber eh grundsätzlich mit einer Piepsstimme synchronisiert (brech).
    Aber auch the Big Bang Theory und E.R. sind nur im Original richtig gut!! Gerade Sheldons Sprachmelodie ist doch das, was den Großteil der Serie ausmacht. Und bei E.R. lernt man gleich noch ein paar Vokabeln aus dem medizinischen Jargon (‚500 milliliters lidocaine, I.V. push!‘). Wer weiß, worfür das mal noch gut ist!? 😀

    Aber generell kann ich es schon lange nicht mehr ertragen, wenn in Filmen/Serien die Mundbewegung konträr zum Gesprochenen ist! Noch dazu übersetze ich dann ständig zurück und ärgere mich dann über die missglückten Übersetzungen.
    Leider bin ich damit in meinem Umfeld ziemlich allein auf weiter Flur und finde nur selten Gleichgesinnte. Die meisten sind genervt von meinen Kommentaren, wie „Im Original hat er jetzt gerade das und das gesagt!“.

    Meine Schüler müssen auch darunter leiden, weil ich mit ihnen fast alles im Original schaue. Und es ist mir sch***egal, dass sie keine Gymnasiasten oder Englischstudenten sind. Sie lassen sich inwischen aber echt gut darauf ein und bei „Love…actually“ hatten sie am Schluss beinahe vergessen, dass er nicht auf Deutsch ist! (stolz!!)

    Als gut übersetzt durchgehen lassen würde ich übrigens: ALF und Das Leben des Brian! 😉

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  5. Pingback: Aus aktuellem Anlass… | 50 Shades of Hate

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